Trotz Milliardenverlust Wework versucht es noch einmal mit einem Börsengang

Einmal krachend mit seinen Plänen gescheitert, startet der Büroraumvermittler Wework nun einen zweiten Anlauf an die Börse. Doch zweifeln einzelne Experten die optimistischen Prognosen an, mit denen Wework Investoren zu locken versucht.
Wework: Viele Büros stehen in der Pandemie leer, weil die Menschen im Homeoffice arbeiten

Wework: Viele Büros stehen in der Pandemie leer, weil die Menschen im Homeoffice arbeiten

Foto: AFP

Schon einmal zerstoben hochtrabende Börsenpläne des Büroraum-Vermittlers Wework zu Staub, weil Investoren wegen zahlreicher Ungereimtheiten reihenweise kalte Füße bekamen und sich zurückzogen. Hauptinvestor Masayoshi Son (63), Chef des japanischen Softbank-Konzerns musste rettend eingreifen, wollte mit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 aber keine weiteren Milliarden mehr in Wework einschießen. Jetzt wagt das US-Unternehmen einen zweiten Versuch, will trotz eines Verlusts von 3,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr an die Börse, berichtet die "Financial Times" .

Doch diesmal soll es anders laufen: Wework will in einen leeren Börsenmantel (Spac) schlüpfen, wie aus einer der Zeitung vorliegenden Präsentation hervorgeht. Den Dokumenten zufolge strebe der Vermittler inklusive Schulden eine Bewertung von neun Milliarden Dollar an und wolle bei bestehenden und möglichen neuen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld einsammeln.

Laut "FT" spricht Wework mit dem Spac BowX Acquisition Corp, das im August mit einem Kapital von 420 Millionen Dollar an die Nasdaq gegangen war. BowX zählt den ehemaligen Basketballstar Shaquille O'Neal (49) als Berater und wird von Vivek Ranadivé (63), dem Gründer des kalifornischen Softwarekonzerns Tibco, geleitet. Spacs sind eine derzeit stark gefragte Alternative zum klassischen Börsengang. Sie werden als leere Firmenhülle gegründet, gehen an die Börse und nutzen das eingesammelte Kapital für Firmenkäufe, wobei die Firmen dann in den Spac-Mantel überführt werden.

Büro-Belegungsrate soll sich fast verdoppeln

Der hohe Verlust von Wework kommt indes nicht von ungefähr. Die Belegungsrate des Bürovermittlers brach im vergangenen Jahr über das gesamte globale Portfolio auf 47 Prozent ein, gegenüber 72 Prozent zu Beginn des Jahres, bevor die Pandemie zuschlug. Doch das soll sich dank weltweit voranschreitender Impfkampagnen schnell ändern: So geht Wework davon aus, dass die Belegungsrate nach der Pandemie bis Ende 2022 auf bis zu 90 Prozent ansteigt und das Unternehmen einen bereinigten Vorsteuergewinn von 485 Millionen Dollar erwirtschaften werde.

Ob dieses "Windmühle" genannte Projekt mögliche Geldgeber überzeugen kann, muss sich noch erweisen. Angesichts der Tatsache, dass Unternehmen auch nach der Pandemie viele ihrer Beschäftigten im Homeoffice sehen, überrascht eine prognostizierte Belegungsrate von 90 Prozent dann doch. Ein von der FT namentlich nicht genannter Investor zweifelt jedenfalls Weworks Aussagen an, die zugleich einen Anstieg der Erlöse von 3,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf mehr als sieben Milliarden Dollar bis 2024 vorsehen. Finanzprognosen dieser Art sind in traditionellen IPO-Dokumenten verboten - bei einem Zusammenschluss mit einem Spac aber nicht.

Vertrauen in das von ihm gerettete Unternehmen hatte Son als größter Wework-Investor auch damit stiften wollen, indem er den exzentrischen Wework-Gründer Adam Neumann (41) schasste und den Softbank-CEO Marcelo Claure (50) zum Executive Chairman des Büroraumvermittlers installierte. Zugleich ernannte Son im Februar letzten Jahres den Immobilienveteranen Sandeep Mathrani (59) zum neuen Wework-CEO und beauftragte ihn, die Kosten des Unternehmens zu senken.

rei