Snapchat-Betreiber Snap will ein Fünftel aller Stellen streichen

Die jüngsten Quartalszahlen waren desaströs, eine Prognose für das neue Jahresdrittel traute sich Snap-CEO Evan Spiegel bisher nicht zu. Nun sollen mithilfe von Stellenstreichungen die Kosten runter.
Muss auf die Kostenbremse treten: Snap-CEO Evan Spiegel

Muss auf die Kostenbremse treten: Snap-CEO Evan Spiegel

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Social-Media-Konzern Snap plant mehreren Medienberichten zufolge die Streichung von etwa 20 Prozent der insgesamt 6500 Arbeitsplätze. Das Vorhaben werde seit mehreren Wochen vorangetrieben, berichteten die "Financial Times " und "The Verge " am Dienstag unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Entlassungen sollten am Mittwoch beginnen. Ein Snap-Sprecher habe eine Stellungnahme abgelehnt.

Besonders betroffen sein sollen von den Stellenstreichungen laut "The Verge" das Entwicklerteam und die App Zenly, die Snap 2017 gekauft hatte. Auch im Hardware-Geschäft mit den Virtual-Reality-Brillen und Drohnen werde es harte Einschnitte geben. Im Zuge des Jobabbaus würden zudem Chief Business Officeer Jeremi Gorman und der Vizepräsident für die US-Vermarktung, Peter Naylor, das Unternehmen verlassen. Beide werden den Berichten zufolge zu dem Streaminganbieter Netflix wechseln.

Der Mutterkonzern der Foto-App Snapchat kämpft derzeit mit der Schwäche des Online-Werbemarktes. Das sonst rasante Umsatzwachstum sank im vergangenen Quartal auf ein mageres Plus von 13 Prozent. Mit 1,1 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) war es das bisher langsamste Wachstum seit dem Börsengang vor gut fünf Jahren. Noch im ersten Vierteljahr lag die Zuwachsrate bei 38 Prozent, davor waren auch 50 oder 60 Prozent üblich.

Der Quartalsverlust weitete sich im zweiten Quartal von knapp 152 Millionen Dollar ein Jahr zuvor auf gut 422 Millionen Dollar aus. Nur die Zahl der täglich aktiven Nutzer legte binnen der drei Monate von 332 auf 347 Millionen zu. Sie verbrachten auch mehr Zeit auf der Plattform. Schon bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli hatte Snap-Chef Evan Spiegel (32) angekündigt, als Reaktion auf die schwachen Zahlen die Kosten zu senken und den Jobaufbau zu verlangsamen.

Snap-Aktie seit Jahresbeginn um 80 Prozent eingebrochen

Snapchat machen auch die Maßnahmen von Apple zum besseren Schutz der Privatsphäre auf dem iPhone zu schaffen. App-Betreiber müssen Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis fragen, wenn sie ihr Verhalten quer über verschiedene Anwendungen hinweg verfolgen wollen. Viele Nutzer lehnten dies ab – und das torpedierte zahlreiche Geschäftsmodelle bei Online-Werbung. Snapchat kann Werbekunden deshalb weniger genau über die Erfolgsquote ihrer Anzeigen berichten.

Nach der Veröffentlichung des Berichts gab die Snap-Aktie um mehr als 6 Prozent nach. Im Mai gab das Unternehmen bereits eine Gewinnwarnung heraus, im Juli enttäuschten die Quartalszahlen und lösten einen massiven Kursrückgang aus. Eine Prognose für das dritte Quartal wagte Snap-Chef Spiegel nicht. Seit Jahresbeginn ist das Papier damit um fast 80 Prozent eingebrochen. Einige Analysten sehen die Aktie nun als unterbewertet an und glauben an ein Comeback des Unternehmens .

Snapchat wurde ursprünglich mit der Möglichkeit zum Posten von Fotos groß, die von selbst verschwinden. Inzwischen setzt das Unternehmen aber im großen Stil auf die Kombination digitaler Effekte mit der realen Welt. Das können Spielereien wie virtuelle Masken in einem Video sein – oder die Möglichkeit, Mode und Kosmetik auf dem Handydisplay "anzuprobieren". In dieser sogenannten erweiterten Realität (AR, Augmented Reality) sieht Snap eigenen Angaben zufolge langfristig die größten Wachstumschancen.

mg
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