Berliner Logistik-Start-up will Mittelständler übernehmen Sennder sammelt 140 Millionen Euro für Zukäufe ein

Angriff auf DHL und Kühne + Nagel: Das Berliner Logistik-Start-up Sennder will im Mittelstand zukaufen und 2023 eine Milliarde Umsatz machen. Dafür gab es nun frisches Geld der Investoren.
Wir wollen ihre Spedition kaufen: Die Sennder-Gründer Julius Köhler, Nicolaus Schefenacker und David Nothacker posieren im typischen BWLer Look

Wir wollen ihre Spedition kaufen: Die Sennder-Gründer Julius Köhler, Nicolaus Schefenacker und David Nothacker posieren im typischen BWLer Look

Foto: PR

Frisches Geld für die Einkaufstour: Das Berliner Logistik-Start-up Sennder sammelt bei Investoren wie Lakestar, Project A oder dem LKW-Hersteller Scania gut 140 Millionen Euro zusätzliches Wagniskapital ein. Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mit. Die Bewertung steigt damit Unternehmenskreisen zufolge auf rund 1,1 Milliarden Euro.

Die Gründer Julius Köhler (32), Nicolaus Schefenacker (31) und David Nothacker (33) wollen das Geld vor allem für Zukäufe nutzen. Allein in diesem Jahr wolle man "zwei bis fünf" Speditionen übernehmen, sagte Nothacker dem manager magazin. Sennders Geschäftsmodell setzt vor allem auf Größe und Netzwerkeffekte. Dazu müsse man auch anorganisch wachsen, so Nothacker.

Sennder will das klassische Logistikgeschäft digitalisieren und so Effizienz und Marge erhöhen. Mithilfe einer eigens entwickelten Software sollen LKWs besser ausgelastet und Touren sinnvoller geplant werden. Das Start-up behauptet, dank der Digitalisierung von Büroprozessen im Hintergrund schneller und günstiger zu arbeiten. So gehe man auch bei den übernommenen, traditionellen Speditionen vor. "Die arbeiten meist noch mit Excel und Telefon", sagt Nothacker. Bislang ist allerdings noch unklar, wie schlagkräftig Sennders Systeme wirklich sind. Die Vorteile, heißt es, entstünden derzeit vor allem durch Skaleneffekte, ein motiviertes Team und fehlende Altlasten.

Der europäische Speditionsmarkt ist nach wie vor sehr fragmentiert und von Kleinbetrieben geprägt. Diese will Sennder mit seiner Plattform effizienter mit Kunden zusammenbringen. Denn besonders in Pandemiezeiten mangele es vielerorts an Kapazitäten, sagt Gründer Nothacker, "das ist der Grund, warum Konzerne überhaupt mit uns reden." Die Usancen des Speditionsgeschäfts, in dem persönliche Beziehungen besonders viel zählen, mussten die drei Unternehmer sich mühsam aneignen. Dazu seien viele Biere mit den Kollegen vor Ort nötig, so Nothacker.

Nothacker gibt an, bis 2023 eine Milliarde Euro Umsatz machen zu wollen, bis 2025 habe man sich zwei Milliarden zum Ziel gesetzt. Auch wenn etablierte Konkurrenten wie Kühne + Nagel (Umsatz 2019: gut 23,4 Milliarden Euro) ebenfalls auf digitale Plattformen setzen, sieht er für Sennder langfristig eine solide Chance, aufschließen zu können: "Wir sind agiler und flexibler."

Bereits im vergangenen Jahr nutzte Sennder sein Wagniskapital für Wachstum durch Zukäufe. So gründete das Start-up im Sommer ein Joint Venture mit der italienischen Post und übernahm im Herbst das europäische Frachtgeschäft des US-Mobilitätsriesen Uber. Das Unternehmen wurde 2015 gegründet und beschäftigt heute gut 800 Mitarbeiter. Eigenen Angaben zufolge hat Sennder bei eigenen sowie Partnerunternehmen Zugriff auf über 10.000 Lkw in Europa.

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