Gewinn steigt deutlich SAP will Tochter Qualtrics an die Börse bringen und weiter zukaufen

Vor zwei Jahren hatte SAP den Umfrageanbieter Qualtrics für acht Milliarden Dollar übernommen. Nun soll die Tochter an die Börse - für SAP-Chef Christian Klein schafft das ein "Win-win-Setup".
SAP-Hauptquartier in Walldorf: Die Deutschen wollen Mehrheitseigner von Qualtrics bleiben

SAP-Hauptquartier in Walldorf: Die Deutschen wollen Mehrheitseigner von Qualtrics bleiben

Foto: Dirk Sattler/ imago images/Dirk Sattler

Der Softwareriese SAP  will seine Tochter Qualtrics in den USA an die Börse bringen. SAP wolle Mehrheitsaktionär bleiben, teilte der Walldorfer Dax-Konzern am Sonntagabend mit. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen worden. Konditionen wie auch Zeitplan des Börsendebüts seien offen und abhängig vom Marktumfeld. SAP hatte Qualtrics vor zwei Jahren für acht Milliarden Dollar gekauft und damit den zweitgrößten Zukauf in der Unternehmensgeschichte gestemmt, der von Investoren teilweise als überteuert kritisiert wurde. Vor der Übernahme wollte die US-Firma, die einen Großteil ihrer mehr als 11.000 Kunden auf dem Heimatmarkt hat, bereits an die Börse gehen. Die Pläne waren weit fortgeschritten. Damals sollte Qualtrics mit mindestens sechs Milliarden Dollar bewertet werden.

Qualtrics bietet eine Software-Plattform an, mit der Organisationen Feedback und Daten von Kunden und Mitarbeitern einsammeln können, um diese in Echtzeit zu analysieren und weiterzuverarbeiten. Damit kann unter anderem Marktforschung in Form von Online-Umfragen betrieben werden, um Feedback einzuholen oder die Kunden- sowie Mitarbeiterzufriedenheit zu testen. Laut SAP agierte Qualtrics innerhalb des Konzerns selbständiger als andere Zukäufe. Ein Börsengang biete die "besten Chancen" für die Firma, das Wachstum weiter zu beschleunigen, sagte SAP-Chef Christian Klein (40). Er ist Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott (58), der den Qualtrics-Kauf eingefädelt hatte. Mit dem anvisierten Börsengang wendet er sich nun ein Stück von der Strategie seines Vorgängers ab, der SAP mit Übernahmen vor allem jenseits des Atlantiks groß gemacht hatte. Klein zufolge bietet das Marktdebüt eine Möglichkeit, auch außerhalb des SAP-Kundenstamms zu wachsen. Qualtrics-Mitgründer Ryan Smith (42), der das Geschäft auch nach der Übernahme durch SAP weiterführte, will im Rahmen des Börsengangs größter Einzelaktionär werden.

Zu Details wie dem Zeitplan des Börsengangs hält sich SAP bislang bedeckt. Vorstandschef Klein betonte, SAP wolle weiterhin die Mehrheit an Qualtrics halten: "Wir sind auf lange Sicht dabei." "Der teilweise Börsengang kreiert ein Win-Win-Setup", sagte Klein weiter. Qualtrics könne außerhalb von SAP Kunden gewinnen, während Europas wertvollstes Technologieunternehmen weiterhin die US-Tochter konsolidiere. Smith sagte, Qualtrics sei inzwischen ein "deutlich größeres Unternehmen" als vor dem Kauf durch SAP, als es bereits kurz vor dem Börsengang stand und damals eine Bewertung von mindestens sechs Milliarden Dollar anpeilte. Mucic wollte keinen Einblick in die angestrebte Bewertung geben, sagte aber, in der Regel brächten Technologiefirmen eine Beteiligung zwischen 10 und 15 Prozent an die Börse.

Im ersten Quartal waren die Erlöse von Qualtrics um 82 Prozent auf 161 Millionen Euro gestiegen. Damit fiel das Wachstum deutlich höher als bei anderen Segmenten aus. Auch im zweiten Quartal wuchs Qualtrics weiter schnell und steigerte den Umsatz um 34 Prozent auf 168 Millionen Euro.

SAP macht im zweiten Quartal deutlich mehr Gewinn

Nach dem Börsengang von Qualtrics ist SAP bereit für mögliche Zukäufe. Durch das Marktdebüt gewinne SAP Spielraum für weitere Investitionen, kündigte Finanzvorstand Luka Mucic (48) am Montag gegenüber Journalisten an. Dies könnten auch Akquisitionen sein. Er gehe davon aus, dass das Finanzmarktdebüt "alle Zutaten" haben werde, um von Investoren gut aufgenommen zu werden. Qualtrics-Mitgründer Smith gab sich ähnlich zuversichtlich, dass dies für die Tochter der beste Weg sei. Danach könne auch Qualtrics Übernahmen stemmen.

SAP bestätigte den Ausblick für 2020 wie auch mittelfristig für 2023. Im April hatte Europas wertvollstes Technologieunternehmen wegen der Corona-Krise seine Erwartungen nach unten geschraubt. "Mit unseren Investitionen in strategische Wachstumsfelder sind wir zuversichtlich, dass wir nicht nur die Krise bewältigen, sondern auch gestärkt aus ihr hervorgehen werden", sagte Mucic. Anfang Juli hatte SAP bereits Einblick in das zweite Quartal gegeben, das überraschend gut verlief. Bisher noch nicht bekannt war der Gewinn je Aktie, der um sieben Prozent auf 1,17 Euro stieg. 

Europas größter Softwarehersteller SAP hat unter anderem dank eines überraschend guten Laufs im zweiten Quartal unter dem Strich deutlich mehr Gewinn gemacht. Der Nettogewinn kletterte im Vorjahresvergleich um 52 Prozent auf 885 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Montag in Walldorf mitteilte. Das lag auch daran, dass ein Stellenabbauprogramm vor einem Jahr knapp 200 Millionen Euro gekostet hatte. Zahlen zu Umsatz und operativem Ergebnis hatte SAP bereits vor zweieinhalb Wochen vorgelegt und in der Corona-Krise überraschend stark abgeschnitten. Die im April gesenkten Jahresprognosen bestätigte das Unternehmen.

"Mehr als je zuvor ist durch die Pandemie deutlich geworden, dass Digitalisierung keine Option mehr, sondern zwingend notwendig ist, um schwierige Zeiten zu meistern und die gewünschten Geschäftsergebnisse zu erzielen", kommentierte Vorstandschef Klein die Ergebnisse.

luk/Reuters, dpa
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