250-Millionen-Dollar-Runde Softbank steigt bei Berliner Start-up Tier ein

Viele Millionen fließen nach Berlin: Das E-Scooter-Start-up Tier erhält 250 Millionen Dollar – unter anderem vom umstrittenen Softbank Vision Fund 2. Mit dem Kapital könnte die Jungfirma die Konkurrenz abhängen.
Softbank-Chef Masayoshi Son (63): Sein Vermögen wird auf rund 33 Milliarden Dollar geschätzt

Softbank-Chef Masayoshi Son (63): Sein Vermögen wird auf rund 33 Milliarden Dollar geschätzt

Foto: Issei Kato/ REUTERS

Investoren pumpen eine für die deutsche Tech-Szene außergewöhnliche Summe in das Berliner Mobilitäts-Start-up Tier: Das erst 2018 gegründete Unternehmen erhält 250 Millionen US-Dollar. Maßgeblich beteiligt sich der für seine Investmentstrategie umstrittene SoftBank-Chef Masayoshi Son (63) mit dem Vision Fund 2.

Tier-Gründer und Geschäftsführer Lawrence Leuschner (38) will mit dem Kapital die Expansion seiner elektrischen Tretrollerflotte beschleunigen, geeignete Märkte sehe er sich gerade an. Weiter will er ein Netzwerk von Ladestationen in europäischen Städten installieren. Nach eigenen Angaben betreibt das Start-up rund 60.000 E-Scooter in mehr als 80 Städten. Der Unternehmer will künftig verschiedene elektrische Fahrzeugarten auf seiner Sharing-Plattform einbinden.

Bewertung jetzt bei bis zu 850 Millionen Euro?

Zu der Unternehmensbewertung bei dem Deal will sich Tier auf Nachfrage nicht äußern. Laut dem Branchenportal "Deutsche-Startups.de " soll sie bei rund 700 Millionen Euro liegen. Nach Angaben der Financial Times  wurde auf einer Bewertung von umgerechnet bis zu 650 Millionen Euro investiert. Rechnet man das neue Investment mit ein, sei Tier bis zu 850 Millionen Euro wert.

Das E-Scooter-Geschäft ist laut Leuschner profitabel, wie das manager magazin berichtete. Sein Start-up setzte sich in Europa gegen aggressive Anbieter aus den USA durch – etwa gegen das Unternehmen Bird oder eine Einheit des Taxidiensts Uber. Investoren wie Mubadala Capital und Northzone (Spotify, Klarna) hatten zuvor schon mehr als 130 Millionen Dollar in Tier investiert.

Das frische Geld könnte Leuschner in die Position bringen, seine Konkurrenz abzuhängen. In Europa kämpfen etwa noch das schwedische Voi und Dott aus München um den Markt. Allerdings ist Kapital nicht alles, wie gerade Softbank-Chef und Tier-Neuinvestor Masayoshi Son in der jüngsten Vergangenheit eindrucksvoll bewies.

Zweifelhafter Ruf

Der reichste Mann Japans genießt mit seinen Fonds einen zweifelhaften Ruf. Mit schwindelerregend hohen Investments befeuerte er das Wachstum seiner Portfolio-Unternehmen, die danach nicht selten ein tiefer Fall ereilte. Prominentes Beispiel ist der Coworkinganbieter WeWork, dessen Börsengang vergangenes Jahr spektakulär platzte. Gründer und CEO Adam Neumann musste das Unternehmen verlassen.

Zuletzt konnte der zwischenzeitlich ins Schlingern geratene Technologieinvestor zwar dank der Hausse im Tech-Sektor den Wert seiner beiden Vision Funds wieder deutlich steigern. Zuvor musste Son Beteiligungen in Höhe von 90 Milliarden Dollar verkaufen, um seine ins Trudeln geratene Holding zu stabilisieren. Darunter waren Anteile an T-Mobile und Alibaba.

Erst am Montag hatte Softbank bekannt gegeben, dass Vision-Fund-Chef Rajeev Misra (58) und Chief Operating Officer Marcelo Claure gemeinsam mit zwei weiteren Direktoren mit sofortiger Wirkung aus dem Board des Unternehmens ausscheiden. Son geht den Schritt, um das Gremium unabhängiger aussehen zu lassen.

Softbank hatte sich zuletzt mit seinen Beteiligungen aus Europa eher zurückgezogen – die Tier-Beteiligung markiert eine Wende.

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