Parag Agrawal übernimmt Twitter-Chef Jack Dorsey tritt zurück

Zum zweiten Mal tritt Twitter-Gründer Jack Dorsey als Chef des Kurznachrichtendienstes zurück. Vorstandskollege Parag Agrawal übernimmt seinen Posten. Der Aktienkurs steigt steil an.
Enfant terrible: Twitter- und Square-Gründer Jack Dorsey ist auch auf Bitcoin-Konferenzen wie im Bild von Juni 2021 unterwegs

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Foto: MARCO BELLO / AFP

Der Chef und Mitbegründer des Kurzbotschaftendienstes Twitter, Jack Dorsey (45), gibt die Unternehmensführung mit sofortiger Wirkung ab. Das teilte Twitter am Montag mit und bestätigte damit einen Bericht des Fernsehsenders CNBC. Der Aufsichtsrat habe einstimmig den bisherigen Technologievorstand Parag Agrawal zu Dorseys Nachfolger berufen.

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Dorsey schrieb auf Twitter, er werde noch bis ungefähr Mai dem Aufsichtsrat angehören, um beim Übergang zu helfen. Es sei "wichtig für ein Unternehmen, dass es auf eigenen Füßen steht, frei von Einfluss oder Anweisungen seines Gründers". Er habe die Entscheidung zum Rücktritt selbst getroffen, aber sie sei ihm nicht leicht gefallen. Es gebe nicht viele Gründer, die ihr Unternehmen über ihr eigenes Ego stellten.

An der New Yorker Technologiebörse Nasdaq wurde der Handel mit der Twitter-Aktie  angesichts "anstehender Nachrichten" vorübergehend ausgesetzt. Zuvor war der Kurs um 11 Prozent hochgeschossen, rutschte dann aber wieder deutlich ab.

Dorsey hatte Twitter 2006 gemeinsam mit mehreren Mitstreitern gegründet. Er setzte den allerersten Tweet ab. Dorsey führte die Firma in der Anfangszeit von Mai 2007 bis Oktober 2008. Danach wurde er von Mitgründer Ev Williams und Aufsichtsrat Fred Wilson aus dem wachsenden Unternehmen gedrängt und gründete den Bezahldienst Square. Seit der Rückkehr an die Twitter-Spitze im Jahr 2015 führte er beide Unternehmen gleichzeitig - eine Doppelbelastung, die bei einigen Investoren Bedenken auslöste. Der Hedgefonds Elliott Management und die Private-Equity-Firma Silver Lake Partners drängten auf eine Trennung. Dorsey musste geschäftlichen Zielmarken zustimmen und den Investoren Sitze im Aufsichtsrat zugestehen, um sie zu besänftigen.

Kryptofan und Trump-Schreck

Unter seiner Führung gelang es Twitter, weitgehend aus den langjährigen roten Zahlen herauszukommen - auch wenn zuletzt eine Vergleichszahlung nach einer Investorenklage wieder für einen hohen Verlust sorgte. Zugleich kommt Twitter mit seinem Geschäftsmodell, bei dem Werbekunden für Geld Tweets in die Timeline der Nutzer bringen können, nicht annähernd an die Anzeigenerlöse von Facebook heran. Zudem kamen neue Rivalen wie Tiktok auf. Auch bei der Kursentwicklung hinkt Twitter den Großen der Branche deutlich hinterher, was bei Anlegern gelegentlich für Murren sorgte. Zuletzt startete Twitter den Versuch, zusätzliches Geschäft mit Aboerlösen zu erschließen.

Im US-Wahlkampf 2020 und der Pandemie ergriff Twitter unter Dorsey eine harte Position gegen Falschinformationen über Impfstoffe und Donald Trumps Behauptungen, der Sieg im Rennen ums Weiße Haus sei ihm durch Betrug gestohlen worden. Dorsey wurde deswegen von den Republikanern in Anhörungen im US-Kongress angegriffen.

Kontrovers äußert sich Dorsey oft als Befürworter von Kryptowährungen wie Bitcoin. Unter seiner Führung hat Square hunderte Millionen Dollar an Firmenvermögen in Bitcoin investiert und setzt zudem auf Kryptohandel als Einnahmenquelle. Im Oktober twitterte Dorsey zudem, Square wolle ein eigenes System zum "Mining" von Kryptowährungen aufbauen. Mit der Übernahme des australischen Ratenzahldienstes Afterpay für 29 Milliarden Dollar steht Square vor seinem mit Abstand teuersten Zukauf.

Jetzt schrieb Dorsey, Technikchef Agrawal sei schon längere Zeit sein Wunschnachfolger gewesen, weil er das Unternehmen und dessen Bedürfnisse verstehe. "Er führt mit Herz und mit Seele", schwärmte Dorsey. Agrawal ist seit 2011 bei Twitter und wurde im Herbst 2017 Technikchef.

ak/AFP, DPA, Reuters
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