Zweiter Versuch Twitter startet nächste Woche neues Abomodell

Im ersten Anlauf fing sich der neue Twitter-Chef eine Welle von Fake-Accounts ein. Jetzt versucht es Elon Musk noch einmal. Ab nächster Woche gibt es drei verschiedene Haken auf Twitter und gesperrte Kunden dürfen zurückkommen.
Distanz zum Twitter-Chef Elon Musk: Mehrere Konzerne haben ihre Werbe-Aktivitäten und teilweise auch ihre Posts auf Twitter eingestellt

Distanz zum Twitter-Chef Elon Musk: Mehrere Konzerne haben ihre Werbe-Aktivitäten und teilweise auch ihre Posts auf Twitter eingestellt

Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Nach der Blamage mit Fake-Accounts vor wenigen Wochen startet Elon Musk (51) einen neuen Anlauf für ein Abomodell bei Twitter. Die überarbeitete Version werde in der kommenden Woche probeweise starten, gab der Milliardär und neue Eigentümer des Kurznachrichtendienstes am Freitag bekannt. Das Premium-Konto beinhalte verschiedenfarbige Haken, der Nutzer als verifiziert ausweise. Gold sei für Unternehmen vorgesehen, grau für Regierungen und blau für einzelne Personen. Bevor ein Konto dieses Siegel erhalte, würden die Nutzer einzeln überprüft.

"Einzelpersonen können ein sekundäres kleines Logo haben, um ihre Zugehörigkeit zu einer Organisation zu zeigen, wenn sie von dieser Organisation als solche bestätigt werden", ergänzte Musk in einem weiteren Tweet. Zu den Kosten machte er zunächst keine Angaben. Anfang des Monats musste er einen ersten Anlauf zur Einführung eines Abomodells nach wenigen Tagen abbrechen, weil gefälschte Accounts wie Pilze aus dem Boden schossen. Für "Twitter Blue" wurden acht Dollar pro Monat fällig.

Unternehmen distanzieren sich von Twitter

Musk, der unter anderem auch den Elektroautobauer Tesla leitet, krempelt Twitter seit der Übernahme Ende Oktober komplett um. Dabei stößt er mit seinen erratischen Entscheidungen Beschäftigte und Nutzer gleichermaßen vor den Kopf. So sorgen unter anderem die Massenentlassungen für Kritik. Es stelle sich die Frage, ob das soziale Netzwerk die verschärften Regeln im Kampf gegen illegale Inhalte auf seiner Plattform einhalten könne, sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders (64). Einem Insider zufolge forderte Reynders von Twitter konkrete Maßnahmen, um dies sicherzustellen. Halten Unternehmen den ab Februar 2024 geltenden "Digital Services Act" nicht ein, drohen ihnen Strafen in Höhe von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Verbot für gesperrte Kunden aufgehoben

Parallel dazu kündigte Musk eine Amnestie für bislang gesperrte Nutzer an. "Das Volk hat gesprochen. Die Amnestie beginnt nächste Woche", erklärte Musk am Donnerstag. Ausgenommen sind laut Musk Konten von Nutzern, die gegen Gesetze verstoßen haben oder für "unerhörten Spam" verantwortlich sind. Zuvor hatte sich in einer Umfrage in dem Onlinedienst eine deutliche Mehrheit der Nutzer für die Freischaltung ausgesprochen. Von den 3,16 Millionen Umfrage-Teilnehmern antworteten 72,4 Prozent, dass Twitter gesperrte Konten wieder zulassen sollte, wie Musk schrieb.

Die pauschale Amnestie für gesperrte Konten könnte die Behörden alarmieren, die Musks Umgang mit Hassbotschaften genau beobachten, seit er das einflussreiche Onlinenetzwerk für 44 Milliarden Dollar gekauft hat. Der Multimilliardär hält die Moderation von Inhalten auf Twitter für zu streng. Es wird befürchtet, dass es unter seiner Definition von Meinungsfreiheit daher auf dem Onlinedienst künftig verstärkt Falschinformationen und Hassreden geben könnte.

Musk hatte zuvor bereits den Bann gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump (76) aufgehoben. Dessen Nutzerkonto war nach dem Sturm seiner Anhänger auf das US-Kapitol Anfang 2021 gesperrt worden.

Vor diesem Hintergrund haben mehrere Konzerne ihre Werbeaktivitäten und teilweise auch ihre Posts auf Twitter eingestellt. Auch die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung "mit wachsender Sorge". Etliche Ministerien haben bereits Konten bei dem konkurrierenden Kurznachrichtendienst Mastodon.

Musk hatte Twitter Ende Oktober übernommen und umgehend die Chefetage gefeuert. Eine Woche später entließ er rund die Hälfte der 7500 Angestellten, darunter auch viele, die mit der Bekämpfung von Falschinformationen zu tun hatten. Der von Musk vorangetriebene Umbau von Twitter verläuft äußerst chaotisch. Ähnlich wie das monatelange Gezerre um die Twitter-Übernahme, die dem ganzen Globus vor Augen führte, wie planlos der Elektroheld mitunter agiert. Musk, der so mächtig wie nie ist, wird nicht nur für Tesla und Twitter zur Gefahr. 

dri/Reuters, afp
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