Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" Konzerne und Start-ups – wieso geht das so oft schief, Marie-Helene Ametsreiter?

Es hagelt Milliardenbewertungen für deutsche Start-ups. Doch obwohl die Industrie Treiber für Deutschland ist, entstehen dort kaum hoch bewertete Jungfirmen. Investorin Marie-Helene Ametsreiter spricht im Podcast über die Gründe und erklärt, wann Start-up-Konzern-Kooperationen scheitern.

Als Marie-Helene Ametsreiter (52) den Schritt aus der Konzernwelt heraus wagte, war sie vor allem frustriert von der Starre ihrer Umgebung. Rechts und links schlug die Disruption zu – viel dagegen hielt man nicht.

Als Topmanagerin erlebte Ametsreiter etwa in der Telekommunikationsbranche, wie sie von Gründungen wie Whatsapp ereilt wurde. "Wir haben versucht uns zu wehren, indem wir sie kopiert haben", sagt Ametsreiter. "Wir waren in gewisser Weise arrogant, aber auch gierig und hätten wahrscheinlich mit Beteiligungen und Kooperationen langfristig besser fahren können."

Ametsreiter ging dahin, wo sie Innovation vermutete: Ins Wagniscapital (Venture Capital), auch wenn sie davon zunächst keinen Schimmer hatte. Inzwischen ist sie seit sieben Jahren General Partner für den Industrie- und Klimatech-Sektor bei Speedinvest, das in junge Start-ups investiert.

Im manager-magazin-Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" spricht Ametsreiter über ihren Quereinstieg: Sie erklärt, was an dem Schritt schwierig war und worauf Speedinvest bei Gründerinnen und Gründern achtet ("Wir versuchen, Single Entrepreneurs zu meiden").

Obwohl die Industrie fester Pfeiler der deutschen Wirtschaft ist, finden sich da bisher wenige Start-ups mit nennenswertem Geschäft. "Die klassische Industrie ist auf der Digitalisierungskurve irgendwo im unteren Mittelfeld zu finden", sagt Ametsreiter. Nicht in jedem Bereich könnten Start-ups da schon einen Mehrwert leisten.

Darüber hinaus prallen in dem Sektor die Mentalitäten besonders hart aufeinander: Die der Konzerne und der jungen Start-ups, die darauf angewiesen sind, sich die Großen als Kunde, wenn nicht gar Kooperationspartner zu sichern. Gelungen sei das laut Ametsreiter etwa bei ihrer Beteiligung Schüttflix, einem Marktplatz für Schotter und Co., der Strabag als Gesellschafter und Kunden hat. Die erst drei Jahre alte Firma setzt inzwischen zehn Millionen Euro monatlich um.

Dabei verheben sich gerade Konzerne häufig  bei ihren Start-up-Investmentbemühungen. "Ich muss gewillt sein, mindestens 50 Millionen pro Jahr in Startups zu investieren", sagt Ametsreiter, "damit ich über die Zeit eine Streuung bekomme, die eine Chance hat, auch eine gute Rendite abzuwerfen."

Im Podcast erklärt Ametsreiter, wieso Strategen als Investoren in der Start-up-Branche oft nicht gern gesehen sind, wie die Zusammenarbeit besser klappen kann und was der steigende Wettbewerb um die guten Investitionen  unter den Wagniskapitalgebern bedeutet.

Als nächsten digitalen deutschen Hoffnungsträger wünscht sich Ametsreiter eine Gründerin. "Es ist ein Netzwerkgeschäft und die männlichen jungen Gründer recommenden wieder neue männliche junge Gründer." Auf der anderen Seite gebe es einen Bias auf Investorenseite. "Selbst als Investorin ganz im Unterbewusstsein traut man Männern nach wie vor mehr zu." Studien zeigten immer wieder, dass Gründerinnen mehr Fragen nach den Risiken und Gründern vor allem Fragen nach den Chancen ihres Unternehmens gestellt würden. Um das zu überkommen, "das bedarf eines ständigen Erinnerns und eines Trainings".

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Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" informiert und diskutiert mm-Redakteurin Christina Kyriasoglou mit ihrem Kollegen Mark Böschen, welche Chancen die wichtigsten digitalen Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft wirklich haben, an die Weltspitze vorzustoßen. Sie können den Podcast über manager magazin sowie auf Spotify , Apple , Deezer und bei Google abonnieren.