Bafin stimmt Mindestpreis zu Samwer-Brüder dürfen Rocket-Aktionäre zum Tiefpreis herausdrängen

Für 42,50 Euro je Aktie war Rocket Internet an die Börse gegangen - nun drängt Oliver Samwer Anleger heraus und zahlt ihnen nicht einmal die Hälfte. Die Finanzaufsicht stimmt dem dreisten Manöver zu - trotz Protesten von Aktionären.
Oliver Samwer: Aktien-Rückkauf zum Tiefpreis - und ein letzter Tiefschlag für die Rocket-Aktionäre

Oliver Samwer: Aktien-Rückkauf zum Tiefpreis - und ein letzter Tiefschlag für die Rocket-Aktionäre

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Oliver Samwer darf Rocket Internet zum Tiefpreis von der Börse nehmen: Der Preis, den die Samwer-Brüder den verbliebenen Aktionären zu zahlen bereit sind, beträgt zwar weniger als die Hälfte des Ausgabepreises, ist nach Ansicht der Finanzaufsicht Bafin aber nicht zu gering. Der Preis von 18,57 Euro je Aktie entspreche dem gesetzlichen Mindestpreis, für den der volumengewichtete Durchschnittskurs der letzten sechs Monate relevant sei, teilte Rocket Internet mit Verweis auf eine Stellungnahme der Finanzaufsicht mit. Folglich wird Rocket den angebotenen Preis nicht erhöhen, teilten die Berliner mit.

Aktionärsschützer empört: "Samwer zieht Anleger wieder einmal über den Tisch"

Hinter Rocket Internet stehen die Gründer und Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer. Der MDax-Konzern hatte vor neun Tagen angekündigt, den Aktionären ihre Papiere zu je 18,57 Euro abkaufen und Rocket Internet von der Börse nehmen zu wollen. Aktionäre der ersten Stunde, die den Gründern von Rocket Internet vertraut und Aktien zum Preis von 42,50 Euro gezeichnet hatten, verlieren damit mehr als die Hälfte ihres Geldes. Die Samwer-Brüder dagegen machten Kasse und waren durch den Börsengang unter die reichsten Deutschen aufgestiegen .

"Das ist eine bodenlose Frechheit. Samwer hinterlässt in Deutschland verbrannte Erde. Das ist ein schwerer Schlag gegen die Aktienkultur in Deutschland", sagte Michael Kunert, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), gegenüber manager magazin. Die Aktionäre würden "eiskalt übers Ohr gehauen".

Die von den Samwer-Brüdern Marc, Oliver und Alexander gegründete Holding hatte zahlreiche deutsche Jungfirmen gegründet, entwickelt und dann selbst an die Börse gebracht. Zu den bekanntesten gehören der Online-Händler Zalando und das neue Dax-Mitglied Delivery Hero. Heute halten sie gemeinsam über ihre Global Founders GmbH noch 45,11 Prozent der Anteile, Oliver Samwer, der Vorstandschef ist, 4,53 Prozent. Das Kaufangebot von Rocket Internet schließt diese Aktienpakete nicht ein. Aktionärsschützer reagierten mit Empörung auf die Ankündigung: Samwer ziehe die Rocket-Aktionäre wieder einmal über den Tisch, hieß es.

Nach Informationen des manager magazins hatte Samwer die Transparenzpflichten der Börsennotierung zuletzt zunehmend als Last empfunden. Samwer selbst begründet den Schritt damit, dass er auch abseits der Börse ausreichend Zugang zu Kapital habe. 

Tatsächlich hatte Samwer seit längerem den Abschied von der Börse geplant - wie manager magazin mehrfach berichtet hatte . Der Grund: Rocket Internet hat sein Geschäftsmodell stark geändert. Anstatt eigene Unternehmen aufzubauen, agierte Rocket zuletzt eher wie ein klassischer Wagniskapitalgeber . Für einen solchen Fonds bringt eine Notierung an der Börse eher Nachteile. Denn Start-ups ist am besten damit gedient, Informationen über ihre Finanzierungsrunden nur sehr taktisch zu veröffentlichen. Ein börsennotiertes Vehikel wie Rocket ist aber an Berichtspflichten gebunden.

Samwer hatte Vertrauten erzählt, dass er fern der Börse ungestört als opportunistischer Investor agieren und also etwa auch in Immobilien oder größere Trends wie Gesundheit investieren könne. Wohlhabende Familien hätten ihm dafür Geld in Aussicht gestellt, dass er investieren könne. Offiziell heißt es bei Rocket: Der Börsenabgang erhöhe "die strategische und organisatorische Flexibilität des Unternehmens". Nach Informationen des manager magazins hatte sich Oliver Samwer schon vor längerem die Zustimmung des größten externen Aktionärs Baillie Gifford für das Delisting geholt.

Mehrheit bei Hauptversammlung am 24. September ist Samwer sicher

Der Beschluss zum Delisting soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. September gefasst werden. Da eine einfache Mehrheit hierfür genügt, dürfte der Beschluss dank der Stimmen von Samwer und der Global Founders GmbH eine Formalie sein. Am 24. September will Rocket Internet auch Einblick in den Geschäftsverlauf vom ersten Halbjahr geben. Nach diversen Beteiligungsverkäufen wie HelloFresh und Delivery Hero sind die bekanntesten Überbleibsel im Portfolio der Online-Möbelhändler Home24 sowie die Global Fashion Group. Die Finanzierung des Delistings dürfte für Rocket kein Problem sein: Die Marktkapitalisierung des Investors beträgt derzeit etwa 2,6 Milliarden Euro und liegt damit nur leicht über dem Kassenbestand von rund 2,5 Milliarden Euro Ende April.

la/dpa
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