Kerngeschäft verlagert sich SAP zieht das Tempo im Cloud-Geschäft an

SAP geht mit hohen Wachstumsambitionen ins neue Jahr - insbesondere beim Cloud-Geschäft. Die Gewinne aus dem Tagesgeschäft müssen aber erst mal zurückstehen. Zugleich will der Konzern für eine Milliarde Euro Aktien zurückkaufen.
Da geht noch was: Die Cloud-Erlöse sollen um ein Viertel steigen, sagt SAP-Chef Christian Klein voraus

Da geht noch was: Die Cloud-Erlöse sollen um ein Viertel steigen, sagt SAP-Chef Christian Klein voraus

Foto: Uwe Anspach / DPA

Der Softwareriese SAP ist angesichts des kräftigen Wachstums in der Cloud zuversichtlich für das neue Geschäftsjahr. Im laufenden Jahr sollen die Cloud-Erlöse währungsbereinigt um 23 bis 26 Prozent auf 11,55 bis 11,85 Milliarden Euro klettern, gab der Dax-Konzern am späten Donnerstagabend bekannt. Die Prognose spiegele eine weitere Beschleunigung wider, sagte Finanzchef Luka Mucic (50). Der weltweit tätige Konzern kommt bei der Umstellung zu einem reinen Cloud-Anbieter schneller voran als erwartet. Die Cloud-Erlöse erhöhten sich 2021 währungsbereinigt um 19 Prozent auf 9,59 Milliarden Euro und lagen damit am oberen Ende der Prognose.

"Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für die SAP, um sich neu aufzustellen, stabile Lieferketten aufzubauen und sich auf dem Weg in die Cloud zu nachhaltigen Unternehmen zu entwickeln", sagte Firmenchef Christian Klein (41), der das Rundum-Angebot "Rise with SAP" auf den Markt gebracht hat, um Kunden beim Wechsel in die Cloud stärker an die Hand zu nehmen.

Vor gut einem Jahr war Klein noch damit beschäftigt, seine neue Vorstandsriege rund um die Marketingchefin Julia White vorzustellen und seine Cloudstrategie zu erklären, mit der er sich über kurz oder lang vom traditionellen – und in der Corona-Krise unter die Räder gekommenen – Geschäft mit Softwarelizenzen verabschieden will. Genau wie seine US-Rivalen Salesforce, Workday oder Oracle setzt SAP deswegen auf den Verkauf von flexibleren Web-Abos, die in der Regel regelmäßig bezahlt werden und nicht einmalig, was Umsätze prognostizierbarer macht.

Eine Milliarde Euro für Aktienrückkäufe

Inzwischen verlagert sich auch das Kerngeschäft schneller in die Cloud. So stiegen die für die kommenden zwölf Monate vertraglich zugesicherten Clouderlöse mit dem Flaggschiffprodukt S/4Hana Cloud im vierten Quartal um währungsbereinigt 76 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro. Das Schlussquartal ist für SAP besonders wichtig, da in dem Zeitraum in der Branche traditionell viele Aufträge abgeschlossen werden. Dank eines Schlussspurts erhöhten sich die Cloud- und Softwareerlöse im vergangenen Jahr um währungsbereinigt fünf Prozent auf 24,41 Milliarden Euro und lagen damit über den eigenen Erwartungen.

Neben dem Ausblick und den vorläufigen Quartals- und Jahreszahlen gab SAP ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro bekannt, das vom 1. Februar bis 31. Dezember erfolgen soll. Die zurückgekauften Aktien werden in erster Linie dafür verwendet, um zukünftige Zuteilungen aus dem anteilsbasierten Vergütungsprogramm zu bedienen. Dadurch wolle man die Aktienkultur in der Belegschaft weiter stärken und sicherstellen, dass Mitarbeiter wie auch Aktionäre ähnliche Interessen verfolgten, sagte Mucic. SAP zählt rund 100.000 Beschäftigte.

Ende 2022 operativ nur ein weitgehend stabiles Ergebnis erwartet

Im vergangenen Jahr übertrafen die Walldorfer ihre mehrmals angehobene Gewinnprognose. Das währungsbereinigte Betriebsergebnis legte um ein Prozent auf 8,41 Milliarden Euro zu. Zuletzt hatte SAP die Spanne im Oktober auf 8,1 bis 8,3 Milliarden Euro angehoben. Nun lässt es SAP etwas gemächlicher angehen und veranschlagt 7,8 bis 8,25 Milliarden Euro. Klein hatte bei den Ergebnissen für die Jahre 2021 und 2022 ohnehin magere Kost in Aussicht gestellt, weil er die Wachstumschancen im Markt nicht verpassen will und der Konzern dafür viel Geld in die Hand nimmt.

Die Beschleunigung der Cloudgeschäfte erfordert Investitionen in Technik, Produkte und Werbung. Zudem sind die Cloudprodukte zunächst nicht so profitabel wie teure Softwarepakete im einmaligen Lizenzverkauf, sollen sich aber über die Laufzeit und eine höhere Kundenbindung nach und nach rentieren - denn die Cloudsoftware wird entweder im Abo bezahlt oder über Nutzungsgebühren. Zuversichtlich ist der Konzern für seine mittelfristigen Erwartungen, wonach bis 2025 Clouderlöse von mehr als 22 Milliarden Euro erzielt werden sollen.

Weitere Details will der Dax-Konzern am 27. Januar bekanntgeben.

rei/Reuters/DPA
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