Trotz Liefer-Engpässen Weltweite Chipindustrie mit Rekordumsatz

Der Umsatz in der Chipindustrie ist so stark gestiegen wie nie zuvor - trotz der Lieferengpässe. Angesichts des stark gestiegenen weltweiten Bedarfs bauen Entwickler wie Intel nun ihre Kapazitäten aus.
Rekordjahr: Die Digitalisierung befeuert die Chipindustrie. In Autos werden deutlich mehr Chips verbaut als noch vor wenigen Jahren

Rekordjahr: Die Digitalisierung befeuert die Chipindustrie. In Autos werden deutlich mehr Chips verbaut als noch vor wenigen Jahren

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Die fortschreitende Digitalisierung rund um den Globus hat der Chipindustrie ein Rekordjahr beschert. Die Hersteller hätten ihre Umsätze im vergangenen Jahr insgesamt um 26,2 Prozent auf zuvor nie erreichte 555,9 Milliarden Dollar hochgeschraubt, teilte der Branchenverband SIA am Montag mit. Insgesamt seien 1,15 Billionen Halbleiter verkauft worden. Wegen der hohen Nachfrage bauen derzeit alle Anbieter wie Intel, TSMC und Samsung Electronics ihre Kapazitäten aus. Deswegen rechnet SIA für das laufende Jahr mit einem Erlösplus von fast neun Prozent.

Die Digitalisierung während der Corona-Pandemie werde die Nachfrage nach Chips auch künftig ankurbeln, sagte SIA-Chef John Neuffer: "In der absehbaren Zukunft wird es genug Nachfrage geben, um einen sehr aggressiven Werkaufbau zu rechtfertigen."

Europäischer "Chips Act"

Um Firmen anzulocken, setzen die USA, China und die Europäische Union auf Förderprogramme. Erst in der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission angekündigt, bis 2030 durch die "European Chips Act" genannte Initiative 15 Milliarden Euro an zusätzlichen öffentlichen und privaten Investitionen für die Chipproduktion zu mobilisieren.

Der ehrgeizige Plan der EU folgt auf die Ankündigung der USA, die im vergangenen Jahr ein 52 Milliarden Dollar schweres staatliches Subventionsprogramm "CHIPS for America" verabschiedet haben, um besser mit chinesischen Technologien konkurrieren zu können. Laut EU-dem Kommissar für Industrie, Binnenmarkt und Dienstleistungen, Thierry Breton, soll sich die Höhe der EU-Investitionen in einem ähnlichen Rahmen bewegen.

Eine feste Zahl wollte er allerdings nicht nennen. Was der Infineon-Chef Reinhard Ploss (66) über die Chipkrise und die Förderprogramme der EU sagt, erfahren Sie im Interview mit dem manager magazin. 

Die Chipkrise hat direkte Auswirkungen auf Verbraucher. Sie müssen etwa lange auf Neuwagen oder moderne Spielkonsolen wie die Playstation 5 warten. Mikrochips sind aber auch in modernen Kühlschränken oder Kaffeemaschinen verbaut. Die Produktion von Halbleitern ist extrem aufwendig. So müssen sie in staubfreien Räumen hergestellt werden. Entsprechend können die Kapazitäten nicht besonders schnell hochgefahren werden.

Der Halbleiterkonzern Infineon macht der Autoindustrie keine Hoffnung auf eine baldige Entspannung in der Chipkrise. Die Lagerbestände seien deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt und blieben knapp. Eine Normalisierung sei erst 2023 zu erwarten. Die Ausweitung der Chip-Produktion ist zwar geplant, geht aber zum Beispiel im neuen Infineon-Werk im österreichischen Villach nicht so schnell wie erhofft.

sio/reuters