SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat noch lange nicht genug

SAP-Chefaufseher Hasso Plattner will sich 2022 zur Wiederwahl stellen. Gerade jetzt benötige der Konzern "Stabilität und Kontinuität", meint der 77-jährige Mitgründer und Großaktionär. Aktionäre fordern auf der Hauptversammlung einen Generationenwechsel und kritisieren Plattners Machtfülle.
Hasso Plattner: Will zur "gegebenen Zeit" über seine Nachfolge informieren

Hasso Plattner: Will zur "gegebenen Zeit" über seine Nachfolge informieren

Foto: Soeren Stache / DPA

SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner will noch länger die Fäden bei dem Softwareriesen in der Hand halten. "Ich werde im Jahr 2022 - wenn meine aktuelle verkürzte Wahlperiode ausläuft - noch ein letztes Mal zur Wiederwahl für zwei weitere Jahre antreten", sagte der 77-Jährige am Mittwoch auf der virtuellen Hauptversammlung des Walldorfer Dax-Konzerns. Damit strebe er lediglich eine volle Amtsperiode von fünf Jahren an.

Plattner, der das Aktionärstreffen wegen der Corona-Krise aus seiner Wahlheimat Kalifornien verfolgte, ist als letzter der Gründer noch bei dem inzwischen 49 Jahre alten Unternehmen tätig. Zuletzt forderten immer mehr Aktionäre eine Nachfolgeregelung für Plattner und kritisierten seine Machtfülle. So sagte Markus Golinski von Union Investment, der Aufsichtsratsvorsitz müsse "in jüngere Hände" gegeben werden. Firmenchef Christian Klein (40) benötige jemanden, der ihn über die ganze Übergangsphase begleiten könne. Dieses Argument wollte Plattner nicht gelten lassen und erklärte, gerade jetzt benötige SAP "Stabilität und Kontinuität". Er wolle Unruhe durch einen weiteren Führungswechsel vermeiden, sagte Plattner, der bis 2003 Vorstandschef des Walldorfer Konzerns war und seither Vorsitzender des Aufsichtsrats ist.

Kritik kommt an der Person Plattner in seiner Funktion als Chefaufseher auch im Kontext mit seiner gleichnamigen Stiftung auf. Sie ist ist nach Berichten des "Handelsblatt"  und der "Financial Times"  als "passiver Co-Investor" in einem Joint-Venture mit der Beteiligungsgesellschaft Dediq engagiert. Dort will SAP das Geschäft mit Software für Finanzdienstleistungen auslagern. SAP hatte das Engagement der Stiftung zunächst nicht offengelegt. Der Konzern betonte den Berichten zufolge, die Stiftung unterstütze das Joint Venture finanziell, übe aber keine Kontrolle aus. Plattner persönlich sei kein Investor beim Joint Venture und habe sich auch nicht an der Investitionsentscheidung beteiligt. Die Höhe der Beteiligung ist unbekannt.

Ingo Speich, Leiter des Bereichs Corporate Governance bei der Fondsgesellschaft Deka kritisierte: Auch wenn er gegen die Transaktion generell nichts einzuwenden habe, hätte SAP hier mehr Transparenz walten lassen müssen. "Dazu müssen alle Verbindungen zwischen SAP und dem Joint Venture transparent dargestellt werden und die Geschäfte müssen zu Marktpreisen erfolgen", forderte er den Berichten zufolge und kritisierte ebenso wie Golinski von Union Investment den "immensen Einfluss" und die "Machtkonzentration" Plattners.

Plattner holt weiteren Vertrauten in Aufsichtsrat

Plattner hatte SAP 1972 zusammen mit vier anderen IT-Spezialisten gegründet - darunter Mäzen Dietmar Hopp (81). Über konkrete Details zu seiner Nachfolge will der 77-Jährige zur "gegebenen Zeit" informieren, betonte aber - ohne konkret zu werden - "Weichenstellungen" seien bereits vorgenommen worden. Er gehe derzeit davon aus, spätestens ein halbes Jahr vor der Hauptversammlung 2024 mehr sagen zu können. Aufsichtsrätin Friederike Rotsch, die das Aktionärstreffen anstelle von Plattner leitete, verteidigte die erneute Kandidatur: "Er ist nicht wegzudenken und ohne ihn gäbe es dieses außerordentlich erfolgreiche Unternehmen nicht." Bevor Plattner endgültig SAP verlässt, holt er mit Rouven Westphal noch einen Vertrauten in den Aufsichtsrat. Westphal ist Geschäftsführer der HPC Deutschland, die Plattners privates Vermögen einschließlich seines SAP-Anteilsbesitzes verwaltet. Plattner hält an SAP eine Beteiligung von rund sechs Prozent im Gesamtwert von etwa acht Milliarden Euro.

Akquisitionen spielen inzwischen "untergeordnete" Rolle

SAP befindet sich gerade mitten in der Transformation zu einem reinen Cloud-Anbieter und nimmt dafür vorübergehend schwächere Ergebnisse in Kauf. Doch auch aus anderen Gründen ist das Fahrwasser, in dem SAP seit der letzten Hauptversammlung steuert, recht unruhig. Nach SAP-Urgestein Michael Kleinemeier (62), Personalchef Stefan Ries, der zwischenzeitlichen Co-Chefin Jennifer Morgan (50) verließ zum Jahresbeginn auch Adaire Fox-Martin (57) den Vorstand.

Finanzchef Luka Mucic (49) - eine der wenigen Konstanten in der Führungsriege - sagte: "2020 war in mehrfacher Hinsicht ein Wendepunkt für SAP." Der Konzern habe sich "proaktiv" den Herausforderungen gestellt. Die Prognosesenkung der Walldorfer im vergangenen Oktober in Folge der Neuausrichtung hatte die SAP-Aktie einbrechen lassen, die sich nur schrittweise erholt. Klein versicherte, die Cloud-Erlöse würden nun deutlich steigen und das Plus sich dann ab 2023 noch mal beschleunigen.

Einen Schlussstrich will Klein unter die Zeit der Megaübernahmen wie den acht Milliarden Dollar schweren Kauf des US-Datenanalysekonzerns Qualtrics ziehen, den SAP erst dieses Jahr an die Börse brachte. Akquisitionen spielten inzwischen eine "untergeordnete" Rolle, sagte Klein.

rei/Reuters