SAP hebt Ausblick erneut an "Wir hatten ein fantastisches Quartal"

SAP hebt die Prognosen für das Gesamtjahr leicht an. Unter dem Strich verdient der Konzern im zweiten Quartal fast 66 Prozent mehr - großen Anteil daran haben Beteiligungen von SAP an Start-ups. Investoren sind trotzdem unzufrieden.
SAP-Chef Christian Klein

SAP-Chef Christian Klein

Foto: Malte Ossowski/SVEN SIMON / imago images/Sven Simon

Europas größter Softwarekonzern SAP hat im zweiten Quartal das Betriebsergebnis währungsbereinigt um drei Prozent auf 1,92 Milliarden Euro gesteigert. Die Umsätze legten währungsbereinigt ebenfalls um 3 Prozent auf 6,67 Milliarden Euro zu. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen in dieser Höhe gerechnet, aber lediglich mit einem Betriebsergebnis von 1,61 Milliarden Euro. "Wir hatten ein weiteres fantastisches Quartal", sagte Firmenchef Christian Klein (41) am Mittwoch zu Journalisten.

Am Aktienmarkt konnte SAP damit allerdings nicht punkten. Die Papiere  rutschten zeitweise um 5,2 Prozent auf 115,18 Euro ab, waren damit so billig wie seit sechs Wochen nicht mehr. Ein Börsianer merkte an, dass die Erwartungen eben nur leicht nach oben geschraubt wurden. Analyst Amit Harchandani von Citi nannte die Verbesserungen beim Cloud-Auftragsbestand marginal.

Unter dem Strich verdiente SAP 1,45 Milliarden Euro und damit fast zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Maßgeblichen Anteil hatten daran erneut die Beteiligungen von SAP an Start-ups über das Risikokapitalvehikel Sapphire Ventures, das laut Finanzchef Luka Mucic (49) allein im zweiten Quartal 900 Millionen Euro zum Finanzergebnis beitrug.

Ausblick für das Gesamtjahr leicht angehoben

Den Softwareriesen macht der schnellere Umstieg seiner Kunden in die Cloud zuversichtlicher. Der Walldorfer Dax-Konzern hob am Mittwoch seinen Ausblick für das Gesamtjahr bereits zum zweiten Mal an. SAP rechnet nun mit einem währungsbereinigten Betriebsergebnis zwischen 7,95 und 8,25 Milliarden Euro. Bisher waren 7,8 bis 8,2 Milliarden Euro für 2021 in Aussicht gestellt worden.

Auch für die Cloud- und Softwareerlöse setzt sich SAP leicht höhere Ziele und erwartet nun 23,6 bis 24,0 Milliarden Euro (zuvor 23,4 bis 23,8 Milliarden Euro). Die Prognose erfolgt unter der Annahme, dass die Corona-Krise langsam abklingt, sodass sich die globale Nachfrage im zweiten Halbjahr weiter verbessert.

Klein hat sich auf die Fahnen geschrieben, das fast 50-jährige Unternehmen auf die Cloud auszurichten und dafür das Traditionsgeschäft mit Lizenzmodellen für serverbasierte Computerprogramme hinter sich zu lassen. Ein Programm zur umfassenden Geschäftstransformation ("SAP Rise") soll mehr der rund 400.000 Firmenkunden in die Cloud locken und zu einer Umstellung von Lizenzprodukten auf gemietete Anwendungen im Web bewegen, was zu einer Verlagerung der Umsätze führt. Im zweiten Quartal sei es zu Abschlüssen mit 250 Kunden gekommen, teilte der Oracle-Konkurrent mit. Klein betonte, er rechne damit, dass künftig auch mehr Großkunden diesen Weg gingen. Zugleich will der Firmenchef in neue Märkte investieren, um das Wachstum anzukurbeln.

Einen Einblick in den Fortschritt dieses Prozesses soll auch der aktuelle Cloud Backlog geben - eine Art Auftragsbestand für die nächsten zwölf Monate. Dieser kletterte von April bis Juni währungsbereinigt um 20 Prozent auf 7,77 Milliarden Euro. Die Gesamtumsätze legten währungsbereinigt um drei Prozent auf 6,67 Milliarden Euro zu.

rei/Reuters/dpa-afx
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