Elon Musk stößt auf Widerstand Twitter will sich mit "Giftpille" gegen Übernahme wehren

Elon Musk will Twitter für rund 41 Milliarden US-Dollar kaufen - doch Twitter setzt sich mit einer klassischen "Giftpille" und einem Angebot an andere Aktionäre zur Wehr. Die Börse glaubt derzeit nicht an einen Erfolg von Musk: Die Twitter-Aktie fällt deutlich.
Ich-Maschine will Ich-Maschine: Tesla-Chef Elon Musk will den Kurznachrichtendienst Twitter vollständig übernehmen - doch das Unternehmen setzt sich zur Wehr

Ich-Maschine will Ich-Maschine: Tesla-Chef Elon Musk will den Kurznachrichtendienst Twitter vollständig übernehmen - doch das Unternehmen setzt sich zur Wehr

Foto: Hannibal Hanschke / AP

Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, will Twitter kaufen - doch es ist fraglich, ob seine Übernahmeattacke gelingt. Der Tesla -Chef ist darauf angewiesen, dass genug Anteilseigner ihm ihre Aktien zu dem von Musk angebotenen Preis von 54,20 Dollar abtreten. Twitter setzte sich am Freitag zur Wehr.

Die Gegenmaßnahme sieht vor, dass andere Aktionäre zusätzlich Anteile günstig kaufen können, wenn ein Aufkäufer die Marke von 15 Prozent überschreitet. Der Schritt ist eine klassische "Giftpille", zu der von Übernahmen bedrohte Firmen greifen. Der Plan solle für ein Jahr gelten, teilte der Twitter-Verwaltungsrat mit. Eine Ausnahme wäre, wenn ein Deal vom Aufsichtsgremium abgesegnet wird.

Die Börse glaubt derzeit nicht an Musks Erfolg: Üblicherweise steigt der Kurs bei Übernahmeplänen in Richtung des Gebots - doch am Freitag sank die Twitter-Aktie bis auf 45 Dollar. Das ist deutlich unter dem von Musk gebotenen Kurs von 54,20 US-Dollar. Musk hatte zudem betont, er werde das Angebot nicht weiter aufbessern.

Musk selbst räumte am Freitag Zweifel ein. "Ich bin nicht sicher, dass ich tatsächlich in der Lage sein werde, es zu kaufen", sagte er am Donnerstag. Er habe aber "technisch gesehen" die nötigen Mittel, um den über 40 Milliarden Dollar (37 Milliarden Euro) schweren Deal durchzuziehen, betonte der 50-Jährige.

Musk müsste Aktien verkaufen oder Kredite aufnehmen

Musk ist der mit Abstand reichste Mensch der Welt. Sein Vermögen wird vom Finanzdienst Bloomberg auf Basis jüngster Aktienkurse auf 251 Milliarden Dollar (232 Milliarden Euro) geschätzt. Den Reichtum machen hauptsächlich Beteiligungen am Elektroauto-Hersteller Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX aus. Für einen Twitter-Kauf müsste er also entweder Aktien abstoßen oder Kredite mit den Beteiligungen als Sicherheit aufnehmen.

Mehrere Finanzinvestoren bei Twitter an Bord

Aber auch wenn Musk die nötigen Mittel flüssig machen kann, ist die Zustimmung der Aktionäre die große Hürde. Twitter hat neben dem Streubesitz mehrere Finanzinvestoren als große Anteilseigner, die jeweils zwischen zwei bis acht Prozent der Anteile halten. Es würde also nicht reichen, nur wenige Großaktionäre vom Verkauf zu überzeugen.

Ein wichtiger Anteilseigner, der saudische Prinz Alwaleed bin Talal, erteilte Musk bereits öffentlich eine Absage. An der Börse wird damit gerechnet, dass weitere Aktionäre bin Talal folgen.

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Musk wettert gegen Schutzklauseln von Facebook und Google

Zugleich ist Twitter nicht so gut gegen feindliche Übernahmen geschützt wie etwa Facebook, Amazon oder Google , wo Gründer Aktien mit mehr Stimmrechten bekamen. Das erlaubt ihnen, die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten, auch wenn sie nicht mehr die Mehrheit der Aktien halten. Musk wetterte bereits dagegen: Beim Meta -Konzern etwa sichere dies, dass auch "Mark Zuckerberg der 14." noch die Kontrolle über Facebook, WhatsApp und Instagram behalte.

Musk schrieb, dass der Preis sein letztes Angebot sei. Scheitere der Versuch, müsse er sein Engagement bei Twitter überdenken. "Das ist keine Drohung, es ist einfach keine gute Investition ohne die Änderungen, die gemacht werden müssen." Drohung oder nicht - auf jeden Fall kann man dies als ziemlich durchsichtige Erinnerung an die Aktionäre sehen, dass der Kurs auch ganz schnell wieder sinken könne.

Kritik an Musks Redefreiheits-Programm

Als Grund für sein Interesse an Twitter gibt Musk an, die Redefreiheit auf der Plattform stärken zu wollen. Das sei nur möglich, wenn der Kurznachrichtendienst die Börse verlasse, argumentiert er. Seine Vorstellung von Redefreiheit umriss Musk so: "Wenn jemand, den man nicht mag, etwas sagen darf, was man nicht mag." Im Rahmen der Gesetze sollten alle Meinungen erlaubt sein.

Diese Einstellung sorgte für Kritik von Experten wie dem früheren Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos. Man erhöhe den Wert einer Plattform nicht, indem man sie zu 99,9 Prozent mit Pornografie sowie Anzeigen für gefälschte Marken-Sonnenbrillen und Potenzmittel befüllen lasse.

In den vergangenen Jahren waren es in den USA vor allem die Konservativen und allen voran die Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump, die Twitter und anderen Online-Plattformen wie Facebook "Zensur" vorwarfen. Dabei ging es meist um Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Informationen über das Coronavirus sowie Trumps falscher Behauptungen, ihm sei der Sieg bei der Präsidentenwahl 2020 gestohlen worden.

Musk könnte vieles verändern

Twitter war an der Börse zuletzt insgesamt gut 36 Milliarden Dollar wert. Erst im November hatte sich Twitter-Gründer Jack Dorsey (45) von der Konzernspitze zurückgezogen und an Parag Agrawal (37) übergeben. Musk, mit mehr als 80 Millionen Followern selbst einer der einflussreichsten und reichweitenstärksten Nutzer des Onlinedienstes, ist schon lange als Kritiker von Twitter bekannt. Der Multimilliardär hat dem Unternehmen wiederholt vorgeworfen, die freie Meinungsäußerung einzuschränken. Zudem will Musk auch viele Funktionen bei Twitter verändern.

So startete er vor Kurzem auf seinem Profil eine Umfrage dazu, ob die Twitter-Nutzer eine sogenannte Editier-Funktion wollten, um einen Tweet nach der Veröffentlichung zu korrigieren. In weniger als drei Stunden nahmen mehr als 1,2 Millionen Nutzer an der Umfrage teil. Rund drei Viertel sprachen sich dafür aus, dass Twitter im Nachgang die Korrektur von Tweets ermöglichen soll. Das Unternehmen erklärte daraufhin, diese Funktion zu testen – stellte allerdings klar, dass es schon seit Langem an seiner solchen Möglichkeit arbeite und nicht erst durch Musks Vorschlag auf diese Idee gekommen sei.

Zuletzt hatte Musk für Aufsehen gesorgt, als er seine Follower fragte, ob Twitter "stirbt". Er verwies dabei darauf, dass viele Prominente mit Millionen von Followern wie Justin Bieber sich nur vergleichsweise selten auf der Plattform zu Wort melden.

Will Musk Twitter auf Abo-Modell umstellen?

Wie genau Musk Twitter verändern will, bleibt weitgehend offen – zum Beispiel, wo er die Defizite bei der Redefreiheit sieht. In den vergangenen Jahren waren es in den USA vor allem die Konservativen und allen voran die Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump (75), die Twitter "Zensur" vorwarfen. Dabei ging es meist um Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Informationen über das Coronavirus sowie Trumps Behauptungen, dass ihm der Sieg bei der Präsidentenwahl 2020 gestohlen worden sei. Trump wurde inzwischen von Twitter verbannt. Musk hatte in der Anfangszeit der Pandemie selbst die Gefahren durch das Virus heruntergespielt und Corona-Einschränkungen in Kalifornien als "faschistisch" kritisiert.

Das Übernahmeangebot von Musk hat bereits am Donnerstag Spekulationen darüber entfacht, ob der gesperrte Account von Trump dann möglicherweise wieder entsperrt werde. Er werde aber auch in diesem Fall "wahrscheinlich" nicht zurückkehren, meldete sich Trump am Donnerstag zu Wort. Twitter sei "sehr langweilig" geworden. Die Plattform habe die meisten der "wichtigsten Stimmen" bereits verloren.

In einem Tweet am Wochenende ließ Musk außerdem durchblicken, dass er das aktuelle Geschäftsmodell von Twitter mit Werbung als zentrale Einnahmequelle gern durch Abo-Einnahmen ersetzen würde. Auf Anzeigenerlöse angewiesen zu sein, gebe großen Konzernen zu viel Macht, schrieb er.

Eine eigene Presseabteilung wie in anderen Konzernen gibt es bei Tesla nicht. Musk ist aber ein Meister darin, Twitter als Plattform zur Selbstprofilierung und für das Tesla-Marketing zu nutzen. Zwar gab es in der Vergangenheit Spekulationen, bei fast der Hälfte seiner Follower auf Twitter könnte es sich um Fake-Konten oder Bots handeln , doch selbst wenn man die aktuelle Zahl der Follower halbierte, folgen immer noch rund 40 Millionen Menschen dem Tesla-Chef auf dem Medium. Und sie sind empfänglich für Meinungen: Ob Musk sich auf Twitter nun zu Bitcoin, zum eigenen Bitcoin-Investment oder zu Tesla äußerte, in den meisten Fällen bewegte der damit den Wert der Cyberwährung oder eben die Kurse der Tesla-Aktien - mitunter massiv sogar. Das brachte Musk mehrfach Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC ein oder auch mit der US-Verkehrsaufsicht.

la/dpa