Marktstudie Europas Start-up-Szene gleichauf mit den USA

Start-ups in Europa sind bei Investoren so gefragt wie nie. Eine Finanzierungsrunde folgt der anderen – in diesem Jahr fallen gleich mehrere Rekorde.
Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas ist das jüngste Start-up mit einer Milliardenbewertung.

Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas ist das jüngste Start-up mit einer Milliardenbewertung.

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Wolfgang Kumm / dpa

Die europäische Tech-Branche ist auf Kurs, einen Meilenstein zu knacken: 100 Milliarden Dollar Wagniskapital dürften in diesem Jahr in Unternehmen auf dem alten Kontinent fließen. Das ist fast dreimal so viel wie 2020. Damit liegt Europa beim Level der Frühphasen-Investments erstmals gleichauf mit den USA. Das geht aus dem jährlich veröffentlichten "State of European Tech"-Report der europäischen Risikokapitalgesellschaft Atomico hervor.

Ebenfalls im Report: Mittlerweile gibt es 321 Einhörner in Europa, also nicht börsennotierte Tech-Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. "Die Tech-Industrie wächst schneller als vor der Corona-Pandemie", sagt Tom Wehmeier, Partner bei Atomico und Co-Autor des Reports."Europa befindet sich inmitten einer technologischen Revolution." Neue Technologien, starke Gründerteams sowie die gesunde Investorenlandschaft seien die Treiber des Wandels. "Das Rekordniveau an Investitionen ist das Ergebnis jahrelanger Vorarbeit ", so Chris Grew, ein in London ansässiger Partner bei Orrick, dem führenden Rechtsberater für europäische Technologieunternehmen.

Laut Atomico locken vor allem folgende Faktoren die Investoren in den Tech-Sektor:

  • Der europäische Technologie-Talentpool sei tiefer und erfahrener denn je, so das Unternehmen. Talente könnten auf dem ganzen Kontinent recycelt werden. Aber: Für viele Gründer ist der Zugang zu Kapital nach wie vor schwierig.

  • Wagniskapital habe sich zum führenden Finanzierungsmechanismus für Unternehmer entwickelt. Um aber wettbewerbsfähig zu bleiben, muss es innovativ sein. Jetzt sind mehr internationale Investoren und Käufer in Europa aktiv. Während Anleger auf breiter Front mehr von europäischer Technologie überzeugt sind, hinken Pensionsfonds immer noch hinterher.

  • Europäische Technologie sei zu einem Nährboden für Unternehmen aller Branchen geworden. Start-ups wissen, wie wichtig Vielfalt und Inklusion ist. Alle Indikatoren deuten auf viele Billionen Wertsteigerungen in den nächsten zehn Jahren hin – selbst im konservativen Szenario.

  • Finanzierung, Talente und Politik: Jede Komponente müsse verfeinert werden. Zusammenarbeit im privaten und öffentlichen Sektor beschleunigt die Technologie.

Deutsche Start-ups unter den größten Finanzierungsrunden Europas

Unter den Unternehmen, die in diesem Jahr besonders große Investmentdeals abschließen konnten, befinden sich auch deutsche Start-ups. Allen voran die Softwareschmiede Celonis (erhielt von Geldgebern eine Milliarde Dollar), der Lebensmittellieferdienst Gorillas (950 Millionen Dollar), die Smartphone-Bank N26 (800 Millionen Dollar) sowie der Discountbroker Trade Republik (750 Millionen Dollar).

Insgesamt hat Atomico 51 Einhörner in Deutschlands Tech-Branche gezählt. 19 Start-ups kamen in diesem Jahr neu hinzu, darunter auch der Blitz-Lieferdienst Gorillas. Gorillas Mitgründer Kagan Sümer wurde bereits nach neun Monaten zum "Unicorn" – und damit so schnell wie kein anderes deutsches Start-up zuvor. Insgesamt sammelten Tech-Firmen in Deutschland in diesem Jahr 12,4 Milliarden Dollar Wagniskapital ein. Das sind 128 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr und ein neuer Rekord.

Die Analysten von Atomico rechnen damit, dass sich die Entwicklung fortsetzen wird und weiterhin viel Geld von Investoren in Europas junge Tech-Unternehmen fließt. "Wir haben jetzt die Tiefe, die Breite und die internationale Nachfrage, die Europa zu einem Tech-Powerhouse gemacht haben", sagt Erin Platts, Head of EMEA und Präsidentin der britischen Niederlassung der Silicon Valley Bank. Dies sei erst der Start einer goldenen Ära europäischer Innovationen.

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