Chef von Tiktok-Mutter tritt zurück "Mir fehlen die Fähigkeiten eines idealen Managers"

Mit einer ungewöhnlichen Erklärung hat sich der Gründer der Tiktok-Mutter Bytedance, Zhang Yiming, von seinem Posten zurückgezogen. Er möchte lieber Lesen und Musikhören.
"Ich bin nicht sehr sozial": Erstaunlich offen verabschiedet sich Bytedance-Gründer Zhang Yiming

"Ich bin nicht sehr sozial": Erstaunlich offen verabschiedet sich Bytedance-Gründer Zhang Yiming

Foto: Shannon Stapleton / REUTERS

Der Gründer des chinesischen Tiktok-Eigners Bytedance tritt mit dem ungewöhnlichen Verweis auf fehlende Managerqualitäten zurück. Zhang Yiming (38) teilte seinen Mitarbeitern in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben mit, dass er sich stärker für Organisationsfragen und -theorien interessiere, als "Menschen wirklich zu führen". Zudem sei er "nicht sehr sozial" und bevorzuge einsame Tätigkeiten wie Lesen, Musikhören und online sein.

Der 38-Jährige will den Posten gegen Jahresende an seinen Freund, langjährigen Kollegen und derzeitigen Personalchef Liang Rubo übergeben. Unklar ist, wie der inzwischen zu den fünf reichsten Chinesen gehörende Manager mit seinen Stimmrechten nach dem Führungswechsel verfährt. Aktuell gehören ihm zwischen 20 und 30 Prozent an Bytedance und er verfügt über mehr als die Hälfte der Stimmrechte.

Unter Zhang hat sich das neun Jahre alte Bytedance zu einem Technologiegiganten entwickelt, der inzwischen weltweit mehr als 100.000 Mitarbeiter zählt und mit dem sozialen Netzwerk Tiktok und der chinesischen Version Douyin die Form der Kommunikation - vor allem unter Jugendlichen - stark bestimmt. Tiktok wurde zur ersten globalen Onlineplattform in der Hand eines nicht-amerikanischen Konzerns.

Zugleich versuchte im vergangenen Jahr der damalige US-Präsident Donald Trump (74) durch Sanktionen einen Übergang des internationalen Tiktok-Geschäfts in die Hand von US-Investoren wie Oracle, Walmart oder Microsoft zu erzwingen. Trump verwies auf das Risiko, dass Daten von Amerikanern in die Hand chinesischer Behörden gelangen könnten. Die chinesische Regierung torpedierte einen bereits ausgehandelten Deal jedoch mit einem Verbot der Ausfuhr bestimmter Software.

Der Rückzug von Yiming auf einen noch nicht genauer benannten "Strategie-Schlüsselposten" fällt in eine Zeit, in der die chinesische Regierung die Zügel enger anzieht und die Technologiefirmen stärker überwacht. Erst im April dieses Jahres hatte Bytedance die Pläne für einen Börsengang vorerst gestoppt. Zuvor hatte auch Ant Financial, der Finanzarm des Onlinehändlers Alibaba, den eigentlich geplanten größten Börsengang der Welt abgesagt. Auch hier war der Gegenwind der chinesischen Behörden zu groß geworden.

mg/Reuters, dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.