Datenschutz Ex-Sicherheitschef erhebt schwere Vorwürfe gegen Twitter

Twitters ehemaliger Sicherheitschef Peiter Zatko wirft dem Kurznachrichtendienst gravierende Mängel beim Datenschutz vor. Bei der US-Börsenaufsicht SEC hat er eine Beschwerde eingereicht. Twitter weist die Anschuldigungen zurück.
Schwere Anschuldigungen: Twitter weist die Vorwürfe vehement zurück

Schwere Anschuldigungen: Twitter weist die Vorwürfe vehement zurück

Foto: GLENN CHAPMAN / AFP

Der ehemalige Twitter-Sicherheitschef Peiter Zatko (51) wirft dem Kurznachrichtendienst Medienberichten zufolge gravierende Mängel beim Datenschutz vor. Twitter habe gegenüber den Regulierungsbehörden irreführende Angaben über Nutzer-Konten und Maßnahmen gegen Hackerangriffe gemacht, heißt es in einem 84-seitigen Bericht Zatkos. Das US-Unternehmen habe seine Schutzmaßnahmen übertrieben dargestellt. Zatko habe seine Kollegen davor gewarnt, dass die Hälfte der Server veraltet und anfällig gegen Angriffe sei. Nachdem Zatko im Januar vom Unternehmen gefeuert worden war, reichte er als Whistleblower eine Beschwerde bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Twitter wies die Vorwürfe zurück und warf Zatko vor, seinem früheren Arbeitgeber schaden zu wollen.

Die bereits im Juli eingereichte Beschwerde wurde am Dienstag bekannt, nachdem der TV-Sender CNN und die "Washington Post" Zugang zu dem Papier bekommen hatten und Zatko den beiden Medien Interviews gab. Der 51-jährige Zatko wurde einst als Hacker bekannt. Twitter-Mitgründer und langjähriger Chef Jack Dorsey engagierte ihn im Jahr 2020, um die Sicherheit der Plattform zu verbessern.

Zu seinen Kritikpunkten gehört, dass zu viele Twitter-Mitarbeiter Zugang zu zentralen Systemen des Dienstes und Nutzerdaten wie Telefonnummern hätten.

Ein Vorwurf von Zatko könnte auch eine Rolle im aktuellen Ringen zwischen Twitter und Tech-Milliardär Elon Musk (51) spielen. So behauptet er, dass das Unternehmen keine verlässlichen Methoden habe, um die Zahl von Fake-Accounts auf der Plattform zu ermitteln. Musk machte das Thema von gefälschten Profilen und automatisierten Bot-Accounts zu einem zentralen Argument in seinem Versuch, aus der rund 44 Milliarden Dollar schweren Twitter-Übernahme auszusteigen. Twitter will vor Gericht erreichen, dass Musk zum Vollzug des Deals verpflichtet wird. Das Gerichtsverfahren soll am 17. Oktober beginnen. Von Musk war am Dienstag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Eine Twitter-Sprecherin sagte der "Washington Post" und CNN, das Unternehmen habe zwar keinen Zugang zu detaillierten Vorwürfen von Zatko, nach bisherigen Erkenntnissen wiesen diese jedoch viele "Ungenauigkeiten" auf. Twitter stehe weiterhin zu den bisher gemachten Angaben und Zatko sei wegen "schwacher Leistung" entlassen worden.

dri/Reuters, dpa-afxp
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