Kritik vom Betriebsrat Streit um Dienstreisen bei SAP

Kritische Töne von der SAP-Belegschaft kurz vor Veröffentlichung der Quartalszahlen: Der Betriebsrat kritisiert die Reiseregelungen des Konzerns.
Faktencheck: SAP-Chef Christian Klein verspricht bessere Geschäftszahlen im kommenden Jahr

Faktencheck: SAP-Chef Christian Klein verspricht bessere Geschäftszahlen im kommenden Jahr

Foto: Uwe Anspach / dpa

SAP-Betriebsratschef Eberhard Schick hat Sparmaßnahmen des Softwarekonzerns bei internen Dienstreisen kritisiert. "Die Corona-Reiseeinsparungen werden mitgenommen und nun verstetigt", sagte Schick der Deutschen Presse-Agentur. Nach Worten Schicks sind Reisen beschränkt auf solche zu Kunden und Partnern. Ein Sprecher des Dax-Konzerns mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) bestätigte das auf Anfrage.

Die Einsparungen seien groß, sagte Schick. SAP habe diese in ihren Gewinnprognosen einberechnet und wolle diese erreichen. "Im Juli wurden die Sparmaßnahmen angekündigt. Wir sind gespannt, ob das auch über den Jahreswechsel hinaus gilt", sagte Schick.

Das Management müsse sich eine langfristige Strategie überlegen, wie es mit diesem Ausgabenblock umgeht, forderte Schick. Es sei wichtig, dass man sich innerhalb der Abteilungen und Teams – die bei SAP oftmals weltweit verstreut seien – wieder persönlich sieht und kennt. Nach einem gemeinsamen Team-Event in Präsenz arbeite man deutlich besser zusammen. "Ich sehe die Gefahr, gerade bei neuen Kollegen, dass diese sich emotional nicht so stark an die Firmen binden", sagte Schick. "Waren früher etwa alle Reisen unnötig?", fragte Schick. "Manche vielleicht, aber alle sicher nicht."

SAP legt Quartalszahlen vor

Am morgigen Dienstag will Europas größter Softwarehersteller seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegen. Noch dürfte die verstärkte Ausrichtung auf Software zur Nutzung über das Netz (Cloud) die Ergebnisse belasten. Vorstandschef Christian Klein hat den Anlegern aber versprochen, dass es im kommenden Jahr dafür um so schwungvoller nach oben geht mit den Gewinnen. Laut Finanzchef Luka Mucic soll im dritten Quartal der Tiefpunkt bei der Ergebnisentwicklung erreicht sein.

Denn in den Monaten Juli und September hatte SAP noch Investitionen in die Cloud-Technik eingeplant, die das Ergebnis belasten. Im vierten Quartal soll das operative Ergebnis dann wieder zulegen. Im kommenden Jahr und im Jahr 2024 sind dann jeweils prozentual zweistellige Ergebniszuwächse angekündigt.

Für das laufende Jahr ist allerdings noch ein Rückgang des um Sondereffekte bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 4 bis 8 Prozent einkalkuliert, wenn Wechselkurseffekte ausgeklammert werden. Die dürften allerdings beachtlich ausfallen, weswegen es wohl in berichteten Zahlen nicht ganz so dicke kommt. Zuletzt erwartete SAP beim operativen Ergebnis bis zu 4,5 Prozentpunkte Rückenwind vom schwachen Euro.

Bei den Sondereffekten rechnet SAP mit 620 bis 720 Millionen Euro Kosten für Zukäufe. Bei den anteilsbasierten Vergütungsprogrammen für die Mitarbeiter sind Aufwendungen zwischen 2,5 und 2,7 Milliarden Euro zu erwarten. Für den Konzernumbau sind 130 bis 150 Millionen Euro veranschlagt. Zusammengenommen könnten also bis zu knapp 3,6 Milliarden Euro an Sonderkosten zusammenkommen.

Schwacher Euro hilft – Prognose könnte erhöht werden

Bei den Kunden will SAP aber auch dieses Jahr weiter punkten. So soll der Cloud-Umsatz um währungsbereinigt 23 bis 26 Prozent zulegen. Inklusive der Lizenzumsätze für Software zur Installation vor Ort dürften es aber nur 4 bis 6 Prozent Wachstum sein – sprich: Lizenzsoftware ist weiter auf dem absteigenden Ast. Der freie Barmittelzufluss (Free Cashflow) soll über 4,5 Milliarden Euro betragen, nach gut 5 Milliarden im Vorjahr. Die Steuerquote dürften zwischen 34 und 38 Prozent liegen.

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2025 hatte SAP sich bisher einen Umsatz von über 36 Milliarden Euro vorgenommen, davon über 22 Milliarden aus dem Cloud-Geschäft. Das bereinigte operative Ergebnis soll dann mehr als 11,5 Milliarden Euro betragen. Da der Mittelfristausblick inklusive Währungseffekten formuliert ist und der schwache Euro aktuell ordentlich Schub verleiht, dürften die Ambitionen auch dank des fruchtenden Schwenks zu mehr Cloud bald erhöht werden, wie das Management in Aussicht gestellt hat.

cr/dpa-afx
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