Elektroroller-Anbieter Voi 160 Millionen Dollar für E-Scooter-Schlacht in Deutschland

Die Elektroroller-Schlacht geht in die nächste Runde. Der schwedische Anbieter Voi bekommt 160 Millionen Dollar, um in Deutschland zu expandieren und prophezeit: Nur wenige Start-ups werden überleben.
Elektroroller von Voi in Berlin: Das schwedische Start-up will mehr Scooter nach Deutschland bringen

Elektroroller von Voi in Berlin: Das schwedische Start-up will mehr Scooter nach Deutschland bringen

Foto: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX

Der schwedischen Scooter-Anbieter Voi bekommt 160 Millionen Dollar, um mit seinem Angebot in Deutschland und anderen Ländern zu expandieren. Dies sagte Voi-Chef Fredrik Hjelm (29) am Dienstagnachmittag dem manager magazin. Insgesamt haben Investoren damit bisher 325 Millionen Dollar in den Scooter-Anbieter gepumpt.

Die Roller-Schlacht in Europa wird durch die neue Finanzierung zunehmend zum Zweikampf. Zuvor hatte der Berliner Anbieter Tier Mobility bekannt gegeben, 250 Millionen Dollar von Softbank und anderen Finanziers erhalten zu haben. Beide Unternehmen hatten versucht, so schnell wie möglich neue Geldgeber zu finden , um ihre Expansion voranzutreiben.

Die neue Finanzierungsrunde bei Voi wird vom Wachstumsinvestor Raine Growth (SoundCloud, Vice) angeführt, auch die Gesellschafter VNV Global, Balderton, Creandum und Project A aus Berlin beteiligen sich erneut. Bis zu 50 Millionen Dollar der Summe fließen als Kredit an Voi. Mit diesem Konstrukt könne das Start-up seine Expansion günstiger finanzieren als bisher, so CEO Hjelm. Die Bewertung steigt nach Unternehmensangaben mit der neuen Finanzierungsrunde auf über eine halbe Milliarde Dollar.

Bislang bietet Voi seine Elektroroller in zwölf deutschen Städten an. 2021 sollen weitere dazu kommen und das Angebot an den bestehenden Orten ausgebaut werden. 

Brutaler Verdrängungskampf

Im Elektroroller-Feld herrscht ein brutaler Verdrängungswettbewerb. In nur zwei Jahren, so Hjelm, habe sich das Feld in Europa von zwanzig Anbietern auf rund fünf reduziert. Am Ende würden zwei bis drei Spieler übrig bleiben, ist der CEO überzeugt. Mit der neuen Finanzierung sei neben dem Berliner Anbieter Tier nun Voi gesetzt.

Die US-Unternehmen Lime und Bird seien in Europa ins Hintertreffen geraten. "Sie hatten zehnmal so viel Kapital wie wir, aber sie haben es nicht besonders gut gemanagt", sagt Hjelm. "Wir gewinnen Markt nach Markt und Ausschreibung um Ausschreibung." Besonders Bird habe stark an Boden verloren.

Wie Tier setzt auch Voi im Unterschied zu den US-Anbietern auf austauschbare Batterien. Dies hätte zu Kostensenkungen von bis zu 80 Prozent geführt. Trotz Expansionsplänen soll Voi daher im nächsten Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Bereits 2020 habe man in der zweiten Jahreshälfte auf Ebitda-Ebene Profitabilität erzielt. Die Nutzung der Roller habe sich durch die Corona-Pandemie in den letzten Monaten deutlich verstärkt. "Die Menschen meiden den öffentliche Nahverkehr."

Hjelm kann sich vorstellen, opportunistisch kleinere Anbieter zu übernehmen. Für eine Fusion mit Tier sieht er dagegen keine Grundlage. Beide Anbieter hatten im vergangenen Jahr immer wieder Gespräche über eine Fusion geführt. Doch für einen Merger gebe es keinen Grund mehr, sagt Hjelm. Damals seien beide Anbieter noch von der Profitabilität entfernt gewesen. Unklar sei auch gewesen, wie leicht der Zugang zu Kapital sein würde. Doch das habe sich nun geändert.

Bedeutet: Die Scooter-Schlacht ist noch lange nicht zu Ende.

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