WeChat im Visier Weißes Haus holt zum nächsten Schlag gegen chinesische Konzerne aus

TikTok war wohl nur der Anfang. Die US-Regierung will gegen weitere chinesische Apps wie WeChat vorgehen. Auch sollen Daten von US-Bürgern nicht mehr bei Konzernen wie Alibaba, Baidu, Huawei oder Tencent landen.
"Apps aus der Volksrepublik China bedrohen unsere Privatsphäre", sagt US-Außenminister Mike Pompeo und kündigt ein scharfes Vorgehen gegen weitere chinesische Apps und Cloud-Anbieter an

"Apps aus der Volksrepublik China bedrohen unsere Privatsphäre", sagt US-Außenminister Mike Pompeo und kündigt ein scharfes Vorgehen gegen weitere chinesische Apps und Cloud-Anbieter an

Foto: POOL/ REUTERS

Die US-Regierung will auf breiter Front "nicht vertrauenswürdige" Apps aus China von Smartphones der Amerikaner fernhalten. "Apps aus der Volksrepublik China bedrohen unsere Privatsphäre, verbreiten Computerviren und streuen Propaganda und Falschinformationen", erklärte US-Außenminister Mike Pompeo (56) bin der Nacht zum Donnerstag. Sie sollten aus den App Stores in den USA entfernt werden.

Neben der Video-App TikTok, die zuletzt in die Schlagzeilen geriet, erwähnte Pompeo auch den in China äußerst populären Messenger-Dienst WeChat . Es gab zunächst keine Angaben dazu, wer und nach welchen Kriterien die Vertrauenswürdigkeit der Apps feststellen soll.

Pompeo will auch dafür sorgen, dass persönliche Informationen amerikanischer Bürger und Daten von US-Unternehmen nicht in Cloud-Diensten chinesischer Anbieter wie Alibaba, Baidu und Tencent landen. Ferner will die US-Regierung den Zugang chinesischer Netzbetreiber wie China Mobile zu amerikanischen Telekom-Netzen unterbinden.

Weißes Haus ruft ausländische Unternehmen zum Boykott von Huawei auf

Der US-Außenminister rief auch Unternehmen aus anderen Ländern auf, ihre Anwendungen nicht in den hauseigenen App Store des chinesischen Smartphone-Anbieters Huawei zu bringen. Huawei baut eine eigene App-Plattform auf, da die Firma durch US-Sanktionen bei neuen Modellen nicht mehr auf Googles Download-Angebot Play Store für Android-Smartphones zurückgreifen kann. Die amerikanische Regierung wirft Huawei unter anderem Spionage vor, das Unternehmen weist dies zurück.

Im Fall von Tiktok hatte US-Präsident Donald Trump (74) jüngst ein Verbot in den USA ins Gespräch gebracht, unter Hinweis auf eine Gefährdung von Nutzerdaten. Tiktok erklärt, man habe nie Daten mit chinesischen Behörden geteilt.

Auch wird im Kongress derzeit über einen Gesetzentwurf beraten, der Bundesbeschäftigten die Nutzung von TikTok auf Dienstgeräten verbietet. Republikanische Senatoren hatten sich zudem besorgt gezeigt, dass sich China über die Video-App in den Präsidentschaftswahlkampf einmischen könnte. Über TikTok war im Juni ein Zuschauerboykott bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps organisiert worden. Treiber waren amerikanische Teenager, die der politisch unverdächtigen koreanischen Poprichtung K-Pop anhängen.

Aktuell verhandelt Microsoft mit dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance  über den Kauf des US-Geschäfts, sowie des Geschäfts in Kanada, Australien und Neuseeland der auch in Deutschland populären Video-App. Ziel sei es, diese Gespräche bis zum 15. September zu beenden - entsprechend der von Trump gesetzten 45-tägigen Frist. Trump selbst hatte seine Unterstützung für Microsofts Griff nach TikTok an die Bedingung geknüpft, dass der US-amerikanische Staat von dem Deal profitieren soll.

rei/dpa
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