Rasantes Wachstum dank Corona Kapitalspritze macht Personaler-Start-up Personio zum Einhorn

Beim Personal-IT-Start-up Personio hat die Corona-Krise eine regelrechte Wachstumsexplosion aufgelöst. Eine neue Finanzierungsrunde zeigt: Die Unternehmensbewertung verdreifachte sich binnen eines Jahres.
"Rasante Beschleunigung der Digitalisierung": Personio-Chef Hanno Renner bekommt frische Investorengelder, die sein Start-up zum Einhorn machen

"Rasante Beschleunigung der Digitalisierung": Personio-Chef Hanno Renner bekommt frische Investorengelder, die sein Start-up zum Einhorn machen

Foto: PR

Gleich reihenweise melden junge Tech-Unternehmen in diesen Tagen den Erhalt frischer Investorengelder – und einen erheblichen Anstieg ihrer Bewertung. Jüngstes Beispiel: Das Münchener Unternehmen Personio, das kleinen und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 2000 Mitarbeitern IT-Lösungen für die Personalverwaltung anbietet. 125 Millionen Dollar haben Investoren jetzt in das Start-up gesteckt, womit dessen Bewertung eigenen Angaben zufolge auf 1,7 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) ansteigt.

Personio rückt damit in die Riege der sogenannten Einhörner auf, nicht börsennotierte Technologieunternehmen also, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. Weitere Beispiele dafür sind das Busreiseunternehmen Flixbus, das Münchener Softwarehaus Celonis oder die Online-Bank N26. Laut "FAZ " gibt es derzeit 15 solcher Einhörner in Deutschland.

In den vergangenen Tagen hatten andere Start-ups vergleichbare Finanzierungen vermeldet und das, obwohl es zuvor Befürchtungen gegeben hatte, durch die Corona-Krise würden die Investitionen in Jungunternehmen stark abfallen. So hat der Silicon-Valley-Investor TCV in die Kernbankensoftware des Berliner Unternehmens Mambu investiert und in den Anbieter von E-Commerce-Software Spryker aus Hamburg. Die Berliner Logistik-Jungfirma Sennder erhielt 140 Millionen Euro und wird seither ebenfalls mit mehr als einer Milliarde Euro sowie auch einer Milliarde Dollar bewertet.

Bemerkenswert ist bei Personio das Tempo, mit dem das Unternehmen zuletzt gewachsen ist. Noch vor rund einem Jahr kam das Start-up, das bisher insgesamt 250 Millionen Dollar von Investoren erhielt, auf einen Wert von etwa 500 Millionen Dollar - der Firmenwert wurde also binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht. Die Münchener gehören damit jetzt zu den wertvollsten europäischen Softwareunternehmen in privater Hand, heißt es in einer Mitteilung.

Unternehmen digitalisieren in Pandemie stärker

Wie von Personio zu erfahren ist, hängt die rasante Expansion vor allem mit der Corona-Krise zusammen, die dem Geschäft einen enormen Schub verliehen habe. Viele Unternehmen sehen sich in der Pandemie starkem Digitalisierungsdruck ausgesetzt. Der Umsatz, die Mitarbeiter- und die Kundenzahl hätten sich in den vergangenen Monaten jeweils verdoppelt, heißt es von Personio. Nachdem viele kleine und mittelständische Unternehmen zwischen März und Mai 2020 mit ihren Ausgaben noch zurückhaltend waren, seien Personalabteilungen das Thema Digitalisierung danach offensiv angegangen. Die Folge: Ab Juni habe es bei Personio beinahe monatlich neue Umsatzrekorde gegeben.

"2020 hat aufgezeigt, welche entscheidende Rolle HR-Teams spielen – gerade auch deshalb, da so viele von uns auch künftig vermehrt von Zuhause aus arbeiten werden", so Personio-Mitgründer und -Chef Hanno Renner (30).

Inzwischen beschäftigt Personio rund 550 Mitarbeiter an den Standorten München, Madrid, London und Dublin. Fast 3000 Kunden in mehr als 80 Ländern setzen die Personalsoftware des Start-ups ein. Genaue Angaben zum Umsatz macht Personio nicht. Das Unternehmen teilt mit, dass sich dieser "im zweistelligen Millionenbereich" bewege.

Angeführt wurde die aktuelle Finanzierungsrunde von Bestandsinvestor Index Ventures, der Software-Unternehmen wie Slack, Dropbox und Zendesk bis zum Börsengang begleitete. Auch die Personio-Gesellschafter Accel, Lightspeed Venture Partners, Northzone, Global Founders Capital und Picus waren bei der Finanzierung erneut dabei.

Neu unter den Geldgebern ist die US-amerikanische Private-Equity-Firma Meritech, auf deren Referenzliste sich namhafte IT-Firmen wie Salesforce, Datadog oder Snowflake befinden.

Erst vor etwa einem Jahr hatte Personio in einer Serie-C-Runde 75 Millionen Dollar bei Geldgebern eingesammelt, allen voran das US-Venture-Capital-Haus Accel. Der jetzigen Serie-D-Finanzierung stimmten die Personio-Macher um CEO Renner zu, obwohl noch ein Großteil des vorher erhaltenen Kapitals vorhanden ist.

Bleibt die Frage, was Personio mit dem Geld vorhat. Nach Angaben des Unternehmens will es seine cloudbasierte Software-Lösung weiterentwickeln. Gleichzeitig soll die Expansion in weitere europäische Länder beschleunigt werden, mit dem Ziel, Europas führender Anbieter für Personal-Betriebssysteme rund um die Themen Recruiting, Personalverwaltung und Lohnbuchhaltung für kleine und mittelständische Unternehmen zu werden.

cr/kyr
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