Drittes Quartal SAP-Gewinn fällt erneut

Trotz steigender Konzernumsätze vermeldet SAP einen Einbruch beim Gewinn. Während das Cloud-Geschäft weiter wächst, belastet die Wagniskapital-Sparte Sapphire Ventures das Ergebnis.
Erkennt einen Wendepunkt: SAP-Vorstandschef Christian Klein

Erkennt einen Wendepunkt: SAP-Vorstandschef Christian Klein

Foto: Ralph Orlowski/ REUTERS

Europas größtes Softwarehaus kann steigende Umsätze nicht in höhere Gewinne ummünzen. Der Betriebsgewinn sei im dritten Quartal währungsbereinigt um 8 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gefallen, teilte SAP am Dienstag mit. Grund hierfür seien geringere Beiträge aus Softwarelizenzen sowie höhere Ausgaben in Forschung und Entwicklung sowie Marketing. Das Ergebnis je Aktie sei um 36 Prozent auf 1,12 Euro eingebrochen. Hier belaste das schwächere Finanzergebnis der Wagniskapital-Sparte Sapphire Ventures. Die SAP-Aktien  legten zunächst um knapp 2 Prozent zu.

Das Management hatte zuvor bereits angedeutet, dass Investitionen auf den Ergebnissen lasten würden. Vorstandschef Christian Klein (42) sprach in einer Telefonkonferenz jedoch von einem Wendepunkt – das vierte Quartal dürfte demnach schon deutlich besser ausfallen.

Der Konzernumsatz legte dagegen wie im Vorquartal um 5 Prozent auf 7,84 Milliarden Euro zu. Treiber war erneut das zukunftsträchtige Cloud-Geschäft, das währungsbereinigt ein Plus von 25 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro verzeichnete. Das Wachstum werde sich 2023 noch beschleunigen, prognostizierte der scheidende SAP-Finanzchef Luka Mucic (51). Dann werde auch das Betriebsergebnis zweistellig zulegen.

Refinitiv-Daten zufolge hatten Analysten im Schnitt mit einem Umsatz von 7,62 Milliarden Euro und einem Gewinn von 1,25 Euro im dritten Quartal gerechnet. Wegen eines rückläufigen operativen Gewinns hatte das Unternehmen seine Gesamtjahresziele im Juli bereits heruntergeschraubt.

Problematischer Russland-Ausstieg

Für den sich verzögernden Ausstieg aus dem Russland-Geschäft machte Finanzchef Mucic am Dienstag in einer Telefonkonferenz rechtliche Anforderungen verantwortlich, die gegenüber Kunden und Beschäftigten bestünden. Einen neuen Zeitpunkt, zu dem die Aktivitäten in Russland komplett beendet sein sollen, habe das Unternehmen derzeit nicht im Visier.

Gegenwärtig beschäftigen die Walldorfer in Russland laut dem Manager noch rund 600 Mitarbeiter, ursprünglich waren es 1250. Zum Ende des Jahres dürften es noch rund 100 Beschäftigte sein. "Das Geschäft an Dritte abzugeben, ist schwierig und aktuell nicht machbar", sagte Mucic. Im April hatte SAP nach Vorwürfen des Zauderns angekündigt, sich wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine komplett aus Russland sowie Belarus zurückzuziehen und damit auch die Verträge von Bestandskunden zu beenden. Im Juli hatte Mucic in Aussicht gestellt, dass dies bis Jahresende passieren soll.

hr/Reuters, dpa
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