Ende nach 170 Jahren Siemens plant Komplettrückzug aus Russland

Nach der Aufgabe des Neugeschäfts kappt Siemens nun auch alle weiteren Geschäftsbeziehungen zum russischen Markt. Wegen der Russland-Belastungen verzeichnet der Technologiekonzern bereits einen herben Ergebniseinbruch.
"Geordneter Prozess": Siemens-Chef Roland Busch beendet die industriellen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens in Russland

"Geordneter Prozess": Siemens-Chef Roland Busch beendet die industriellen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens in Russland

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Der Rückzug aus dem Russland-Geschäft schlägt bei Siemens auf den Gewinn. Der Münchener Technologieriese bezifferte am Donnerstag die Belastungen, die als Folge der Sanktionen angefallen seien, auf rund 600 Millionen Euro. Vor allem bei der Zugsparte fielen Abschreibungen und sonstige Belastungen an.

Diese Entwicklung hat Siemens im zweiten Quartal (per Ende März) das Ergebnis verdorben. Mit 1,8 Milliarden Euro lag der Gewinn im industriellen Geschäft unter den Erwartungen der Analysten, die knapp 2,4 Milliarden Euro vorhergesagt hatten. Unter dem Strich brach der Gewinn um 49 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein, hier hatten die Analysten im Schnitt 1,5 Milliarden Euro erwartet.

Siemens hatte nach der russischen Invasion in der Ukraine das Neugeschäft in Russland und Belarus gestoppt. Nach rund 170 Jahren sollen nun die Geschäfte in Russland gänzlich abgewickelt werden: Das Unternehmen habe Verfahren eingeleitet, um seinen Industriebetrieb und alle industriellen Geschäftsaktivitäten einzustellen.

"Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine und haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden", sagte Siemens-Chef Roland Busch (57). Siemens erwirtschaftete zuletzt rund 1 Prozent seines Gesamtumsatzes in Russland.

Globale Nachfrage weiterhin hoch

Die weltweite Nachfrage nach Siemens-Produkten ist dagegen weiterhin hoch. Der Auftragseingang verbesserte sich um ein Drittel auf 21 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf gut 17 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der von Siemens befragten Analysten deutlich. Busch sprach von einem extrem schwierigen Umfeld.

Neben dem Ukraine-Krieg bekommen die Münchener die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren. Weiterhin gehe es darum, größere Unterbrechungen zu vermeiden, obwohl es erhöhte Risiken bei elektronischen Bauteilen, Rohstoffen und der Logistik gebe. In der Sparte mit Automatisierungstechnik kam es dennoch zu längeren Lieferzeiten.

An seiner Prognose hält Siemens fest. Voraussetzung sei, dass sich die Engpässe in der Lieferkette nicht verschärften und auch die Pandemie keine neuen Herausforderungen mit sich bringe. Der Umsatz solle auf vergleichbarer Basis um 6 bis 8 Prozent steigen, der Auftragseingang über den Umsatzerlösen liegen. Beim Gewinn je Aktie sagte Siemens eine Spanne von 8,7 bis 9,1 Euro voraus.

hr/dpa-afx, Reuters