Britischer Chipentwickler Arm Softbank zittert um iPhone-Lieferanten

Das japanische Konglomerat Softbank stellt in seiner Geldnot sein größtes Techinvestment zur Disposition. Goldman Sachs soll nach Lösungen für den britischen iPhone-Chipentwickler Arm suchen.
Softbank-Chef Masayoshi Son (Archivbild von 2018)

Softbank-Chef Masayoshi Son (Archivbild von 2018)

Foto: Kim Kyung Hoon/ REUTERS

Der japanische Technologieinvestor Softbank denkt einem Medienbericht zufolge über Optionen für den britischen Chipdesigner Arm Holdings nach. Softbank fasse unter anderem einen vollständigen oder teilweisen Verkauf oder einen Börsengang für Arm Holdings ins Auge, berichtet das "Wall Street Journal"  unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs berate die Japaner bei der möglichen Transaktion. Das Unternehmen wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Der Technologieinvestor hatte im März angekündigt, sich deutlich verschlanken zu wollen. Unter der Führung von Masayoshi Son (62) war der Mobilfunkkonzern zum entscheidenden Treiber immer teurerer Techdeals geworden. Son zehrte vom Ruhm früher Investments in Yahoo und Alibaba und inszenierte sich als Visionär mit einem "300-Jahres-Plan für die Zukunft". Die Kaufwelle gipfelte in dem fast 100 Milliarden Dollar schweren Vision Fund, mit dem Son auch Geld von Co-Investoren wie Saudi-Arabien in gewagte Wetten wie Uber oder Wework steckte.

Seit dem geplatzten Börsengang von Wework im September 2019 hat sich die Euphorie der Anleger jedoch verflüchtigt, die Corona-Krise brachte Softbank in Geldnot. Der Vision Fund verbucht gewaltige Verluste. Unter Druck des aggressiven Hedgefonds Elliott Capital verkündete Softbank im Frühjahr, Beteiligungen von bis zu 41 Milliarden Dollar abzustoßen. Von der bislang größten Veräußerung profitierte die Deutsche Telekom, als Softbank im Juni Aktien von T-Mobile US für 20 Milliarden Dollar verkaufte.

Das Zukunftsgeschäft wächst kaum noch

Arm jedoch wäre der größte verfügbare Brocken. Softbank hatte den britischen Chipdesigner 2016 für 32 Milliarden Dollar erworben. Son verkündete das damals als "Paradigmenwechsel". Mit Arm werde sein Unternehmen von einem Boom im Internet der Dinge profitieren. Von Arm designte Mikroprozessoren treiben die meisten Smartphones an. Seit dem Deal wuchsen die Umsätze jedoch kaum noch, außer durch Zukäufe.

Arm kündigte in der vergangenen Woche an, zwei Geschäftseinheiten für das Internet der Dinge abzuspalten und in die Obhut von Softbank zu geben, um sich auf das Kerngeschäft mit Smartphonechips zu konzentrieren. Dieser Transfer solle bis September abgeschlossen werden. Der Vision Fund, dem 25 Prozent der Arm-Aktien gehören, prüft seinerseits, die Anteile an Softbank zurückzugeben. Die Fondsmanager sehen in dem wachstumsschwachen Geschäft eine Bremse für ihre Performance.

In der Chipindustrie jagt seit Jahren ein Multi-Milliardendeal den nächsten. Das jüngste Beispiel: Am Montag verkündete Analog Devices seine Absicht, Maxim Integrated Products für 20,9 Milliarden Dollar zu kaufen.

ak/Reuters