Automatische Übersetzung Video-Plattform Zoom kauft Start-up aus Karlsruhe

Der Coronakrisen-Gewinner Zoom verstärkt sich mit einem Start-up aus Deutschland: Die Karlsruher Kites GmbH entwickelt Übersetzungstechnologie - die wird künftig in Meetings auf Zoom zum Einsatz kommen.
In Karlsruhe fündig geworden: Zoom-Chef Eric Yuan bei einem Auftritt an der US-Börse

In Karlsruhe fündig geworden: Zoom-Chef Eric Yuan bei einem Auftritt an der US-Börse

Foto: Carlo Allegri/ REUTERS

Spätestens seit der Corona-Pandemie kennen viele die US-Video-Plattform Zoom, deren Software vielfach für die Kommunikation aus dem Homeoffice oder dem Homeschooling mit der Außenwelt genutzt wird. Die Kites GmbH dagegen dürften nur wenige kennen: Kites steht für Karlsruhe Information Technology Solutions und ist ein Start-up aus Karlsruhe, das 2015 gegründet wurde und das sich auf maschinelle Übersetzungen spezialisiert hat. Das Jungunternehmen wird nun von Zoom übernommen.

Wie beide Unternehmen heute bekannt gaben, haben die Amerikaner mit den Gründern aus Karlsruhe eine entsprechende Übereinkunft getroffen. Details zu der Transaktion wie beispielsweise ein Kaufpreis wurden nicht publiziert.

Kites entstand als Ausgründung des Karlsruher Instituts für Technologie, wo die Mitgründer Alexander Waibel und Sebastian Stüker noch Fakultätsmitglieder sind. Das Start-up, das Waibel und Stüker ursprünglich für eine Dienstleistung für das Europaparlament gegründet hatten, beschäftigt derzeit eigenen Angaben zufolge zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es ist während der Corona-Pandemie deutlich gewachsen, da viele Universitäten und Unternehmen Konferenzen virtuell abhielten. Dabei konnte sich Kites als Software-as-a-Service-Dienstleister etablieren.

Nun sollen die Kites-Mitarbeiter das Engineering-Team von Zoom unterstützen. Und künftig auch Produkte jenseits der Simultanübersetzung entwickeln, wie Kites-CEO Stüker in einem Gespräch mit manager magazin erklärte. Welche Innovationen das sein könnten, wollten beide Unternehmen nicht mitteilen. Stüker, zusammen mit Waibel zuletzt alleiniger Anteilseigner, will sich künftig voll seinem Job bei Zoom widmen und die Universität verlassen. Die Leitung des Unternehmens soll ein externer Manager übernehmen.

Dabei plant Zoom offenbar das Unternehmen am Sitz in Karlsruhe weiter auszubauen. Karlsruhe ist mit Aachen in Deutschland eines der Zentren im Bereich Spracherkennung und maschinelles Lernen.

Die Übernahme von Start-ups im Feld künstlicher Intelligenz hat nach einem Rückgang 2020 in diesem Jahr wieder deutlich angezogen. Nach Informationen des Datendienstleisters CBS-Insights haben Unternehmen in diesem Jahr bereits mehr als 90 KI-Firmen übernommen. Führend dabei sind historisch die großen Technologiekonzerne wie Apple, Google oder Microsoft. So hat alleine Apple laut CBS-Insights seit 2010 insgesamt 29 KI-Unternehmen gekauft, gefolgt von Google mit 15, Microsoft mit 13, Facebook mit 12 und Amazon mit sieben Übernahmen in diesem Bereich.

Zoom gilt als einer der großen Gewinner der weltweiten Coronakrise. Das Unternehmen ermöglicht auf seiner Plattform virtuelle Konferenzen per Video und Internet - ein Angebot, das in Zeiten von Lockdowns und Homeoffice sehr gefragt war. Entsprechend erfreulich hat sich das Geschäft von Zoom in den vergangenen Monaten entwickelt.

Zuletzt meldete Zoom Anfang Juni Geschäftsergebnisse für das erste Quartal dieses Jahres . Demnach stieg der Umsatz im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 191 Prozent auf 956,2 Millionen Dollar. Die Zahl der Kunden, die jeweils mehr als 100.000 Dollar zum Umsatz beitragen, stieg um 160 Prozent, die Zahl der Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern um 87 Prozent.

Auch an der Börse macht sich der Erfolg des Unternehmens bemerkbar. Die Aktie von Zoom kostete zu Beginn des Jahres 2020 noch etwa 70 Dollar. Inzwischen notieren die Papiere an der US-Börse Nasdaq bei rund 385 Dollar. Das Unternehmen verfügt damit inzwischen über eine Marktkapitalisierung von 113 Milliarden Dollar.

cr/mihec

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