Nach Übernahmeangebot von KKR TIM-Chef tritt im Streit mit Großaktionär Vivendi zurück

Kurz nach dem Übernahmeangebot von KKR hat der Chef des italienischen Telekomkonzerns TIM seinen Posten niedergelegt. Damit verliert der italienische Marktführer seinen vierten Konzernchef binnen sechs Jahren.
Neue Strategie: Der bisherige TIM-Chef Luigi Gubitosi wirft den Verwaltungsratsmitgliedern vor, die Übernahme durch KKR zu blockieren - und blockiert nun selbst die Ernennung eines Nachfolgers

Neue Strategie: Der bisherige TIM-Chef Luigi Gubitosi wirft den Verwaltungsratsmitgliedern vor, die Übernahme durch KKR zu blockieren - und blockiert nun selbst die Ernennung eines Nachfolgers

Foto: NurPhoto / Getty Images

Im Streit mit Großaktionär Vivendi um die Übernahme des italienischen Telekomkonzerns TIM ist dessen Chef zurückgetreten. Der Aufsichtsrat habe das entsprechende Angebot von Luigi Gubitosi (60) akzeptiert, teilte das Unternehmen am Wochenende mit. Der Manager bleibt allerdings Mitglied des Aufsichtsrats und blockiert damit die Ernennung eines Nachfolgers. Mit dem Rücktritt Gubitosis verliert der italienische Marktführer den vierten Chef binnen sechs Jahren.

Derzeit versucht der US-Finanzinvestor KKR das früher unter dem Namen Telecom Italia bekannte Unternehmen für knapp elf Milliarden Euro zu kaufen. Der französische Medienkonzern Vivendi hat das Gebot von 0,505 Euro je Tim-Aktie allerdings als zu niedrig abgelehnt. Der Medienkonzern hatte einst bei seinem Einstieg 1,071 Euro pro TIM-Aktie gezahlt. Gubitosi hatte den Verwaltungsratsmitgliedern daraufhin vorgeworfen, die Übernahme zu blockieren.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, erwägt KKR eine Erhöhung des Gebots auf etwa 70 bis 80 Cent. Einige der Berater des Investors hielten sogar 90 Cent je Anteilschein für notwendig. Der Medienkonzern Vivendi hält fast ein Viertel der TIM-Anteile.

Die Geschäfte des italienischen Konzerns laufen seit Langem nicht wie gewünscht. Der Umsatz des Konzerns mit seinen 42.500 Mitarbeitern ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Dafür ist auch der scharfe Wettbewerb mit Rivalen wie Iliad, Vodafone, Wind Tre und Fastweb verantwortlich. Unter Gubitosi hatte es zuletzt zwei Gewinnwarnungen binnen drei Monaten gegeben. Auch ein Deal mit der Streamingplattform DAZN zur Übertragung von Fußballspielen der Serie A in dieser Saison brachte nicht die erhofften Zuwachszahlen an Abonnenten. Vivendi hatte deshalb schon früher versucht, Gubitosi loszuwerden.

Künftig soll sich Aufsichtsratschef Salvatore Rossi (72) um das strategische Vermögen, die Partnerschaften und die Allianzen des Unternehmens kümmern. Der Chef des Brasiliengeschäfts, Pietro Labrioala, wurde zum General Manager ernannt.

mg/dpa-afx, Reuters
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