Innovation bei SAP Sehen wir Sie bald im SAP-Vorstand, Frau Gangadharan?

SAP-intern gilt Sindhu Gangadharan als Topmanagerin mit Potenzial für die Spitze. Mit dem manager magazin spricht sie darüber, wie sie Innovation für den Konzern antreiben will.
Sindhu Gangadharan leitet nach 18 Jahren in Walldorf nun die SAP Labs Indien

Sindhu Gangadharan leitet nach 18 Jahren in Walldorf nun die SAP Labs Indien

Foto: SAP

Sindhu Gangadharan (44) führt seit 2019 die SAP Labs in Bangalore, die zweitgrößte Entwicklungsabteilung des Software-Konzerns. Die Inderin treibt die Produktstrategie des Konzerns voran und fördert die Diversität im Konzern, intern wird sie bereits als Kandidatin für den Vorstand gehandelt.

Frau Gangadharan, Christian Klein hat Sie kürzlich im manager-magazin-Interview  als besonderes talentierte Topmanagerin bei SAP hervorgehoben. Sehen wir Sie bald im Vorstand?

Ich wünschte, ich hätte eine Kristallkugel. (lacht) Fakt ist, dass ich mich voll auf meine anspruchsvolle Aufgabe hier in den SAP Labs konzentriere. Eines aber ist klar: Christian setzt sich für Diversität im Konzern ein. Meine Karriere ist ein gutes Beispiel für die inklusive Kultur bei SAP. Es gibt die Chancen und es liegt an Dir, ob du sie nutzt.

Sie arbeiten seit mehr als zwanzig Jahren für SAP, waren davon 18 in Walldorf als Cloud- und Integrationsmanagerin und zuletzt als Senior Vice President. Jetzt leiten Sie das Lab in Indien. Was bedeutet die Einheit für SAP?

Wir sind das zweitgrößte von 20 Labs weltweit. Und wir sind das einzige, das die gesamte Produktpalette an einem Ort abbildet. Wir stehen also ganz vorn, wenn es darum geht, die Produktstrategie von SAP voranzutreiben.

Welche Innovationen werden wir bald von Ihrem Team sehen?

Einmal arbeiten wir hier an der Weiterentwicklung unserer Kernprodukte, also etwa an der S/4-Hana-Entwicklung, dem Kundenerfahrungsmanagement, der Lieferkettenanalyse oder der Industry Cloud. Aber wir machen auch eigene Projekte: Während des Lockdowns haben wir beispielsweise für den Staat Karnataka, dessen Hauptstadt Bangalore ist, ein Desaster-Management-Portal aufgebaut. Darüber können unter anderem Landwirte, deren Produkte kurz vor dem Verderben sind, direkt an Endkunden verkaufen.

Das klingt eher lokal. Welche Ideen können weltweit SAP-Kunden nutzen?

Mit einem Start-up aus unserem Accelerator haben für eine Optikerkette das Einkaufen im Geschäft digital abgebildet. Mit Augmented Reality (AR) können die Kunden ihre neue Brille auf dem Sofa zu Hause ausprobieren. Für solche Zukunftstechnologien wie AR haben wir 2020 in Indien ein Innovation Center Network (ICN) eröffnet. Da schauen wir, wie wir neue Technologien mit einem Entwicklungshorizont von drei bis fünf Jahren in unseren Produkten einsetzen können. Wir arbeiten etwa viel mit Künstlicher Intelligenz.

Haben Sie ein Beispiel für uns?

Bei der Suche nach neuem Personal ist die Voreingenommenheit gegenüber Frauen oder bestimmten Ethnien ja überall in den Unternehmen ein großes Problem. Deshalb achten wir schon bei der Formulierung der Algorithmen für unsere Personalmanagementsoftware Success Factors darauf, dass solche unbewusste Diskriminierung möglichst gut ausgeschlossen wird. Das hilft nicht nur SAP bei der Inklusion, sondern auch unseren Kunden.

Was tun Sie in Ihrer Position als Lab-Leiterin in Indien für mehr Diversität?

Knapp 40 Prozent unserer Neueinstellungen sind Frauen. Wir setzen uns gezielt dafür ein, dass sie, wenn sie denn möchten, eine Familie haben und trotzdem langfristig bei uns bleiben können. So hilft ihnen zum Beispiel ein Buddy-Programm nach der Elternzeit unkompliziert zurück in den Job. Wir unterstützen bei Adoptionswünschen oder nach Fehlgeburten. Außerdem gibt es Hilfe bei der Pflege Angehöriger, denn in Indien kümmern sich die Familien um die ältere Generation.

Und was ist mit Frauen in Leitungspositionen?

Derzeit sind es bei SAP in Indien 28 Prozent. Aber wir bemühen uns, mehr Frauen in Führungs- und Expertenrollen zu bringen. Ich hole gezielt Vorbilder ins Unternehmen, um Kolleginnen zum Aufstieg zu inspirieren. Erfolgreiche Managerinnen wie die Ingenieurtechnologin Manjusha Nair, die Softwareingenieurin Dharani Karthikeyan oder die Cybersecurity-Expertin Sailaja Vadlamudi sprechen über ihre Karrieren, aber auch ihre Verletzlichkeiten. Mit ihnen bauen wir ein Mentorinnen-Netzwerk auf. Aber es geht uns nicht nur um die Förderung von Frauen.

Sondern?

Wir wollen generell inklusiv sein. Das "Autism at Work"-Programm von SAP etwa entstand in Indien und wurde dann auf den gesamten Konzern ausgeweitet. Mit autistischen Bewerberinnen und Bewerbern prüfen wir, in welchem Bereich sie bei uns Karriere machen können und welche Unterstützung sie dabei brauchen.

Was ist denn ihr Ziel für ihre Einheit?

Das Lab in Indien zum innovativsten Ort für SAP zu machen. Das klappt nur, wenn wir die Kunden mit unseren Ideen überzeugen. Dafür müssen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig motivieren: Eine Umgebung schaffen, in der Kreativität gedeiht, in der alle gut zusammenarbeiten und in der es Spaß macht, zu arbeiten.

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