Chipkonzern Softbank legt Arm-Börsengang in London auf Eis

Zwei Minister hatten sich für einen Börsengang des Chipherstellers Arm in Großbritannien stark gemacht, beide traten wegen der Regierungskrise zurück. Jetzt legt Softbank-Chef Masayoshi Son die Börsenpläne für London offenbar ad acta.
Jetzt doch eine Notierung in den USA? Mitte Juni hatte Softbank-Chef Son noch erklärt, eine finale Entscheidung über die Erstnotiz sei noch nicht gefallen

Jetzt doch eine Notierung in den USA? Mitte Juni hatte Softbank-Chef Son noch erklärt, eine finale Entscheidung über die Erstnotiz sei noch nicht gefallen

Foto: Neil Hall / REUTERS

Wegen der Regierungskrise in Großbritannien wird der im britischen Cambridge ansässige Chiphersteller Arm vorerst wohl nicht an die Börse gehen. Nach dem Rücktritt des Investitionsministers Gerry Grimstone (72) sowie des Digitalministers Chris Philp (46) seien die Gespräche zwischen der Arm-Mutter Softbank und der britischen Regierung unterbrochen worden, berichtet die "Financial Times"  unter Berufung auf Insider. Beide Minister hätten eine zentrale Rolle beim Versuch der britischen Regierung gespielt, Softbank zu einer Notierung in Großbritannien zu bewegen. Weder Softbank noch Arm wollten sich zu dem Bericht äußern, auch die britische Regierung lehnte laut "FT" einen Kommentar ab.

Der japanische Technologie-Investor Softbank hatte sich für einen Börsengang von Arm entschieden, nachdem der Verkauf der Tochter an den Branchenriesen Nvidia im Februar geplatzt war. Mitte Juni hatte es geheißen, der britische Chiphersteller Arm könne bei einem Börsengang im März 2023 mit bis zu 60 Milliarden US-Dollar (knapp 59 Milliarden Euro) bewertet werden.

Premierminister Boris Johnson (58) hatte sich dem Bericht zufolge persönlich beim Softbank-Gründer Masayoshi Son (64) dafür stark gemacht, Arm zumindest teilweise im Vereinigten Königreich an die Börse zu bringen. Noch im Juni hatte Son geäußert, eine finale Entscheidung über die Erstnotiz sei noch nicht gefallen. Auch eine Notierung in Großbritannien und den USA sei denkbar, hieß es. Eine doppelte Notierung hatten Unternehmen in der Vergangenheit wegen der Kosten und der Komplexität, die mit zwei gleichzeitigen Börsengängen verbunden sind, allerdings gemieden.

Softbank hatte Arm 2016 für rund 32 Milliarden US-Dollar übernommen. Auf Basis der Arm-Designs entwickeln unter anderem Apple und Samsung die Prozessoren für ihre Smartphones. Auch der Chipkonzern Qualcomm, dessen Chips in vielen Android-Telefonen stecken, greift darauf zurück.

Noch gibt London die britische Chipikone nicht verloren

Dem Bericht zufolge arbeiteten Beamte aus verschiedensten britischen Ministerien ebenso wie Führungskräfte der Londoner Börse weiter an einem attraktiven Paket, um Softbank von den Vorzügen des Vereinigten Königreichs zu überzeugen und doch noch eine Notierung von Arm an der Londoner Börse zu erreichen. Ein Börsengang von Arm wäre für den Londoner Markt einer der größten Tech-Börsengänge aller Zeiten.

rei/dpa-afx
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