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Personalexpertin im Podcast Wieso ist Personenkult so schädlich, Constanze Buchheim?

Wieso Egos und Personenkult keine Innovation bringen, erklärt Constanze Buchheim im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger". Sie beschreibt, welche Elemente gute Führung gerade jetzt in der Krise braucht.

Constanze Buchheim (41) war schon da, als es noch gar keine richtige Start-up-Szene in Deutschland gab. Über ihren Vertrauten, den Investor und Selfmade-Multimillionär Lukasz Gadowski (45, Delivery Hero, Volocopter), rutschte sie 2006 in eine hemdsärmelige Branche, die in den nächsten 15 Jahren eine gewaltige Entwicklung hinlegen sollte.

Von dem Boom profitierte Buchheim: Sie gründete eine Personalberatung, die schnell wuchs und sich heute auf Führungskräfte in Tech und Transformation spezialisiert. Mehr denn je wird das auch abseits der Start-up-Szene gebraucht: Zuletzt suchte Buchheim so immer häufiger Top-Digitalleute für Mittelständler und Konzerne.

So fokussiert war Buchheims Geschäft nicht immer. Zunächst suchte sie in den frühen Tagen Personal für allerhand Positionen in den Berliner Start-ups, angefangen bei den ersten Praktikanten der jungen Firmen. "2012 war der Turning Point, wo ich meinen ersten Tiefpunkt hatte", erzählt die Unternehmerin im manager-magazin-Podcast Deutschlands digitale Hoffnungsträger. Sie habe sich fragen müssen, ob das Geschäftsmodell noch stimme. "Und zeitgleich war ich im sechsten Monat mit meinem zweiten Kind schwanger und wir standen schon fast mit dem Rücken an der Wand, als ich zum ersten Mal die Überlegung hatte: 'Okay, machst du überhaupt weiter?'"

Sie machte. Buchheim überholte ihr Bezahlmodell und positionierte das Unternehmen als Boutique-Beratung. Im Podcast spricht die Personalexpertin neben ihrem eigenen Gründungsweg über die Qualitäten, die Führungskräfte in den jetzt unsicheren Zeiten brauchen. Sie erklärt, wie der Wechsel aus einem Konzern in ein Start-up gelingen kann – und welche Gründerinnen und Gründer es schaffen können, mit einem rasanten Wachstum ihrer Firma Schritt zu halten .

Den Ego-Kult, der gerade in der Tech-Szene rund um Gründer weit verbreitet ist, hält Buchheim für schädlich. Sobald man einfach nur noch alles, was passiere, "großartig" finde, komme man "in eine demokratische Gefahr, in der wir nicht mehr reflektieren, was uns gut tut und was nicht."

Machtmissbrauch sei ein großes Problem: "Elon Musk tritt Vieles von dem, was wir uns als moderne Führungskultur erarbeitet haben und was der Breite der Bevölkerung auch dient, mit Füßen, weil er eine sehr hohe Macht hat", sagt Buchheim. Häufig werde das mit Innovation gerechtfertigt. "Und get me right: Ich möchte auch, dass wir in Deutschland ein innovativer Standort sind. Aber Innovation darf nicht der Deckmantel von Ego-Orientierung werden. Und da müssen wir extrem aufpassen."

Ihr eigenes Unternehmen baute Buchheim lieber ohne die Start-up-üblichen Risikokapitalgeber auf. Für das nötige Startgeld verkaufte sie ihre Anteile am heutigen Lieferkonzern Delivery Hero, dessen Börsengang viele Beteiligte in Berlin zu Millionären machte.

Allzu lang haderte Bucheim damit nicht: "Der Wert, selbstständige Unternehmerin zu sein, die sich nicht nach den Interessen eines Mitgesellschafters richten muss, ist mir viel mehr wert gewesen, als zu einem sehr frühen Zeitpunkt in meinem Leben übermäßig viel Geld zu haben", sagt sie.

Das habe bei ihr auch bedeutet, "dass ich mir die Organisation so bauen konnte, dass wir es geschafft haben, nebenbei Kinder zu bekommen und für unsere Kinder da zu sein. Ich weiß gar nicht, ob das so gegangen wäre, wenn wir Investoren drin gehabt hätten, die einfach nur hätten sagen können: Jetzt macht mal schneller."

Erfahren Sie mehr im manager-magazin-Podcast Deutschlands digitale Hoffnungsträger
– in der aktuellen Folge mit Constanze Buchheim über gute Führung oder in den bisherigen Folgen der neuen dritten Staffel:

1. Folge: Jörg Gerbig, COO JustEat Takeaway, über die Gründung von Lieferando, den Essensliefermarkt und die Verluste der Spieler

2. Folge: Janna Ensthaler, Gründungspartnerin des 100 Millionen Euro schweren Green Generation Fund, über nachhaltiges Investieren

3. Folge: Mario Kohle, CEO und Gründer, Enpal, über den aktuellen Boom seines Solar-Start-ups.

Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" informiert und diskutiert mm-Redakteurin Christina Kyriasoglou mit ihrem Kollegen Mark Böschen und ausgewählten Gästen aus der deutschen Wirtschaft, welche Chancen die wichtigsten digitalen Hoffnungsträger haben, an die Weltspitze vorzustoßen und was die Krisen derzeit für sie bedeuten. Sie können den Podcast über manager magazin sowie auf Spotify , Apple , Deezer  und bei castbox  abonnieren.

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