Angst vor Apple Snap schickt Schockwellen durchs Silicon Valley

Apples neue Datenschutzrichtlinie bremst die Werbeumsätze der Plattform stärker als gedacht. Der Aktienkurs bricht um rund ein Viertel ein – und reißt die Börsenwerte von Facebook, Google und Twitter mit.
Bad News: Snap-Chef Evan Spiegel schockt die Branche

Bad News: Snap-Chef Evan Spiegel schockt die Branche

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Eigentlich wollte Snap-Chef Evan Spiegel (31) feierliche Stimmung verbreiten. "Snap hat in diesem Quartal seinen zehnten Geburtstag gefeiert", verkündete der CEO der Social-Media-Plattform in der Nacht zu Freitag. Er berichtete von steigenden Nutzerzahlen (306 Millionen), steigenden Umsätzen (plus 57 Prozent auf 1,07 Milliarden Dollar) und einem deutlich geringeren Verlust (minus 64 Prozent auf 72 Millionen Dollar). Und doch dürfte auch ihm die Feierlaune schnell abhanden gekommen sein. Der Kurs der Snap-Aktie nämlich gab infolge seines Auftritts zeitweise um rund ein Viertel nach.

Snap kämpft mit massiven Problemen im Werbegeschäft. Durch die neuen Datenschutz-Vorgaben für Apples iPhone könnten Anzeigen schwerer personalisiert und der Erfolg weniger gut gemessen werden, teilte der Betreiber des Foto-Messengerdienstes mit. "Das ist definitiv ein frustrierender Rückschlag für uns", sagte Firmenchef Spiegel.

Der Schock erfasste das gesamte Silicon Valley. Auch die Aktien von Facebook, Twitter und Google – deren Geschäftsmodelle ebenfalls zum großen Teil auf Werbeeinnahmen beruhen – brachen um 3 bis 5 Prozent ein. Allein Facebook verlor zeitweise mehr als 40 Milliarden Dollar Börsenwert. Die Unternehmen werden erst in der kommenden Woche Einblick in ihre Quartalszahlen geben, aber offenbar fürchten die Investoren auch dort Unangenehmes. Facebook hatte seine Anleger bereits vor negativen Einflüssen der neuen Apple-Vorgaben gewarnt.

Die nächste Stufe im Machtkampf Apple vs. Facebook

Damit erreicht ein geradezu epischer Machtkampf die nächste Stufe. Apple-Chef Tim Cook (60) hatte mit seinem Vorstoß unter dem Namen "App Tracking Transparency" (ATT) bereits Anfang des Jahres einen Proteststurm ausgelöst. Das Programm sieht vor, dass App-Anbieter die Nutzerdaten von iPhone-Usern nur noch mit deren Einverständnis verwenden dürfen. Die bisher praktizierte Form der personalisierten Werbung würde damit auf den Apple-Geräten praktisch unmöglich oder zumindest stark eingeschränkt werden.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg (37) wetterte am lautesten gegen Apple – wohl wissend, dass Cook die Basis seines Geschäfts attackierte. Apple missbrauche seine Macht als Plattform, ätzte er und rief Apple "zu einem unserer größten Konkurrenten" aus. Cook reagierte ungewöhnlich scharf: Man solle Unternehmen, deren Erfolg auf den persönlichen Daten ihrer Nutzer beruhten, nicht vertrauen.

Im Juni hatte Apple das Datenschutz-Update für die iPhones schließlich veröffentlicht, mit dem das Tracking der Nutzer ohne deren ausdrückliche Zustimmung verhindert wird. Bei Snap zeigten sich nun erstmals die Auswirkungen. Die Plattform erklärte, sie habe sich zwar auf Beeinträchtigungen des Werbegeschäfts durch Apple eingestellt. Aber auch von Apple in diesem Zusammenhang zur Verfügung gestellte Technologien hätten nicht den Erwartungen entsprochen.

Besonders dramatisch: Es sei davon auszugehen, erklärte Snaps Finanzchef Derek Anderson, dass die Probleme sich auch im vierten Quartal fortsetzen würden. Sollte das auch für die anderen Techkonzerne gelten, dürfte es teuer werden. Im Weihnachtsquartal machen die Plattformen traditionell ihre höchsten Werbeumsätze.

lhy/Reuters
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