Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" Wie will sich Xing gegen LinkedIn behaupten, Petra von Strombeck?

Fast gleichzeitig wurden sie gegründet, doch der Unterschied zwischen den Karrierenetzwerken Xing und LinkedIn ist gewaltig. Im Podcast spricht Xing-Chefin Petra von Strombeck über die Umwälzung, die sie ihrem Unternehmen verschrieben hat, und erklärt, wie ihre Firma wieder relevanter werden soll.

Es war ein denkbar schwieriger Start für Petra von Strombeck (52). Der Antritt als CEO bei ihrer bisher größten Firma, der New Work SE, fiel zusammen mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Nicht nur kannte sie viele der rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht. Sie stellte dazu noch die Geschäfte hinter der Karriere-Plattform Xing auf den Prüfstand.

"Ich hatte ungefähr acht Wochen Einarbeitung, bevor wir in den Lockdown gegangen sind", erinnert sich von Strombeck im Live-Podcast des manager magazins "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" auf dem St. Gallen Symposium. "Und dann fand alles aus meinem Wohnzimmer statt. Das war schon ein bisschen holprig, ehrlich gesagt."

Die Pandemie drückte noch aufs Geschäft: Events gab es lediglich noch digital und Kunden sparten beim Marketing. Auch der Wachstumstreiber, das Recruiting, litt, "weil die Firmen ganz andere Sorgen hatten. Die haben plötzlich Zeitarbeit organisiert und ganz sicher nicht mehr Recruiting. Der Impact auf das Geschäft und das Remote-Setup in der neuen Firma – das war herausfordernd."

Von Strombeck baute das Hamburger Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren ordentlich um: Zahlreiche Führungskräfte verließen die Firma , rund 100 Stellen wurden gestrichen, Entwickler modernisierten die Xing-App. Das sorgte auch für Unruhe.

"Es ist ja bei jeder Umstrukturierung so, dass man versuchen muss, die Menschen mitzunehmen. Und das gelingt nicht bei allen. Manche entscheiden unterwegs: Das geh ich nicht mit, das finde ich nicht sinnvoll, da habe ich keine Lust mehr drauf", sagt von Strombeck. Gerade in einem bis dato erfolgreichen Unternehmen mit starkem Wachstum sei eine Stagnation und Neuorientierung ein ganz anderer Modus. "Und natürlich gab es Leute, die die Entscheidung nicht gut fanden, die an den Geschäften hingen, die wir umstrukturiert haben. Aber das kann man deswegen nicht lassen."

Die Anstrengungen zeigen erste Erfolge: Der Umsatz stieg im vergangenen Geschäftsjahr 2021 wieder etwas stärker an, die Margen blieben stabil. Allerdings wird es nicht leicht, sich vom Platzhirsch LinkedIn  abzuheben. Der hat inzwischen im deutschsprachigen Raum fast so viele Mitglieder wie Xing und ist international Standard. Zahlreiche Dax-CEOs nutzen LinkedIn erfolgreich als ihr Sprachrohr. Während die Microsoft-Tochter zuletzt etwa acht Milliarden US-Dollar umsetzte, schaffte das nahezu gleich alte Unternehmen New Work 291 Millionen Euro.

"LinkedIn ist eine Marketingmaschine, wo es darum geht, Klicks und Likes zu erzeugen", findet von Strombeck. Sie will Xing anders positionieren. Um weiterzuwachsen und das neue Profil zu schärfen, investiert sie vor allem in die Recruiting-Lösungen. Die Vision: Xing soll Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringen und dafür sorgen, dass sie auch kulturell zusammenpassen. Konkret sollen Jobsuchende künftig etwa Fragebögen zur gewünschten Kultur ausfüllen. "Und wir haben Unmengen an Daten von unseren Usern." So sei man in der Lage, personalisierte Empfehlungen für nächste Karriereschritte zu geben, verspricht von Strombeck. "Auf ihre Bedürfnisse und ihre Lage zugeschnitten."

An der Börse spiegeln sich die Bemühungen bisher nicht wider. Seit dem Amtsantritt von Strombecks hat sich der Kurs etwa halbiert. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei rund 840 Millionen Euro – deutlich unter einer Milliarde also. Von Strombeck zeigt sich trotzdem optimistisch: "Wir haben wirklich ein irres Wachstumspotenzial." Allein der Recruiting-Markt umfasse vier bis fünf Milliarden Euro. "Da haben wir auf jeden Fall noch viel Luft nach oben."

Außerdem erklärt die CEO im Podcast, wie sie Talente im umkämpften Arbeitsmarkt halten will, welche Tools sie nutzt, damit das hybride Arbeiten auch funktioniert und wieso sie – entgegen des Trends – keine Internationalisierung ihres Unternehmens anstrebt.

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Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" informiert und diskutiert mm-Redakteurin Christina Kyriasoglou mit ihrem Kollegen Mark Böschen, welche Chancen die wichtigsten digitalen Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft wirklich haben, an die Weltspitze vorzustoßen. Sie können den Podcast über manager magazin sowie auf Spotify , Apple , Deezer und bei google abonnieren.