Starkes zweites Quartal SAP kommt besser durch die Corona-Krise als erwartet

Im April hatte Christian Klein SAPs Prognosen noch zurechtstutzen müssen. Nun scheint der Konzern, den er erst seit wenigen Monaten allein führt, besser durch die Corona-Krise zu kommen als gedacht.
SAP Zentrale in Walldorf: Der Softwarekonzern will stärker in branchenspezifische Clouds investieren

SAP Zentrale in Walldorf: Der Softwarekonzern will stärker in branchenspezifische Clouds investieren

Foto: Dirk Sattler/ imago images/Dirk Sattler

Der Softwareriese SAP kommt besser durch die Corona-Krise als erwartet. Das Betriebsergebnis sei im zweiten Quartal währungsbereinigt um 7 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro geklettert, teilte der Walldorfer Dax-Konzern am Mittwochabend unter Berufung auf vorläufige Zahlen mit. "Unsere schnelle Reaktion auf die Krise auf der Kostenseite förderte einen starken Anstieg des Betriebsergebnisses und der Marge", sagte Finanzchef Luka Mucic (48). Um die Kosten zu zügeln, stellt SAP seit Beginn der Pandemie weniger neue Mitarbeiter ein und verzichtet auf Geschäftsreisen. Die am Aktienmarkt viel beachtete operative Marge kletterte um 1,6 Prozentpunkte auf 28,9 Prozent. SAP bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr. Analysten lobten die Zahlen, die Aktie zog vorbörslich deutlich an.

Im ersten Quartal hatte Europas größter Softwarehersteller die Krise noch so stark zu spüren bekommen, dass Mucic und Vorstandschef Christian Klein (40) die Prognosen hatten stutzen müssen. Das Neugeschäft sei nahezu zum Erliegen gekommen, teilte SAP damals mit. Dank der breit gefächerten und über die Welt verteilten Kunden sowie des immer wichtiger werdenden Cloudgeschäfts sei das zweite Quartal "gut bewältigt" worden, sagte Mucic. Der zunehmende Verkauf von flexibleren Web-Abos, die in der Regel monatlich bezahlt werden und nicht einmalig, macht SAP konjunkturunabhängiger. Während die Clouderlöse von April bis Juni um 18 Prozent zulegten, gab das traditionelle Softwarelizenzgeschäft um 18 Prozent nach. Am Ende reichte es zu einem leichten Plus des Gesamtumsatzes um ein Prozent auf 6,74 Milliarden Euro, Experten hatten mehrheitlich mit einem Rückgang gerechnet.

Auf der Handelsplattform Tradegate legte der Kurs der SAP-Aktien um etwas mehr als drei Prozent auf 133 Euro zu. Sollte das Niveau auch im Xetra-Handel erreicht werden, würde das Papier das erst am Montag erreichte Rekordhoch von 130,80 Euro übertreffen. SAP ist mit einer Marktkapitalisierung von knapp 160 Milliarden Euro das mit Abstand wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. In diesem Jahr zog der Aktienkurs trotz des Corona-Crashs auf Xetra-Basis bereits um sieben Prozent an. Seit Sommer 2015 hat sich der Kurs in etwa verdoppelt.

US-Rivale Oracle beschrieb zuletzt größere Probleme: "Im Verlauf des Quartals haben wir einen Rückgang bei den Deals erlebt, vor allem in den Industrien, die von der Pandemie besonders betroffen sind", sagte Firmenchefin Safra Catz (58) über das Ende Mai abgelaufene Quartal. Um gestärkt aus der Krise hervorzugehen, will SAPs Firmenchef Klein weiterhin in Wachstumsmotoren investieren. Beispielsweise in die branchenspezifische Cloud, sagte Klein, der das Unternehmen nach dem Abgang von Co-Chefin Jennifer Morgan (49) erst seit wenigen Monaten allein führt. Nach dem Ende der Doppelspitze will er SAP zu alten Tugenden führen und inszeniert sich als Ziehsohn der Gründerväter. 

Welche Richtung SAP in Zukunft einschlägt, wird künftig auch der neu berufene Unternehmensentwicklungs- und Strategiechef Anuj Kapur mitbestimmen. Der frühere Cisco-Manager solle helfen, Trends frühzeitig zu erkennen, sagte Klein. Kapur hatte fünfzehn Jahre lang für Cisco gearbeitet, zuletzt als Strategiechef. Weitere Details zum abgelaufenen Quartal will SAP am 27. Juli bekannt geben.

luk/Reuters, dpa
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