Nach Einstieg Elon Musk mischt Twitter auf

Nach dem Einstieg bei Twitter stellt Elon Musk bislang geübte Regeln infrage. Analysten interpretieren dies als versteckte Ansage an das Management – und erwarten, dass der neue Großaktionär eine aktive Rolle bei Twitter einnehmen werde.
Kein passiver Investor: Tesla-Chef Elon Musk ist nicht nur größter Aktionär bei Twitter, sondern soll auch Mitglied des Verwaltungsrats werden

Kein passiver Investor: Tesla-Chef Elon Musk ist nicht nur größter Aktionär bei Twitter, sondern soll auch Mitglied des Verwaltungsrats werden

Foto: MIKE BLAKE / REUTERS

Tech-Milliardär Elon Musk schreckt nach seinem Einstieg bei Twitter nicht davor zurück, bislang gesetzte Regeln bei Twitter infrage zu stellen. So war das von Jack Dorsey (45) gegründete Unternehmen bislang nie auf Forderungen nach einer Redigier-Möglichkeit eingegangen. Jetzt heizte Musk das Thema mit einer Umfrage auf Twitter wieder an. Ergebnis: Nach wenigen Stunden erhielt Musk in der Nacht zu Dienstag 75 Prozent Zustimmung für seinen Vorschlag, einen sogenannten Redigier-Button auf Twitter einzuführen.

Die Umfrage ist nicht repräsentativ und hat keine direkten Konsequenzen, doch die frisch erworbene Beteiligung von 9,2 Prozent dürfte Musk zweifelsohne mehr Gehör beim Twitter-Management verschaffen. Bislang hält sich der Tesla-Chef eher bedeckt dazu, was er mit dem Einstieg beim Kurznachrichtendienst erreichen will. Dass die Beteiligung bei der US-Börsenaufsicht SEC mit dem Formular "13G" gemeldet wurde, interpretieren manche Beobachter so, dass Musk zumindest vorerst keinen aktiven Einfluss anstrebt. Doch Analysten geben nicht viel auf diese Formalie. Die Twitter-Aktie sprang am Montag um gut 27 Prozent hoch.

Dass Musk sehr wohl die künftigen Geschicke von Twitter aktiv mitgestalten will, wurde am Dienstagnachmittag deutlich: Twitter will Musk in den Verwaltungsrat holen, wie der Kurznachrichtendienst am Dienstag mitteilte. Mit dem neuen Posten gehen auch Einschränkungen für Musk einher: Als Twitter-Direktor ist es Musk nicht möglich, als Individuum oder Teil einer Gruppe seinen Anteil auf mehr als 14,9 Prozent hochzuschrauben.

"Eine vollständige Übernahme sollte nicht ausgeschlossen werden"

CFRA Research-Analyst Angelo Zino

Der langjährige Tesla-Analyst Dan Ives von WedBush Securities erwartet, dass Elon Musk in naher Zukunft mit seinem Twitter-Anteil eine "aggressivere Eigentümer-Rolle" einnehmen könnte. CFRA Research-Analyst Angelo Zino schrieb in einer Kundenmitteilung. "Musks tatsächliche Investition ist ein geringer Prozentsatz seines Vermögens, und eine vollständige Übernahme sollte nicht ausgeschlossen werden." Und Eric Ross, Analyst bei Cascend Securities betonte gegenüber dem "Wall Street Journal" : "So etwas wie eine passive Beteiligung gibt es bei Elon Musk nicht. Er wird eindeutig die Ärmel hochkrempeln."

"So etwas wie eine passive Beteiligung gibt es bei Elon Musk nicht"

Eric Ross, Analyst bei Cascend Securities

Musk, Chef von Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X, hat bereits früher in Unternehmen investiert, darunter in Online-Zahlungsabwickler Stripe und unter anderem in Vicarious, ein Unternehmen für Künstliche Intelligenz. Zudem leitet er das Chip-Startup Neuralink sowie das Infrastrukturunternehmen The Boring Company.

Zuletzt Zweifel an Twitters Wachstumsaussichten

Twitters jüngste Quartalsergebnisse und die geringer als erwartet ausgefallenen Nutzerzuwächse hatten zuletzt Zweifel an den Wachstumsaussichten des Unternehmens aufkommen lassen, auch wenn es Projekte wie Audio-Chatrooms und Newsletter verfolgt, um mehr Wachstum zu generieren. Insofern könnte Musks Vorstoß auch als Wink an das Management verstanden werden, mehr aus dem Unternehmen herauszuholen. Er könnte das Management "auf Trab halten", zitiert Reuters  Thomas Hayes, geschäftsführendes Mitglied bei Great Hill Capital.

Klar ist: Für Elon Musk ist Twitter ein wichtiger Kommunikationskanal. Zwar gab es in der Vergangenheit Spekulationen, bei fast der Hälfte seiner Follower auf Twitter könnte es sich um Fake-Konten oder Bots handeln , doch selbst wenn man die aktuelle Zahl der Follower halbierte, folgen immer noch rund 40 Millionen Menschen dem Tesla-Chef auf dem Medium. Und sie sind empfänglich für Meinungen: Ob Musk sich auf Twitter nun zu Bitcoin, zum eigenen Bitcoin-Investment oder zu Tesla äußerte, in den meisten Fällen bewegte der damit den Wert der Cyberwährung oder eben die Kurse der Tesla-Aktien - mitunter massiv sogar. Das brachte Musk mehrfach Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC ein oder auch mit der US-Verkehrsaufsicht.

Musk macht schon mal Stimmung für die Redefreiheit

Und am 25. März, also 11 Tage nachdem er größter Aktionär des Social-Media-Unternehmens geworden war, twitterte Musk folgende Umfrage: "Die Redefreiheit ist für eine funktionierende Demokratie unerlässlich. Glauben Sie, dass Twitter diesen Grundsatz strikt einhält?" In weiteren Tweet fügte er hinzu: "Die Folgen dieser Umfrage werden wichtig sein. Bitte stimmen Sie sorgfältig ab." Offensichtlich hat Musk ein anderes Verständnis von einem passiven Investment. Mehr als 70 Prozent der rund zwei Millionen Menschen, die geantwortet hatten, stimmten jedenfalls mit Nein.

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Parag Agrawal (37), seit Ende 2021 Twitter-Chef, reagierte auf Musk' jüngste Umfrage nach einem Redigier-Button nun mit einer versteckten Spitze: "Die Konsequenzen dieser Umfrage werden bedeutend sein. Bitte stimmen sie sorgfältig ab", retweetete der CEO.

Starinvestorin Cathie Wood (66), deren Flagschiff-Fonds mit rund 10 Prozent des Vermögens in Tesla investiert ist, interpretiert Musks Twitter-Einstieg dann auch als "starkes Signal" an CEO Agrawal und als Hinweis auf eine womöglich angestrebte Umstrukturierung im Management. „Dies könnte die Vorbereitung für einen weiteren Führungswechsel sein“, sagte sie im Gespräch mit dem Finanznachrichtendienst Bloomberg .

„Dies könnte die Vorbereitung für einen weiteren Führungswechsel sein“

Starinvestorin Cathie Wood von Ark Investment Management

Agrawal dürfte Musks Vorstoß daher weiter mit großer Aufmerksamkeit begleiten: Als sich der aktivistische Paul Singer mit seiner Gesellschaft Elliott Management an Twitter beteiligte, nominierte er vier Direktoren für den Vorstand und drängte auf die Ablösung von Gründer Jack Dorsey. Musk twitterte zur Unterstützung von Dorsey unter anderem Herz-Emoji. Elliott und Twitter einigten sich schließlich darauf, Dorsey im Amt zu belassen. Später trat Dorsey mit der Begründung zurück, das Unternehmen sei über seine Gründer hinausgewachsen.

rei mit DPA