Massenentlassungen Die Wachstumsstory von Tier Mobility endet abrupt

Das Berliner Mobilitäts-Start-up kaufte zuletzt kräftig zu. Jetzt tritt der E-Scooter-Verleiher radikal auf die Bremse. 180 Beschäftigte müssen Tier Mobility verlassen.
Der Schwung ist raus: Tier Mobility muss sparen

Der Schwung ist raus: Tier Mobility muss sparen

Foto: Hauke-Christian Dittrich/ dpa

Radikaler Kurswechsel bei Tier Mobility: Das Berliner Mobilitäts-Start-up hat am Dienstag angekündigt, etwa 180 Mitarbeiter zu entlassen. Damit fällt knapp jede sechste Stelle beim E-Scooter-, E-Bike- und E-Moped-Verleiher weg. Als Gründe führte Tier wirtschaftliche Zwänge an. Statt auf der weiteren Expansion liege der Fokus nun auf Profitabilität. Das Unternehmen reiht sich damit in eine ganze Riege von Start-ups ein, die zuletzt ihre Belegschaft zusammengestrichen haben. Im direkten Wettbewerbsumfeld griffen beispielsweise Voi und Bird zu diesem Mittel.

Tier fuhr zuletzt einen massiven Expansionskurs, binnen weniger Monate hatten die Berliner mit Makery, Wind Mobility, Nextbike, Spin und Fantasmo Studios fünf Firmen übernommen. Zuvor hatte Tier insgesamt über 660 Millionen Dollar von namhaften Investoren wie Softbank und Mubadala Capital eingesammelt, die Bewertung des Start-ups war auf bis zu 2 Milliarden Dollar geklettert.

Doch das reichte nun nicht, um die eigene Agenda weiter durchziehen zu können. In einem Statement erklärte Gründer und CEO Lawrence Leuschner (40), dass die "Verknappung des Finanzierungsmarktes" grundlegende Veränderungen nötig mache, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

Leuschner kündigte auch an, alle Projekte vorerst einzustellen, "die derzeit nicht auf einem eindeutigen Weg" seien, schwarze Zahlen zu liefern. Um welche Aktivitäten es sich dabei im Detail handelt, blieb zunächst unklar.

Auch die weitere Expansion in neue Märkte ist vorerst gestoppt. Aktuell ist Tier in über 250 Städten in 22 Ländern aktiv. Der Fokus lag bislang auf Europa und dem mittleren Osten, durch die Übernahme der ehemaligen Ford-Tochter Spin wollte Tier aber auch in Nordamerika Fuß fassen.

Wie es im Detail mit dem Start-up weitergeht, wollen Leuschner und sein Führungsteam ihren Mitarbeitern kommende Woche erläutern.

sey
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