Sofortiges Aus für WeChat in USA TikTok bekommt mehr Zeit für US-Deal - fliegt aber aus App Stores

Donald Trump hat einen weiteren Erlass gegen TikTok unterschrieben. Ab Sonntag darf die populäre App in den USA nicht mehr verbreitet werden. So steigt der Druck, die Kontrolle an amerikanische Investoren zu übergeben. Noch härter trifft es WeChat.
Donald Trump gibt TikTok noch etwas mehr Zeit, schießt sich aber auf WeChat ein

Donald Trump gibt TikTok noch etwas mehr Zeit, schießt sich aber auf WeChat ein

Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump (74) erhöht im Ringen um die Zukunft der populären Video-App TikTok massiv den Druck. Am Sonntag fliegt TikTok aus den App Stores in den USA raus und kann ab Montag weder neu heruntergeladen noch aktualisiert werden. Bis zum 12. November wird die App aber noch für bestehende Nutzer funktionieren, wie aus einer Mitteilung des Handelsministeriums am Freitag hervorgeht. Damit bekommt der chinesische TikTok-Eigentümer ByteDance noch einige Wochen Zeit, einen Deal vor dem kompletten Aus auszuhandeln. Eine Lösung noch am Wochenende sei weiter möglich, erklärte ein Regierungsbeamter dem Fernsehsender CNBC.

In Grundzügen steht der Deal bereits. Laut Regierungskreisen könnte der neue Präsidentenerlass außer Kraft gesetzt werden, sobald der Abschluss vollzogen ist. Konkret sollen die US-Konzerne Oracle und Walmart sowie die US-Anteilseigner von ByteDance mindestens 60 Prozent an TikTok übernehmen. Das gehe aus einem neuen Entwurf aus dem US-Finanzministerium hervor, dem ByteDance bereits zugestimmt habe, hieß es bei mit der Sachlage vertrauten Personen. Nun fehle noch grünes Licht seitens des US-Präsidenten. Sollte der Deal so über die Bühne gehen, will ByteDance Insidern zufolge die dann TikTok Global genannte Plattform in den USA an die Börse bringen. Völlig unklar ist noch die Haltung Chinas gegenüber dem jüngsten Vorschlag. ByteDance zufolge muss die Regierung in Peking genauso wie Trump zustimmen.

Tiktok kritisierte die Entscheidung am Freitag. Man habe sich in den Vorschlägen an die US-Regierung zu beispielloser Transparenz bereit erklärt. Tiktok und Bytedance reichten bereits eine Klage gegen den Trump-Erlass ein, der das Vorgehen des Handelsministeriums auslöste.

Für Tiktok wäre ein Aus in den USA ein schwerer Schlag - nicht nur, weil es ein lukrativer Markt ist, sondern auch weil viele Videos auf der Plattform von amerikanischen Nutzern kommen. Der Chef der zu Facebook gehörenden Konkurrenz-App Instagram, Adam Mosseri (37), schrieb bei Twitter, ein Tiktok-Verbot in den USA wäre schlecht für seine Plattform und für das gesamte Internet.

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Trump bezeichnet TikTok als Sicherheitsrisiko mit der Begründung, dass chinesische Behörden an Daten von Amerikanern kommen könnten. TikTok und ByteDance bestreiten dies. TikTok hat rund 100 Millionen Nutzer in den USA.

Für WeChat ist in den USA sofort Schluss

Der ebenfalls chinesischen Messaging-App WeChat zieht die US-Regierung wegen ähnlicher Bedenken unterdessen sofort den Stecker in den USA: Sie wird am Sonntag aus den App Stores verschwinden und auch auf den Geräten bestehender Nutzer nicht mehr funktionieren.

Trump hatte amerikanischen Firmen und Nutzern Anfang August Geschäfte mit TikTok verboten - und mit einem Aufschub von 45 Tagen einen Countdown für einen Verkauf zumindest des US-Teils der App in Gang gesetzt. Microsoft hatte wochenlang über eine Übernahme des Geschäfts in den USA, Kanada, Neuseeland und Australien verhandelt.

Doch die chinesische Regierung torpedierte die Gespräche: Sie führte eine Regel ein, nach der sie dem Verkauf von Softwarealgorithmen ins Ausland zustimmen muss. Diese über Jahre entwickelte Software entscheidet zum Beispiel darüber, welche Videos einem Nutzer als nächste vorgeschlagen werden - und gilt als eines der Erfolgsgeheimnisse von TikTok.

Danach wurde schnell ein Ersatzplan ausgearbeitet, nach dem Oracle als Technologiepartner von TikTok auftreten sollte und das globale Geschäft der Video-App in eine neue Firma mit Sitz in den USA eingebracht würde.

WeChat-Bann trifft Chinesen in Amerika

Nach Medienberichten sollte dabei Oracle die Speicherung der Daten von US-Nutzern übernehmen und auch Einblick in die Software bekommen, damit es keine Hintertüren für chinesische Behörden geben könne. ByteDance würde dabei die Mehrheit an TikTok behalten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Trump sagte dazu bereits am Mittwoch, er wäre damit "nicht glücklich".

Danach gab es Berichte, dass TikTok und ByteDance neuen Konditionen der US-Regierung zugestimmt hätten. Der Vorstoß des Handelsministeriums bedeutet dabei letztlich, dass der Deal für Trump nicht gut genug war. ByteDance hat bereits auch amerikanische Start-up-Finanzierer als Investoren. Laut Medienberichten liegt ihr Anteil bei 40 Prozent.

WeChat wird in den USA vor allem vor denen genutzt, die Kontakt zu Freunden und Familie in China halten wollen. Dort ist die Chat-App eine der wichtigsten Plattformen, über die zum Beispiel auch Onlinehandel betrieben und Geld überwiesen wird. Ab Sonntag darf die App in den USA keinen Zugang mehr zum Internet haben. Für TikTok droht das am 12. November.

ak/dpa-afx/reuters