Kurznachrichtendienst Twitter will sich gegen Übernahme wehren – Tesla-Chef Elon Musk spricht von "Plan B"

Das unfreundliche Übernahmeangebot von Elon Musk stößt auf Widerstand bei Twitter. Man werde sich "nicht als Geisel" halten lassen und wehren, heißt es. Der Tesla-Chef kalkuliert ein mögliches Scheitern ein und hat angeblich einen "Plan B".
"Die wirtschaftlichen Aspekte sind mir völlig egal": Elon Musk verfolgt angeblich keine wirtschaftlichen Interessen bei seinem von Twitter als unfreundlich empfundenen Übernahmeangebot

"Die wirtschaftlichen Aspekte sind mir völlig egal": Elon Musk verfolgt angeblich keine wirtschaftlichen Interessen bei seinem von Twitter als unfreundlich empfundenen Übernahmeangebot

Foto: Hannibal Hanschke / REUTERS

Was hat Elon Musk mit Twitter vor? Die Frage stellte sich vielen Beobachtern bereits beim Einstieg des Tesla-Chefs und nach seinem Übernahmeangebot für den Kurznachrichtendienst nun umso mehr. Ein wenig Einblick in seine Pläne gewährte der Tesla-Chef am Donnerstagabend (MEZ) im Verlauf der TED-Konferenz in Vancouver. "Eine öffentliche Plattform, der man maximal vertrauen kann und die alle einbezieht, ist für die Zukunft der Zivilisation extrem wichtig. Die wirtschaftlichen Aspekte sind mir völlig egal", sagte Musk in einem Interview auf der Konferenz .

Musk überraschte in der Vergangenheit oft mit seiner unorthodoxen Art, Ziele zu benennen, die vielen Menschen dann auch eher als entfernte Vision erschienen. Dass dem reichsten Mann der Welt bei seinem jüngsten Projekt ökonomische Aspekte gleich sein sollen, fällt allerdings schwer zu glauben: Noch spielt Tesla mit Blick auf absolute Absatzzahlen eine untergeordnete Rolle im Wettbewerb, doch trimmte Musk den Elektroautopionier mit einer Ebit-Marge von 12,1 Prozent im vergangenen Jahr zum profitabelsten Autohersteller der Welt.

Musk: Twitter soll seinen Quellcode offenlegen

"Ich habe in Twitter investiert, weil ich an sein Potenzial glaube, eine Plattform für freie Meinungsäußerung auf der ganzen Welt zu sein, und weil ich glaube, dass freie Meinungsäußerung ein gesellschaftliches Gebot für eine funktionierende Demokratie ist", bekräftigte Musk am Donnerstag.

Also nicht ums Geldverdienen, sondern um Redefreiheit soll es dem Tesla-Chef bei seinem Twitter-Engagement angeblich gehen. Diskussionen und Vorwürfe in diese Richtung, dass Twitter die freie Meinungsfreiheit unterdrücke, hatte der Multimilliardär in der Vergangenheit immer wieder losgetreten.

Twitter will sich gegen eine feindliche Übernahme wehren

In dem Interview sprach sich Musk auch für eine größere Transparenz bei dem Twitter-Algorithmus aus: Der Quellcode des Dienstes sollte auf der Entwickler-Plattform GitHub im Internet veröffentlicht werden, damit jeder Einblick erhalten und Kritik üben könne, forderte der neue Twitter-Großaktionär, der das Unternehmen nach einer geglückten Übernahme auch von der Börse nehmen will.

Die Übernahmeankündigung stößt auf Widerstand bei Twitter. Der Kurznachrichtendienst lasse sich nicht "als Geisel halten", soll Twitter-Chef Parag Agrawal (37) nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person am Donnerstag vor versammelten Mitarbeitern erklärt haben. Die auf Technologie-Berichterstattung spezialisierte Website "The Information" berichtete zudem, der Twitter-Verwaltungsrat mit seinem Vorsitzenden Bret Taylor (43) wolle sich gegen Musks feindlichen Übernahmeversuch zur Wehr setzen. Offiziell teilte Twitter zunächst lediglich mit, man prüfe den Vorstoß und werde im Interesse der Firma und aller Aktionäre vorgehen.

Musk: "Es gibt einen Plan B"

Dass Musk angesichts der Aktionärsstruktur – schließlich muss er gleich eine ganze Reihe von größeren Anteilseignern überzeugen – mit seinem Vorstoß scheitern kann, scheint ihm durchaus bewusst zu sein. "Ich bin nicht sicher, dass ich tatsächlich in der Lage sein werde, es zu kaufen", räumte der Tesla-Chef bei dem Konferenzauftritt ein.

Um möglichen Spekulationen über ein besseres Angebot entgegenzutreten, hatte Musk seine Offerte von 54,20 Dollar je Aktie von Beginn an als final bezeichnet. Werde das Angebot nicht angenommen, werde er seine Position als Anteilseigner überdenken müsse, ergänzte Musk. Auf die Frage des Moderators, ob es einen Plan B gebe, antwortete der Tesla-Chef lediglich mit den Worten: "Den gibt es." Einzelheiten nannte er auf Nachfragen nicht.

rei mit Nachrichtenagenturen