US-Firma kauft Finnlands Wolt Doordash mischt deutschen Liefermarkt auf

Der US-Bringdienst Doordash erwirbt den finnischen Konkurrenten Wolt und drängt damit nachdrücklich auch auf den deutschen Liefermarkt. Der Wettbewerb in dem defizitären Geschäft dürfte härter werden.
Umkämpftes Geschäft: Immer mehr Start-ups ringen um die Vorherrschaft auf dem deutschen Liefermarkt

Umkämpftes Geschäft: Immer mehr Start-ups ringen um die Vorherrschaft auf dem deutschen Liefermarkt

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Der US-Essenslieferdienst Doordash steigt mit der Übernahme des finnischen Rivalen Wolt in großem Stil in den europäischen Markt ein. In der Nacht zu Mittwoch kündigte der US-Branchenprimus an, für Wolt sieben Milliarden Euro in einem reinen Aktiendeal zu zahlen.

Mit der Übernahme steigt Doordash in insgesamt in 22 neue Länder ein - darunter Dänemark, Schweden und Serbien. Vor allem aber drängen die Amerikaner mit dem Schritt, der lange erwartet worden war, nun mit Macht in den deutschen Markt. Bislang hatte sich der Dienst bereits eine Beteiligung am 10-Minuten-Lieferdienst Flink gesichert, der hierzulande ebenfalls aktiv ist. Wolt ist in Deutschland inzwischen neben Berlin auch in Hamburg, Hannover, München, Köln und Düsseldorf auf dem Markt. Konkurrenten von Doordash/Wolt sind hierzulande Lieferando-Eigner JustEatTakeaway, Uber sowie Delivery Heros Foodpanda.

Ein Durchmarsch wird es für Doordash in Deutschland allerdings auch nach der Wolt-Übernahme nicht. Selbst in der Wolt-Hochburg Berlin, wo der Dienst im August 2020 zuerst in den deutschen Markt eingetreten ist, soll der Marktanteil rund zwölf Monate später bei rund 5 Prozent stagnieren. Der Abstand zwischen Lieferando und dem finnischen Dienst vergrößerte sich gemessen an den absoluten Bestellungen offenbar zuletzt sogar.

Tatsächlich setzt die Lieferando-Mutter JustEatTakeaway allein in Deutschland mit einem Brutto-Umsatz von 0,9 Milliarden Euro im vergangenen Quartal deutlich mehr um als Wolt in allen 23 Ländern, in denen der Dienst am Markt ist.

Insgesamt ist der Markt für Essenslieferungen in der Corona-Krise zwar rasant gewachsen. Viele Anbieter schreiben aber nach wie vor rote Zahlen. Und Doordash gilt als gefährlicher Angreifer auf dem Liefermarkt. In den USA hat das Unternehmen innerhalb von drei Jahren den Lieferarm des Fahrdienstes Uber niedergerungen.

Übernahme erfreut Investoren

Am Aktienmarkt kam der Deal gut an. Nachbörslich sprang die Doordash-Aktie fast 19 Prozent in die Höhe. Wolt wurde 2014 in Helsinki gegründet, ist seither nach Europa und Asien expandiert und kommt inzwischen auf mehr als 30.000 Restaurants und Läden auf seiner Plattform und 4000 Mitarbeiter. Mittlerweile zählt Wolt mehr als 2,5 Millionen aktive Nutzer pro Monat. Bei Doordash sind es mehr als neun Millionen. Doordash-Chef Tony Xu (36) sagte, sein Unternehmen spiele durch den Deal "auf einer noch größeren weltweiten Bühne um einen größeren Preis". 2022 rechnet er für das fusionierte Unternehmen mit einem bereinigten Betriebsergebnis zwischen 0 und 500 Millionen Dollar.

Im Rahmen der Übernahme steigt EQT bei Wolt aus und erhält im Gegenzug Doordash-Aktien. Erst im Januar hatte Wolt bei Investoren - darunter EQT, Iconiq, Tiger Global, Highland Europe und KKR - insgesamt 530 Millionen Dollar eingesammelt. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen, das auch Lebensmittel und Blumensträuße ausliefert, rund 345 Millionen Dollar um.

cr, jr/Reuters
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