Menschenähnlicher Roboter Elon Musk kündigt "Tesla Bot" an

Der nächste Tesla-Hype kommt: Auf dem "Tag der künstlichen Intelligenz" verspricht Konzernchef Elon Musk einen humanoiden Roboter als Alleskönner, und zwar schon für 2022. Eine Abwechslung zu den Mühen im etablierten Autogeschäft.
Traumbild? Visualisierung des "Tesla Bot"

Traumbild? Visualisierung des "Tesla Bot"

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Tesla

Tesla-Chef Elon Musk (50) hat die Markteinführung des Prototyps eines humanoiden Roboters namens "Tesla Bot" verkündet. Musk sprach am Donnerstag (Ortszeit) anlässlich des vom Unternehmen veranstalteten "AI Day" ("Tag der Künstlichen Intelligenz") - davon, dass der Roboter in Zukunft gefährliche, sich wiederholende oder langweilige Aufgaben übernehmen könne. Der Roboter mit dem menschenähnlichen Aussehen werde "tiefgreifende Auswirkungen auf die Wirtschaft" haben, so der Unternehmer. "In der Zukunft wird körperliche Arbeit eine Option sein. Wenn man sie erledigen will, kann man sie tun, aber man muss sie nicht tun."

Der Tesla Bot werde rund fünf Fuß acht Zoll (knapp 1,73 Meter) hoch sein, 57 Kilogramm wiegen und zahlreiche Jobs erledigen können, vom Anbringen von Schrauben an Autos bis zur Abholung von Einkäufen im Laden. Der Tesla-Roboter werde mit acht Kameras und einem vollwertigen selbstfahrenden Computer ausgestattet sein und die gleichen Werkzeuge nutzen, die Tesla im Auto verwende. Er sehe den Roboter als Antwort auf einen Fachkräftemangel. Es sei wichtig, die Maschine nicht "superteuer" geraten zu lassen.

"Er soll natürlich freundlich sein", erklärte Musk. Der Roboter werde auch so konstruiert sein, dass er nicht besonders schnell sei. "Man wird vor ihm weglaufen können." Das Schwierigste an einem nützlichen humanoiden Roboter sei, "dass er nicht durch die Welt navigieren kann, ohne gezielt trainiert zu werden". Das müsse aber ohne explizite Anweisungen Zeile für Zeile funktionieren. Das Gerät bekomme "eine Art Bildschirm am Kopf für nützliche Informationen", laufe ansonsten aber autonom.

Experten meldeten am Donnerstag Zweifel an, ob Musk seine Ziele für den Roboter erreichen könne. Der Manager ist bekannt für großspurige Ankündigungen technologischer Fortschritte auf derartigen Events, die er später meist zurücknehmen muss. "Ist der 'Tesla Bot' das nächste Traumbild, um die Hype-Maschine anzuwerfen?", fragte Raj Rajkumar, Professor für technische Informatik an der Carnegie Mellon University. "Ich kann sicher sagen, dass es weit länger als zehn Jahre dauern wird, bevor ein humanoider Roboter von irgendeinem Unternehmen auf dem Planeten zum Laden laufen und für Sie Einkäufe abholen kann." Vor allem japanische Unternehmen wie Honda, Sony oder Toyota haben nach jahrzehntelanger Entwicklung solche menschenähnlichen Automaten im Angebot, teils auch bereits kommerziell vermarktet - aber stets für begrenzte, kontrollierte Aufgaben.

Zweifel am Fahrassistenzsystem

Der "AI Day" stand im Zeichen wachsender Zweifel an der Sicherheit und den Fähigkeiten von Teslas Fahrassistenzsystem, dessen neue Version mit dem vielversprechenden Namen "Full Self Driving" vermarktet wird. Schon der ursprüngliche Titel "Autopilot" galt als irreführend, weil er Fahrer dazu verleiten konnte, die Kontrolle über das Fahrzeug abzugeben.

Am Montag gab die US-Verkehrssicherheitsbehörde bekannt, dass sie eine formelle Untersuchung des Systems eingeleitet habe. Zuvor hatte es mehrere Unfälle gegeben, bei denen Teslas teils auch in abgestellte Polizei- oder Feuerwehrwagen krachten. Zwei Senatoren forderten zudem die Verbraucherschutzbehörde FTC auf, das Marketing von Teslas Assistenzsystem zu untersuchen.

Musk ging darauf nicht ein, sagte aber, er sei zuversichtlich, vollständig autonomes Fahren mit einer höheren Sicherheit als bei menschlichen Fahrern zu erreichen - und das ausschließlich mit der gegenwärtig in Autos verbauten Hardware wie Kameras und Computern. Im Gegensatz zu Konkurrenten, die auf Lidar-Systeme (Laserradar) setzen und aufwändig Daten für unterschiedlichste Fahrumgebungen sammeln, rüstet Tesla beim autonomen Fahren sogar technisch ab. Zuletzt strich der Hersteller Radarsensoren aus dem Programm, weil sie keinen zusätzlichen Nutzen brächten.

Musk kündigte an, neue Hardware für den Computer zum autonomen Fahren werde mit der Einführung des Elektro-Pickups Cybertruck "in einem Jahr oder so" kommen. Tesla hatte im Juli den bislang für dieses Jahr erwarteten Marktstart des Cybertruck nach hinten verschoben, ohne einen neuen Zeitrahmen anzugeben.

Tesla stellte auf der Veranstaltung außerdem Computerchips für das Training seines automatisierten Fahrsystems vor. Der Direktor des Unternehmens, Ganesh Venkataramanan, erklärte, er habe vor einigen Jahren einen Tesla-Ingenieur gebeten, einen "superschnellen" Trainingscomputer zu entwickeln. Deswegen habe man das Projekt "Dojo" gestartet. Auch dieses Computersystem soll ab dem kommenden Jahr einsatzbereit sein.

Model Y in Berlin vorgestellt

Weniger neuartig war das Produkt, das Tesla ebenfalls am Donnerstagabend in Deutschland präsentierte: Der Kompakt-SUV Model Y wurde kurz vor Beginn der Auslieferungen erstmals in Berlin präsentiert. Anders als geplant, kam das Auto aus chinesicher Produktion. Bis die Produktion im Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin anläuft, sollen der deutsche und der europäische Markt mit Model-Y-Wagen aus Shanghai versorgt werden.

Enthüllt: Tesla Model Y in Berlin

Enthüllt: Tesla Model Y in Berlin

Foto: Christophe Gateau / dpa

Tesla wollte ursprünglich im Juli mit der Produktion des Model Y in Grünheide in Berlin beginnen, doch die Fertigstellung des ersten europäischen Werks dauert nach Verzögerungen im Genehmigungsverfahren länger. Der Beginn der Auslieferungen des Model Y in Europa war für das dritte Quartal angekündigt, die ersten Wagen sollen nun noch im August an die Käufer gehen. Der Start der Produktion in Grünheide wird aktuell bis Ende des Jahres anvisiert.

Der Mini-SUV ist eine etwas größere Version von Teslas erstem Massenmarkt-Wagen Model 3. Im zweiten Quartal lieferte die Firma gut 199 000 Fahrzeuge der Modelle 3 und Y aus, sie sind die Basis für Teslas Vorstoß in den Massenmarkt. Deutschland gehört zu den Märkten, in denen die SUV-Kategorie besonders populär ist - und Tesla will mit dem Model Y davon profitieren.

ak/Reuters, dpa-afx
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