Jetzt kaufen, später bezahlen Twitter-Gründer Dorsey zahlt 29 Milliarden Dollar für Afterpay

Die Bezahldienste Paypal und Klarna bekommen einen neuen Gegenspieler: Square, der Finanzdienstleister von Twitter-Chef Jack Dorsey, will das australische Fintech Afterpay kaufen.
Twitter-Chef und -Gründer Jack Dorsey will mit seinem Finanzdienstleister Square für 29 Milliarden Dollar einen Ratenzahlungsspezialisten ausgeben

Twitter-Chef und -Gründer Jack Dorsey will mit seinem Finanzdienstleister Square für 29 Milliarden Dollar einen Ratenzahlungsspezialisten ausgeben

Foto: Lucas Jackson / REUTERS

Twitter-Mitgründer Jack Dorsey (44) baut mit der Milliardenübernahme des größten australischen Bezahldienstleisters Afterpay  sein Geschäft mit Ratenzahlungen aus. Dorseys Fintech Square bietet 29 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 24,4 Milliarden Euro) für Afterpay, teilten die Unternehmen am Montag mit. Es ist damit die bislang größte Übernahme eines australischen Unternehmens.

"Zusammen können wir unsere Cash-App- und Verkäufer-Systeme besser miteinander verknüpfen, um Händlern und Verbrauchern noch überzeugendere Produkte und Dienstleistungen zu bieten", sagte Dorsey, der auch den Kurznachrichtendienst Twitter leitet. Im Juni erreichte die Cash-App von Square laut "Wall Street Journal"  40 Millionen aktive Kunden, die Freunden und Verwandten Geld überweisen oder online mit ihrer Cash-App-Debitkarte einkaufen. Im Gegensatz zu Afterpay erzielt Square mit seinem Cash-App-Geschäft bereits Gewinne – im zweiten Quartal waren es rund 546 Millionen Dollar.

Afterpay ist seit 2014 auf dem Markt, gehört zu den 20 größten Unternehmen Australiens. Die Technologie von Afterpay ermöglicht es, Waren in vier zinsfreien Raten zu bezahlen. Das Fintech gilt als Pionier im BNPL-Geschäft ("Buy-Now-Pay-Later", "Jetzt kaufen, später bezahlen").

Gegen eine Gebühr können dabei Online-Händler ihren Kunden ebendiese zinslose Ratenzahlung anbieten. Dafür übernimmt Afterpay die Zahlungsabwicklung und auch das Risiko eines Zahlungsausfalls. Weil BNPL-Anbieter keine Zinsen einnehmen, sondern Gebühren von den Händlern verlangen, umgehen sie die rechtlichen Vorgaben für Kredite und sind nicht verpflichtet, die Kreditwürdigkeit der Kunden zu prüfen. In der Regel reicht es, den Namen, die Adresse und das Geburtsdatum anzugeben, um von den Ratenzahlungen zu profitieren.

Auch Apple offenbar in den Startlöchern

Bei Kunden sind derartige Zahlungsangebote beliebt, die Branche wächst rasant, auch angeheizt von der steigenden Online-Nachfrage in der Pandemie. Als scharfer Afterpay-Konkurrent gilt der schwedische Bezahldienst Klarna, dessen Bewertung nach der jüngsten Finanzierungsrunde auf rund 46 Milliarden Dollar emporschnellte. Paypal bietet seinen eigenen Dienst "Pay in 4" an, Apple wiederum strebt laut "FT" eine Kooperation mit Goldman Sachs an, um seinen Nutzern von Apple Pay ebenfalls eine BNPL-Option anbieten zu können.

Afterpay zählt 16 Millionen Nutzer und expandierte zuletzt stark in den USA und Europa. Sie würden den Dienst als eine verantwortungsvollere Art der Kreditaufnahme betrachten als die Nutzung einer Kreditkarte, erklärte das australische Fintech. "Square und Afterpay haben ein gemeinsames Ziel. Wir haben unser Geschäft aufgebaut, um das Finanzsystem fairer, zugänglicher und inklusiver zu machen, und Afterpay hat eine vertrauenswürdige Marke aufgebaut, die mit diesen Prinzipien übereinstimmt", zitiert die "Finanical Times"  Jack Dorsey. Die Afterpay-Gründer Nick Molnar (30) und Anthony Eisen (49) sollen auch nach der Übernahme im Management bleiben.

Ein Konkurrent für die Platzhirsche Klarna und Paypal

Die Übernahme sei ein Test für das Geschäftsmodell, schrieben die Analysten von der Investmentbank Truist Securities: Dabei werde gleichzeitig die Branche bewertet und ein bedeutender Wettbewerber für die Platzhirsche Klarna  und Paypal geschaffen. Wenige andere Wettbewerber passten so gut zu Afterpay wie Square, schrieben die Experten des Wertpapierhauses Wilsons Advisory and Stockbroking: "Paypal hat bereits erste Erfolge im eigenen BNPL-Geschäft, und wenn nicht noch US-Giganten wie Amazon oder Apple in letzter Minute aus der Deckung kommen, ist die Gefahr eines Bieterkampfes gering."

Die Afterpay-Aktionäre erhielten pro Anteilsschein 0,375 Square-Aktien. Dies entspricht den Unternehmen zufolge einem Preis von etwa 78 Euro (126,21 australische Dollar) pro Aktie oder einem Aufschlag von rund 30 Prozent. Laut "Wall Street Journal"  geht das Unternehmen davon aus, dass die Afterpay-Aktionäre nach Abschluss der Transaktion rund 18,5 Prozent des kombinierten Unternehmens besitzen werden. Am Montag gingen die Afterpay-Papiere mit 114,8 australischen Dollar knapp ein Fünftel höher aus dem Handel.

rei mit Reuters