Softwarekonzern in Not SAP senkt nach Gewinneinbruch die Ziele

Kriegskosten und ein schwaches Lizenzgeschäft belasten den Softwarekonzern im zweiten Quartal. SAP-Chef Christian Klein, der auch intern unter Druck steht, kürzt die Prognose.
Mieses Quartal, schlechte Stimmung: SAP-Chef Christian Klein kämpft derzeit an mehreren Fronten

Mieses Quartal, schlechte Stimmung: SAP-Chef Christian Klein kämpft derzeit an mehreren Fronten

Foto: Uwe Anspach / dpa

Europas größter Softwarehersteller SAP hat im zweiten Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang wegen Kosten in der Ukraine und einem schwachen Lizenzgeschäft verzeichnet. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank im Vorjahresvergleich um 13 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro, wie das Dax-Schwergewicht am Donnerstag in Walldorf mitteilte. Dabei schlug die Aufgabe von Geschäften in Russland und Belarus mit 160 Millionen Euro zu Buche.

Der Gewinn unter dem Strich sackte gar um 86 Prozent auf 203 Millionen Euro zusammen, vor allem weil die Beteiligungen an Start-ups bei Weitem nicht so erfolgreich waren wie vor einem Jahr. Die Aktie  verlor zuletzt rund 2,6 Prozent.

Für das Gesamtjahr strich das Management um Chef Christian Klein (42) beim operativen Ergebnis auch die Prognose zusammen. Das Unternehmen rechnet für das Gesamtjahr nun nur noch mit einem Ergebnis von 7,6 bis 7,9 Milliarden Euro, statt wie bisher 7,8 bis 8,25 Milliarden Euro. Hier schlage der Rückzug als Russland und Belarus mit etwa 350 Millionen Euro negativ zu Buche.

Auch intern läuft es derzeit nicht so gut für Klein. Der CEO kämpft derzeit mit dem Abgang von wichtigen Führungskräften . In den oberen Leitungszirkeln sind viele genervt vom Chef und seinem Führungsstil.

Weiterer Aktienrückkauf angekündigt

Die Umsätze legten im zweiten Quartal dagegen zu, vor allem im wichtigen Cloud-Geschäft. Sie stiegen währungsbereinigt um etwa ein Viertel auf 3,06 Milliarden Euro. Ähnlich stark schwoll der Auftragsbestand in diesem Bereich an, der ein Volumen von 10,4 Milliarden Euro erreichte. Die Gesamterlöse legten um 5 Prozent auf 7,52 Milliarden Euro zu und übertrafen die Analystenerwartungen von im Schnitt 7,32 Milliarden Euro. "Unsere Umstellung auf das Cloudgeschäft verläuft schneller als geplant und wir haben die Umsatzerwartungen übertroffen", sagte Firmenchef Klein. "Die Clouderlöse sind nun zum größten Umsatzstrom geworden."

Der Softwarekonzern SAP hat zudem angekündigt, weitere Aktien am Markt zurückkaufen. Nach dem Abschluss eines vorhergehenden Programms über knapp eine Milliarde Euro in diesem Jahr will das Unternehmen noch einmal bis zu 500 Millionen Euro ausgeben, um Papiere vor allem für anteilsbasierte Vergütungsprogramme der Mitarbeiter zu erwerben. Finanzchef Luka Mucic sagte in einer Telefonkonferenz, der Konzern wolle das noch immer niedrige Kursniveau nutzen. Das neue Programm soll von Anfang August bis Ende Dezember laufen. Im Jahr 2020 hatte SAP für rund 1,5 Milliarden Euro Aktien zurückgekauft.

mg/dpa-afx, Reuters
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