Spezialist für Prozessoptimierung SAP kauft Berliner Start-up Signavio

Das Start-up Signavio ist auf die Optimierung von Geschäftsprozessen in Unternehmen spezialisiert - ein Feld, das auch der Softwareriese SAP beackert. Zur Verstärkung hat sich der Dax-Konzern Signavio nun einverleibt.
Ende der Eigenständigkeit: Das Start-up Signavio - hier die Gründer des Unternehmens - wechselt unter das Dach von SAP

Ende der Eigenständigkeit: Das Start-up Signavio - hier die Gründer des Unternehmens - wechselt unter das Dach von SAP

Foto: Signavio

Europas größter Softwarehersteller SAP will mit dem Kauf des Berliner Start-ups Signavio sein Profil schärfen. Die Übernahme des auf Geschäftsprozessverbesserung spezialisierten Unternehmens soll noch im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden, wie das Dax-Schwergewicht am Mittwoch mitteilte.

In der heutigen dynamischen Geschäftswelt bräuchten Unternehmen die Fähigkeit, sich schnell an wandelnde Gegebenheiten anzupassen, sagte SAP-Finanzchef Luka Mucic (49). Mit Signavio könne SAP ein umfassendes Paket für den Wandel in Unternehmen bereitstellen, hieß es vom Unternehmen. Finanzielle Details wollten die Unternehmen nicht nennen.

Der Finanzinformationsdienst Bloomberg schätzte den Kaufpreis von Signavio indes am Montag auf bis zu eine Milliarde Euro . Die elf Jahre alte Techfirma setzte laut jüngsten Zahlen im Bundesanzeiger 2019 rund 29 Millionen Euro um und schrieb einen Verlust von rund 20 Millionen Euro. Gründer und Geschäftsführer Gero Decker (38) hielt zuletzt rund 15 Prozent an Signavio, die Co-Gründer Willi Tscheschner (37) und Nicolas Peters (37) je rund 9 Prozent.

Die SAP-Aktie  kletterte nach der Bekanntgabe am Nachmittag leicht ins Plus, bei Börsenschluss stand das Papier jedoch 0,31 Prozent im Minus bei 109,64 Euro.

Es gehört zur Strategie von SAP-Chef Christian Klein (40), den Konzern mit seinen vielen Angeboten stärker auf die Bedürfnisse der Kunden zu trimmen. Ein zentraler Bestandteil davon ist die Stärkung der Angebote zur Verbesserung von Geschäftsprozessen. Signavio ist auf diesen Bereich ausgerichtet und bietet Software an für das Prozess- und Entscheidungsmanagement zur Nutzung aus dem Internet über die Cloud. Die Software von Signavio soll Schwachstellen in Arbeitsabläufen aufdecken und beseitigen helfen.

Zu den Investoren der Berliner zählen der Finanzinvestor Apax Partners und die Deutsche Telekom mit der Beteiligungsfirma Deutsche Telekom Capital Partners (DTCP). Signavio hat seinen Sitz in Berlin und zählte zuletzt mehr als 200 Mitarbeiter. Das Unternehmen sieht sich als führend im Bereich der besseren Planung von Geschäftsprozessen. Rivale auf dem Gebiet ist unter anderem der Münchener Anbieter Celonis.

So passt Signavio in SAPs Konzernstrategie

Hintergrund: SAP will den bisher schleppenden Wechsel seiner Kunden in die Cloud und zum Flaggschiffprodukt S4/Hana mit einem neuen Rundum-Angebot ankurbeln. "Wir bündeln alles, was Unternehmen benötigen, um eine ganzheitliche Transformation des Geschäfts zu erreichen", sagte Firmenchef Klein zu Journalisten vor einer SAP-Veranstaltung am Mittwoch. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht." Um dabei auch die Echtzeitanalyse von Geschäftsprozessen anbieten zu können, erwarb der Walldorfer Dax-Konzern den Berliner Softwarespezialisten Signavio.

SAP bettet das neu gekaufte Unternehmen in ein neues Bündelangebot für die eigenen Kunden ein. Dieses soll auch den Umstieg von fest vor Ort installierter Software auf die Nutzung netzbasierter Cloud-Angebote erleichtern. Das neue Produkt unter dem Namen "Rise with SAP" soll verschiedene Angebote besser miteinander verzahnen. Kernelemente sind unter anderem Anwendungen zur Analyse von Unternehmensabläufen und die SAP-Kernbetriebssoftware S4/Hana.

Für Übernahmen hat SAP in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als zehn Milliarden Dollar ausgegeben. Größter Zukauf war das US-Unternehmen Qualtrics mit einem Preis von rund acht Milliarden Dollar. Qualtrics bereitet gegenwärtig wiederum einen Börsengang an der Wall Street vor, bei dem eine deutlich höhere Unternehmensbewertung im Raum steht.

Ex-SAP-CEO Bill McDermott (59) hatte in seiner Amtszeit auf strategische Übernahmen gesetzt, allerdings deren Integration vernachlässigt. Neu-Vorstandschef Christian Klein konzentriert sich jetzt wieder auf den Kern des Konzerns, bringt Qualtrics mit vermutlich satter Wertsteigerung in wenigen Tagen an die Börse, um die Tochter wieder unabhängiger zu machen.

cr, kyr/dpa-afx, Reuters