Flugtaxi-Start-ups im Überblick Lilium plant US-Börsengang - diese Firmen wetteifern um City-Fluggeräte

Von der Fantasterei zur greifbaren Zukunft: Finanzinvestoren steigen vermehrt bei Flugtaxi-Start-ups ein, das Münchener Start-up Lilium drängt an die US-Börse Nasdaq. Wer am meisten Kapital hat, was die Firmen planen.
1 / 11

Lange galten elektrisch angetriebene Personen-Flugdrohnen für Kurzstrecken in der Stadt eher als Fantasterei. Nun steigen vermehrt kapitalstarke Finanzinvestoren bei Start-ups ein, die elektrisch angetriebene Vertikalflugzeuge ("electric vertical take-off and landing", oder kurz "eVTOL") in Serie bauen wollen.

Wie viel Geld aktuell in die junge Branche fließt, zeigt ein Bericht der "Financial Times" vom 24.08.21 : Alleine in diesem Jahr erhielten eVTOL-Start-ups von Geldgebern bislang schon 4,3 Milliarden Dollar, wie Zahlen der Unternehmensberatung McKinsey zeigen - und zwar in Form von Venturekapital oder Kapitalzusagen für Spac-Börsengänge. Das sei aktuell einer der "heißesten Märkte", schreibt die FT - auch wenn die meisten Start-ups noch nicht mal Prototypen fertig haben, die tatsächlich Passagiere befördern können.

Foto: Lilium
2 / 11

Weltweit arbeiten mehr als 200 Firmen an solchen Senkrechtstartern, weit vorn dabei sind auch zwei deutsche Jungunternehmen:

Das Start-up Lilium aus dem bayerischen Oberpfaffenhofen will für seine Flugtaxis bis 2025 ein Netzwerk von "Vertiports" rund um den Globus aufbauen, also Start- und Landestellen für die vollelektrischen vertikalen Passagierjets. Um das zu schaffen, bereitet Lilium den Gang an die Börse vor, die Fusion mit der US-Mantelgesellschaft Qell ist bereits erfolgt. Dem Start-up winkt sein erster Großauftrag: Eine Bestellung von rund 220 Elektro-Jets von der brasilianischen Airline Azul.

Die senkrecht startenden, siebensitzigen Elektrojets sollen in Deutschland in Serie gebaut werden. Der Lilium Jet (im Bild der erste Prototyp aus dem Jahr 2018) soll Städte "umweltfreundlich, schnell und erschwinglich" miteinander verbinden. Der Prototyp absolvierte im Oktober 2019 den ersten Testflug.

Foto: Daniel Karmann / dpa
3 / 11

Ebenfalls vorn dabei ist Volocopter. Das badische Unternehmen entwickelt elektrisch angetriebene Multikopter zur Personenbeförderung und Drohnen für den innerstädtischen Gütertransport. Ihr Flugtaxi Volocity soll von 18 Einzelmotoren in die Luft gehoben werden und hat von der europäischen Flugsicherheitsagentur EASA bereits die Herstellerlizenz erhalten.

Das Fluggerät Volocity soll eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer und eine Höhe von maximal knapp 2000 Metern erreichen. Es kann sich eine Stunde lang in der Luft halten.

Foto: Volocopter
4 / 11

Volocopter hat per Stand Anfang März 2021 insgesamt 322 Millionen Euro an Kapital aufgenommen. Das Geld soll vor allen in die weiteren Schritte zur Zulassung des Volocity fließen. Das Unternehmen plant Flugtaxidienste in Metropolen weltweit. Volocopter eruiert ebenfalls einen Börsengang via Spac-Börsenhülle. Experten rechnen damit, dass Volocopter insgesamt 700 Millionen Euro benötigen wird, um sein Fluggerät in Serie zu bauen und kommerzialisieren zu können.

Im Bild Firmenchef Alexander Zosel im Frühjahr 2016 beim bemannten Erstflug.

Foto: Nikolay Kazakov / Nikolay Kazakov for Volocopter
5 / 11

Als finanzstärkstes Flugtaxi-Start-up gilt das US-Unternehmen Joby Aviation, das sich vor einigen Monaten die ehemalige Uber-eVTOL-Sparte "Elevate" einverleibt hat. Der Tech-Investor Marcus Pincus und der Linkedin-Gründer Reid Hoffmann haben Joby ebenfalls mithilfe einer Spac-Hülle im Februar 2021 an die Börse gebracht. Durch die Transaktion stieg die Bewertung auf stolze 6,6 Milliarden Dollar. Zwar zählt Joby Aviation unter anderem den Autoriesen Toyota zu seinen Financiers, beim Börsengang hat Joby allerdings weniger Kapital eingenommen als ursprünglich erwartet.

Das ist auch ein Zeichen darauf, wie hochriskant die Wette auf Joby Aviations und seinen Konkurrenten für Investoren ist: Denn mehr als Prototypen und hochfliegende Pläne haben sämtliche Start-ups noch nicht vorzuweisen. Das Fluggerät von Joby (im Bild) hat Unternehmensangaben zufolge bereits über 1000 Testflüge hinter sich und soll auf Strecken bis zu 150 Kilometern fliegen.

Foto: Bradley Wentzel / Joby Aviation
6 / 11

Ebenfalls an der Börse notiert - und das ebenfalls via Spac-Blitzbörsengang - ist Jobys US-Konkurrent Archer Aircraft (im Bild der Archer-Prototyp mit der schönen Bezeichnung "Maker"). Anfang Februar 2021 erfolgte der IPO mit einer Gesamt-Unternehmensbewertung von 3,8 Milliarden Dollar. Zudem vermeldete das Unternehmen einen Auftrag über eine Milliarde Dollar von United Airlines. Der ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass die US-Flugbehörden das elektrisch angetriebene Archer-Fluggerät für den regulären Betrieb zulassen.

Der "Maker" soll knapp 100 Kilometer weit fliegen können und auf eine Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h kommen.

Ende Juli musste Archer aber seine pro Forma-Bewertung von bis dahin 2,7 Milliarden Dollar um eine Milliarde Dollar senken  - ein weiteres Zeichen dafür, dass der Enthusiasmus von Investoren, der noch im ersten Quartal 2021 zu sehen war, langsam etwas abebbt.

Foto: Archer Aircraft
7 / 11

Auch Airbus arbeitet an neuen, elektrischen Konzepten für die Luftfahrt. Der Cityairbus soll das Flugtaxi für den Stadtverkehr werden. Airbus verfolgt ebenfalls das Konzept des vertikalen Startens und Landens. Der Multikopter hob im Mai 2019 zum Jungfernflug ab.

Die acht mit Elektromotoren betriebenen Propeller sollen besonders leise sein, die Reisegeschwindigkeit bis 120 km/h betragen. Auf festen Strecken soll es teils ferngesteuert fliegen und vier Passagiere befördern können.

Foto: Airbus
8 / 11

Konkurrent Boeing schickte im Januar 2019 den Prototypen seines autonomen Passagierluftfahrzeugs Boeing PAV (kurz für "passenger air vehicle") auf Jungfernflug. Die Zukunft des Projekts ist nun aber fragwürdig, nachdem Boeing im September 2020 seinen Innovationsbereich Boeing NeXt infolge der Corona-Krise und der Probleme mit der 737 Max schloss.

Foto: Boeing
9 / 11

Das Wasserstoffflugzeug HY4 soll als Transportmittel für Kurzstrecken dienen. Das vier­sit­zi­ge Pas­sa­gier­flug­zeug ist mit Was­ser­stoff-Brennstoff­zel­len und Elek­tro­an­trieb zur Unterstützung beim Start und Steigflügen ausgestattet.

Foto: DLR
10 / 11

Im September 2016 startete das HY4 zum offiziellen Erstflug vom Flughafen Stuttgart. Es soll eine Geschwindigkeit von 145 Kilometern pro Stunde erreichen und bis zu 1500 Kilometer weit fliegen.

Das Fluggerät ist das Ergebnis einer Kooperation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit mehreren Unternehmen.

Foto: DLR
11 / 11

Auch Google-Gründer Larry Page mischt im Flugtaxigeschäft mit. Mit dem Deutschen Sebastian Thrun als CEO gründete er die Firma Kitty Hawk. Auf der Suche nach einem Fluggerät für den täglichen Gebrauch hat das kalifornische Start-up mit dem "Flyer" (Foto) nach eigenen Angaben das erste elektrisch angetriebene Vertikalflugzeug gebaut, das von Nicht-Piloten geflogen werden kann. Im März 2020 beendete die Firma das Projekt, um sich auf die Weiterentwicklung des "Heaviside"-Flugzeugs zu konzentrieren – ebenso ein Einzelflugzeug.

Foto: HANDOUT/ AFP
wed/cs