Tochter senkt Prognose RTL bereitet Bertelsmann-Chef Rabe wenig Freude

Die Bertelsmann-Tochter RTL bekommt die schwachen Werbemärkte zu spüren und senkt die Prognose. Trotz der schwächelnden Tochter sieht Vorstandschef Thomas Rabe den Konzern insgesamt auf Kurs.
"Das schwierige Umfeld auf den Werbemärkten wird sich fortsetzen": Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

"Das schwierige Umfeld auf den Werbemärkten wird sich fortsetzen": Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Flaute auf dem deutschen TV-Werbemarkt macht auch dem Medienkonzern RTL zu schaffen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) werde in diesem Jahr auf 1,05 (Vorjahr; 1,15) Milliarden Euro sinken und damit am unteren Ende der im August zurückgeschraubten Erwartungen liegen, teilte die Bertelsmann-Tochter am Freitag mit. Der Umsatz werde mit 7,2 Milliarden Euro noch unter den 7,3 bis 7,5 (2021: 6,6) Milliarden liegen, die RTL zuletzt in Aussicht gestellt hatte. Hauptgrund dafür seien zeitliche Verschiebungen bei der Filmproduktions-Tochter Fremantle. Ohne die Zukäufe von Fremantle würde das Geschäft kaum noch wachsen.

Auch der deutsche Konkurrent ProSiebenSat.1 hatte vor Kurzem seine Prognosen für 2022 wegen der schwachen Konsumstimmung eingedampft.

Mehr Umsatz, aber weniger Erlöse mit TV-Werbung

In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz von RTL – vor allem dank Zukäufen bei Fremantle – um 12 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro, allein im dritten Quartal legte er um knapp 19 Prozent zu. Die Umsätze mit Fernsehwerbung lagen von Januar bis September aber um 1,3 Prozent unter Vorjahr. Sie machen rund 40 Prozent des Konzernumsatzes aus. Vor allem in Deutschland halten sich die Werbekunden stark zurück.

Vorstandschef Thomas Rabe (57), der auch den Mutterkonzern Bertelsmann führt, sprach angesichts dessen von "soliden" Ergebnissen. "Mit Blick auf das vierte Quartal gehen wir davon aus, dass sich das schwierige Umfeld auf den Werbemärkten, vor allem in Deutschland, fortsetzen wird." Trotzdem werde RTL die bereinigte Gewinnprognose erreichen. Zum Ergebnis nach neun Monaten äußert sich RTL nicht.

Streamingdienste von RTL+ sollen 2026 profitabel sein

Das Geschäft mit den Streamingdiensten RTL+ in Deutschland und Videoland in den Niederlanden zieht zwar kräftig an. RTL rechnet dabei aber in diesem Jahr mit höheren Anlaufverlusten von 250 (166) Millionen Euro. Bis 2026 sollen die Streamingdienste, mit denen RTL den Branchenriesen wie Netflix Paroli bieten will, profitabel sein.

RTL ist in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich mit eigenen Sendern vertreten. Pläne, die französische M6 mit dem Konkurrenten TF1 zu fusionieren, waren kürzlich am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert. Rabe erklärte daraufhin, den Verkauf von M6 zu prüfen. Noch in diesem Jahr steht auch die Entscheidung der niederländischen Behörden über den schon 2021 vereinbarten Zusammenschluss von RTL Nederland mit dem Talpa Network des Produzenten John de Mol an.

Trotz RTL-Schwäche – Rabe sieht Bertelsmann auf Kurs

Bertelsmann sieht sich trotz der Schwäche bei RTL auf Kurs, in diesem Jahr erstmals auf mehr als 20 (18,7) Milliarden Euro Umsatz zu kommen. "Wir rechnen für das Gesamtjahr 2022 nunmehr mit einem starken Umsatzanstieg", sagte Finanzvorstand Rolf Hellermann (46). Von Januar bis September legte der Umsatz um zehn Prozent auf 14,4 Milliarden Euro zu - "insgesamt erfreulich" bewerte Bertelsmann-Chef Rabe die Entwicklung. Die Hälfte des Wachstums sei auf Zukäufe zurückzuführen. Neben Fremantle hätten sich vor allem der Musikrechtevermarkter BMG und die Dienstleistungssparte Arvato gut entwickelt.

rei/Reuters
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