Aktie springt an Softwarespezialist Suse verbreitet Optimismus

Der seit eineinhalb Jahren börsennotierte IT-Entwickler Suse überrascht zwei Monate nach einer gesenkten Auftragsprognose mit guten Zahlen und einer nun wieder optimistischeren Prognose.
Drei Viertel der Anteile gehören dem Finanzinvestor EQT: Melissa Di Donato führt das Softwareunternehmen Suse

Drei Viertel der Anteile gehören dem Finanzinvestor EQT: Melissa Di Donato führt das Softwareunternehmen Suse

Foto: Suse

Der Linux-Softwarespezialist Suse hat nach zwischenzeitlichen Problemen zum Jahresende wieder Fahrt aufgenommen. Chefin Melissa Di Donato sprach von einem nach wie vor unsicheren Wirtschaftsumfeld, in dem sich Suse dank einer breiten Kundenbasis und seines Geschäftsmodells behauptet habe. Die im September noch eingedampfte Jahresprognose übertraf die Firma in Teilen, im gerade angelaufenen neuen Geschäftsjahr soll es zudem weiteres Wachstum bei Umsatz und Marge geben.

Die Suse-Aktie stieg nach Handelsbeginn um knapp 6 Prozent auf 19,95 Euro. Bisher ist das Papier in diesem Jahr deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden durch die Schwäche von Tech-Werten. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um rund die Hälfte nachgegeben. Den Absacker nach der Senkung der Auftragsprognose im September hat die Aktie wieder gutgemacht. Suse kam im Mai 2021 für 30 Euro Ausgabepreis an die Börse, um den Jahreswechsel lag das Rekordhoch bei 43,60 Euro. Am Markt wird das Unternehmen aktuell mit rund 3,2 Milliarden Euro bewertet, gut drei Viertel der Anteile gehören dem Finanzinvestor EQT. 

Die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen dürfte im Geschäftsjahr 2021/22 (Ende Oktober) einen Wert zwischen 36 und 37 Prozent erreicht haben, teilte Suse am Montag in Luxemburg mit. Das sei auch Kosteneinsparungen zu verdanken.

Di Donato hatte als Ziel einen Wert im mittleren Dreißiger-Prozentbereich ausgegeben. Im Geschäftsjahr 2020/21 hatte die Marge rund 37 Prozent betragen. Im laufenden neuen Geschäftsjahr dürfte sie wieder zunehmen, hieß es. Laut Analyst Toby Ogg von der US-Großbank JPMorgan ist das spürbar optimistischer, als was der Markt bisher erwartet. Die Schätzungen dürfen nun deutlich zulegen.

Der um Sonderbuchungen aus Zukäufen bereinigte Umsatz kletterte im abgelaufenen Jahr laut vorläufigen Zahlen um 14 Prozent auf 657,8 Millionen US-Dollar. Währungsbereinigt wären das 15 Prozent Anstieg gewesen – Suse hatte einen Wert im mittleren bis oberen Zehnerprozentbereich anvisiert. In der kleineren Emerging-Sparte mit neueren Softwaretechnologien für die Cloud übertraf Suse den im September gesenkten Zielwert für den Auftragseingang, den Suse am Vertragsvolumen über zwölf Monate misst.

Einige Projekte verzögert

Im neuen Geschäftsjahr dürfte der bereinigte Umsatz zu konstanten Wechselkursen zwischen 11 und 13 Prozent zulegen, inklusive Währungseffekten 2 Prozentpunkte niedriger. Analysten hatten zuletzt ein Umsatzplus von annähernd 8 Prozent geschätzt, also etwas weniger.

Suse hatte zwischenzeitlich mit einiger Nachfrageschwäche zu kämpfen, weil Kunden sich langsamer für neue Verträge entschieden und sich zudem einige Projekte verzögerten. Nach dem dritten Quartal hatte das Unternehmen mit operativem Sitz in Nürnberg daher die Auftragsprognose gesenkt. Fachleute hatten daraufhin damit gerechnet, dass die Erwartungen an Suse auch für das neue Jahr schmaler ausfallen dürften.

Die vollständigen Zahlen zum vierten Quartal und abgelaufenen Geschäftsjahr will Suse am 19. Januar vorlegen. Suse macht sein Geschäft vor allem mit angepassten Versionen des Open-Source-Betriebssystems Linux in Firmen und Rechenzentren. Das Unternehmen verdient unter anderem über den Support der Anwendungen. Die neuere, sogenannte Emerging-Sparte beschäftigt sich vor allem mit Technologien rund um Cloud-Anwendungen, dazu hatte Suse die Firma Rancher übernommen.

hr/dpa-afx
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