Commercetools mit Milliardenbewertung Münchener Softwareanbieter sammelt 120 Millionen Euro bei US-Investoren ein

Commercetools liefert Konzernen wie Audi die digitale Onlineshop-Infrastruktur. Nun konnte der Münchener E-Commerce-Spezialist einen prominenten Investor aus dem Silicon Valley gewinnen – auch Rewe ist dabei.
Hoch hinaus: Das Startup Commercetools sammelt bei Investoren 120 Millionen Euro ein

Hoch hinaus: Das Startup Commercetools sammelt bei Investoren 120 Millionen Euro ein

Der Münchener E-Commerce-Softwareanbieter Commercetools sammelt bei Investoren um die US-amerikanische Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft Accel 120 Millionen Euro frisches Kapital ein. Laut Informationen von manager magazin wurde der Deal bereits am vergangenen Freitag besiegelt. Die Wagniskapitalgeber, zu denen auch die Rewe-Gruppe sowie Insight Ventures gehören, bewerteten das Unternehmen dabei mit 1,62 Milliarden Euro. Abseits der Börse ist das in diesem Segment ein neuer Rekord – und damit ein weiterer Erfolg für die international einst abgeschlagene deutsche Tech-Szene.

Commercetools-Geschäftsführer und -Gründer Dirk Hörig (43) sagte manager magazin, dass das Geld vor allem in die Expansion in den USA und Asien sowie in Zukäufe fließen solle. Trotz großer, etablierter Konkurrenten wie Salesforce gibt er sich selbstbewusst: "Wir wollen unsere Kunden technisch in die Lage versetzen, mit Amazon konkurrieren zu können."

Bereits mehrere Großkunden in der Autoindustrie

Hörigs Unternehmen bespielt einen in der Öffentlichkeit eher selten beachteten Markt: Commercetools verkauft Konzernen eine digitale Infrastruktur für ihre Onlineshops. Neben dem eigentlichen Shop gehören dazu etwa Chatbot- oder Augmented-Reality-Lösungen. Hörig will die eigene Software nun um neue Dienste erweitern und weiter verbessern. Er konkurriert dabei mit Angeboten von üppig finanzierten Tech-Größen wie Salesforce oder Adobe. Gerade in der Autoindustrie, die sich bislang schwer damit tat, ihren Kunden online ein kongruentes Angebot zu präsentieren, zählt Commercetools heute mit Volkswagen, Audi und BMW gleich mehrere Großkunden.

Der Deal ist ein weiteres Indiz für die relative Stärke der deutschen Gründerszene im Segment der spezialisierten Unternehmenssoftware. Deutsche Start-ups wie der Datamining-Spezialist Celonis oder die App-Analysefirma Adjust können sich hier auffällig gut gegen US-Konkurrenten behaupten – ähnlich wie einst ihr Urahn SAP. Der Boom zieht zunehmend große, außereuropäische Wagniskapitalgeber wie Accel an, die auch bei Celonis investiert sind.

Commercetools bietet eine Bausteinlösung zum Betreiben von Onlineshops und ist in diesem Markt heute hinter SAP der zweitgrößte europäische Anbieter. Anders als das kanadische Shopify  – das ebenfalls von einem Deutschen gegründet wurde – zielen die Münchener nicht auf kleinere Shops, sondern konzentrieren sich auf große Konzernkunden. Commercetools kooperiert unter anderem mit TalonOne, das der Lieferando-Mitgründer Christoph Gerber (35) führt. Rund 35 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen heute bereits in Nordamerika.

phal
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