Aktivistischer Investor Paul Singer steigt bei SAP-Rivalen Salesforce ein

Langsameres Wachstum, halbierte Bewertung: Der Softwarekonzern Salesforce steht erheblich unter Druck. Der aktivistische Investor Paul Singer will Veränderungen herbeiführen und hat mehrere Milliarden Dollar investiert.
Bekannt für seine Einmischung: Der US-Milliardär Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott

Bekannt für seine Einmischung: Der US-Milliardär Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott

Foto: Spada / LaPress / IMAGO

Der US-Hedgefonds Elliott hat ein großes Aktienpaket des SAP-Rivalen Salesforce erworben. Die Beteiligungsfirma des aktivistischen Investors Paul Singer (78) sei mit mehreren Milliarden US-Dollar bei dem unter Druck stehenden Softwarespezialisten aus San Francisco eingestiegen, berichten die Nachrichtenagentur Bloomberg  und die Zeitung "Financial Times " übereinstimmend am Montag unter Berufung auf informierte Personen. Zuvor hatte bereits das "Wall Street Journal " ("WSJ") über das Engagement von Elliott bei den Kaliforniern berichtet.

Damit beteiligt sich nach Starboard Value, der im Oktober 2022 eingestiegen war, ein weiterer aktivistischer Investor an dem Softwarekonzern. "Wir freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Salesforce, um den Wert zu realisieren, der einem Unternehmen seiner Größe angemessen ist", sagte Jesse Cohn, geschäftsführender Partner bei Elliott, dem "WSJ".

Singer ist für sein Pochen auf hohe Renditen und seine Einmischung ins Management bekannt. Zuletzt hatte der US-Milliardär den Chemie- und Pharmakonzern Bayer zur Aufspaltung aufgefordert, er mischt aber auch bei Paypal oder Pinterest mit. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Singers Hedgefonds eine Rekordsumme von 13 Milliarden Dollar.

Salesforce-Aktie um die Hälfte eingebrochen

Marc Benioff (58), Mitgründer und derzeitiger Co-Chef von Salesforce, steht seit Monaten unter Druck, die Kosten zu senken und die Profitabilität zu steigern. Der Softwarekonzern leidet darunter, dass Unternehmen, die sich während der Pandemie auf Cloud-Dienste verlassen haben, nun ihre Softwareausgaben kürzen oder Projekte verschieben. Die Umsätze von Salesforce wachsen seit nunmehr vier Quartalen deutlich langsamer. Im dritten Quartal stiegen die Erlöse nur noch um 14 Prozent auf 7,84 Milliarden Dollar – im Vorjahreszeitraum gab es noch ein Wachstum von satten 27 Prozent.

Zudem hat das Unternehmen mit Abgängen in der Führungsetage zu kämpfen, sowohl Co-CEO Bret Taylor als auch Slack-Chef Stewart Butterfield wollen das Unternehmen verlassen. Benioff soll dann wieder die alleinige Führung des Konzerns übernehmen.

Die Salesforce-Aktie büßte im vergangenen Jahr rund die Hälfte ihres Wertes ein. Die Marktkapitalisierung betrug zuletzt gut 151 Milliarden US-Dollar (139 Milliarden Euro). Im Jahr 2021 lag die Bewertung noch bei 300 Milliarden Dollar. Im vorbörslichen Handel legte das Papier um knapp 4 Prozent auf 157 Dollar zu.

Rund 10 Prozent der Stellen werden gestrichen

Anfang Januar hatte Salesforce deshalb eine große Entlassungsrunde angekündigt, um die Kosten zu drücken. Der Konzern will etwa jede zehnte Stelle streichen, das sind rund 7350 Arbeitsplätze. Das Unternehmen reihte sich mit der Ankündigung in die große Entlassungswelle der US-Techkonzerne ein, auch Amazon, Microsoft, die Google-Holding Alphabet, die Facebook- und Instagram-Mutter Meta und Twitter haben einen Stellenabbau angekündigt. In den vergangenen vier Jahren hatte Salesforce die Zahl seiner Mitarbeitenden mehr als verdoppelt.

Elliott hatte sich vor einigen Jahren auch für einige Zeit bei SAP eingekauft, mit einem Investment über 1,2 Milliarden Euro. Damals kündigte der ehemalige Chef Bill McDermott (61) eine mehrjährige Erholung der operativen Marge bei den Walldorfern an. Bevor der neue Chef Christian Klein (42) die Ziele McDermotts letztlich wieder kassierte, war Elliott wieder ausgestiegen.

mg mit Material von dpa-afx
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