Snowflake-CEO Frank Slootman Persönliche Verdienste wichtiger als Diversität

Während Chefs internationaler Konzerne sich zumindest öffentlich für das Thema Diversität einsetzen, sorgt Snowflake-Chef Frank Slootman für neue Diskussionen. Er will bei Beförderungen wieder stärker auf persönliche Verdienste setzen, so der CEO in einem Interview.
Größter US-Börsengang des Jahres 2020: Die Softwarefirma Snowflake hat bei ihrem Börsengang im September 2020 rund 3,36 Milliarden Dollar erlöst

Größter US-Börsengang des Jahres 2020: Die Softwarefirma Snowflake hat bei ihrem Börsengang im September 2020 rund 3,36 Milliarden Dollar erlöst

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Während der Großteil der Unternehmen in USA und Europa noch daran arbeitet, sich halbwegs divers aufzustellen, rudert Snowflake-CEO Frank Slootman (62) zurück. Der Cloud-Spezialist wolle sich bei der Einstellung und Beförderung von Mitarbeitern mehr auf deren persönliche Verdienste als auf allgemeine Diversitätsziele konzentrieren, sagte Slootman in einem Interview mit Bloomberg Television . Der Wunsch nach mehr Diversität dürfe nicht "die persönlichen Verdienste überwiegen". Andere CEOs sähen das genau so, sagten dies jedoch nicht öffentlich, fügte Slootman in dem Gespräch  an.

"Wir sind CEOs, wir führen Unternehmen, wir müssen Ergebnisse für unsere Mitarbeiter und unsere Partner, unsere Investoren und unsere Kunden erwirtschaften", erklärte Slootman seine Einstellung. Wie divers seine eigene Belegschaft aufgestellt ist, dazu äußerte sich Slootman nicht in dem Interview. Das Führungsteam von Snowflake besteht aus elf Mitarbeitern, von denen nur zwei weiblich sind.

Snowflake ist ein 2012 gegründeter cloudbasierter Anbieter von Data-Warehouse-Diensten und bietet Firmen eine Software zur Analyse ihrer Daten an. Der Konzern beschäftigt rund 1900 Mitarbeiter, die im ersten Quartal des Jahres einen Produktumsatz von 213 Millionen Dollar (175 Millionen Euro) erwirtschafteten - ein Wachstum von 110 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Snowflake absolvierte im vergangenen Jahr mit 3,36 Milliarden Dollar den größten US-Börsengang des Jahres. Weltweit war es sogar der größte je vollzogene Börsengang einer Softwarefirma. Sogar Investmentlegende Warren Buffett (90), der sich normalerweise mit Investments in Tech-Aktien zurückhält, stieg mit 570 Millionen Dollar ein.

Diverse Unternehmen sind rentabler

Mit seinen Aussagen steht Slootman im Widerspruch zumindest zum Verhalten vieler CEOs. Vor allem Unternehmen aus der Tech-Branche haben sich ehrgeizige Ziele in puncto Diversität gesetzt. So versprach beispielsweise Sundar Pichai (48), Chef der Google-Mutter Alphabet, die Zahl der People of Color bis 2025 auf 30 Prozent zu steigern. Und Microsoft-CEO Satya Nadella (53) möchte die Zahl der People of Color im gleichen Zeitraum sogar verdoppeln. Hierzulande wurde vom Gesetzgeber gerade erst eine Frauenquote eingeführt, die Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeiter dazu verpflichtet, ab vier Vorstandsmitgliedern mindestens eine Position davon mit einer Frau zu besetzen.

Viele Firmenchefs und Politiker berufen sich dabei auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die auch Bloomberg zitiert. Demnach haben die Berater festgestellt, dass Firmen mit der höchsten Geschlechterdiversität 25 Prozent häufiger eine überdurchschnittliche Rentabilität aufweisen als die Gruppe der Unternehmen mit der geringsten Geschlechterdiversität. Bei der ethnischen Vielfalt betrug der Abstand sogar 36 Prozent.

Slootman präzisiert Aussagen nach Kritik: "Vielfalt und Verdienste" schließen sich nicht aus

Slootmans Aussagen stießen in den sozialen Netzwerken auf viel Kritik. Inzwischen hat der Snowflake-CEO seine Meinung daher noch einmal präzisiert. "Meine Kommentare (...) haben möglicherweise zu der Annahme geführt, dass sich Vielfalt und Verdienst bei einer Einstellung oder Beförderung gegenseitig ausschließen. Daran glaube ich nicht und ich möchte mich bei jedem entschuldigen, der durch meine Aussage möglicherweise verletzt oder beleidigt wurde", sagte Slootman in einem Blogbeitrag . Das Unternehmen Snowflake sympathisiere stark mit dem Konzept, für mehr Diversität in Unternehmen zu sorgen. Aber dieses Ziel dürfe nicht dazu führen, dass die individuelle Leistung eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin aus dem Blick gerate.

mg