Klage im Übernahmestreit eingereicht Twitter wirft Musk "Heuchelei" vor

Der Kurznachrichtendienst hat seine Klage gegen Elon Musk eingereicht. Twitter spricht von Vertragsbruch, Musk wolle dem Unternehmen massiv schaden.
Absage wegen falscher Angaben: Der Tesla-Chef Elon Musk hat für seine Behauptungen zu Twitter bislang keine Beweise vorgelegt

Absage wegen falscher Angaben: Der Tesla-Chef Elon Musk hat für seine Behauptungen zu Twitter bislang keine Beweise vorgelegt

Foto: OLIVIER DOULIERY / AFP

Jetzt ist es offiziell: Twitter fordert von Tech-Milliardär Elon Musk (51) vor Gericht, die vereinbarte Übernahme des Online-Dienstes umzusetzen. Dafür reichte der Online-Dienst wie angekündigt eine Klage im US-Bundesstaat Delaware ein, wie Verwaltungsratschef Bret Taylor (43) am Dienstag mitteilte. Das zuständige Gericht kann den Vollzug einer Übernahme anordnen. Das fordert Twitter auch ausdrücklich in der gut 60-seitigen Klageschrift, die von US-Medien veröffentlicht wurde.

Die Online-Plattform wirft Musk Vertragsbruch vor, wie aus der Klage hervorgeht. Musks Begründung für einen Rückzug aus dem im April vereinbarten Milliarden-Deal sei "Heuchelei", erklärte Twitter weiter.

Der Gründer des Elektroautobauers Tesla und reichste Mensch der Welt hatte die geplante Übernahme von Twitter für einen Preis von 44 Milliarden Dollar am vergangenen Freitag platzen lassen. Zur Begründung verwies er auf seine bisher nicht belegten Behauptungen, dass es auf Twitter deutlich mehr Fake-Accounts gebe als die vom Unternehmen stets genannte Schätzung von weniger als fünf Prozent. Seine Anwälte führten unter anderem an, Twitter sei seiner Pflicht aus dem Vertrag nicht nachgekommen, Musk den nötigen Datenzugang zur Überprüfung der Zahlen bereitzustellen. Twitter wies dies zurück und bezeichnete Musks Rückzieher als "ungültig und unrechtmäßig".

Twitter: Musk will mit allen Mitteln Vertrag entkommen

Einen Tag später legten Twitters Anwälte in der Klageschrift nun noch einmal nach: Musk glaube wohl, dass er es sich erlauben könne, von einem geschlossenen Vertrag einfach so zurückzutreten, das Unternehmen zu verunglimpfen, dessen Geschäft durcheinanderzubringen und Werte von Aktionären zu zerstören.

"Musks Verhalten bestätigt schlicht und ergreifend, dass er aus dem verbindlichen Vertrag entkommen will, den er aus freien Stücken unterzeichnet hat, und dass er dabei Twitter schädigen will", heißt es in der Klage. "Twitter hat infolge der Verstöße des Beschuldigten irreparable Schaden erlitten und wird weiter irreparablen Schaden erleiden."

Das Gericht wird nun darüber entscheiden müssen, ob Musk sich aus der Vereinbarung zurückziehen darf oder nicht. Der Multimilliardär und Twitter hatten in ihrer Vereinbarung eine Vertragsstrafe von bis zu einer Milliarde Dollar – rund eine Milliarde Euro – festgeschrieben, wenn sich eine Partei zurückzieht.

Musk und Twitter hatten sich im April auf eine Übernahme der Online-Plattform durch den ebenso gefeierten wie umstrittenen Unternehmer geeinigt. Musks Rückzug aus der Vereinbarung dürfte eine lange und kostspielige Justizschlacht nach sich ziehen.

dri/Reuters, afp
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