Marktmacht des Online-Zahlungsdiensts Bundeskartellamt nimmt Paypal ins Visier

Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen Paypal eingeleitet. Die Wettbewerbshüter prüfen, ob der Zahlungsdienst von Peter Thiel seine Marktmacht ausnutzt. Die Behörde hat den Verdacht, dass Paypal den Wettbewerb behindert.
Der Gründer: Paypal von Peter Thiel ist laut Kartellamt einer der teuersten Online-Zahlungsdienste in Deutschland

Der Gründer: Paypal von Peter Thiel ist laut Kartellamt einer der teuersten Online-Zahlungsdienste in Deutschland

Foto: Rebecca Blackwell / AP

Das Bundeskartellamt nimmt den Bezahldienst Paypal ins Visier. Die Bonner Wettbewerbshüter leiteten ein Verfahren gegen die Europa-Tochter ein, um zu untersuchen, ob Paypal eine marktbeherrschende Stellung in Deutschland ausnutzt und damit den Wettbewerb behindert. Wie das Kartellamt am Montag mitteilte, geht es konkret um die Nutzungsbedingungen von Paypal, nach denen Händler ihre Waren und Dienstleistungen nicht zu niedrigeren Preisen anbieten dürfen, wenn Verbraucher für die Bezahlung eine günstigere Zahlungsmethode als Paypal wählen. Von Paypal lag zunächst keine Stellungnahme vor.

"Wir werden jetzt prüfen, welche Marktmacht Paypal zukommt und inwieweit Online-Händler darauf angewiesen sind, Paypal als Zahlungsmethode anzubieten", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt (62). "Wenn die Händler gehindert werden, die unterschiedlich hohen Kosten der verschiedenen Zahlungsmethoden über entsprechende Aufschläge oder Rabatte zu berücksichtigen, können sich andere und neue Zahlungsmethoden im Preis- und Qualitätswettbewerb schlechter behaupten", unterstrich er. Leidtragende wären dann auch die Verbraucher, die höhere Kosten am Ende indirekt über die Produktpreise zahlen müssten.

Die Aktie  des Beizahldienstleisters fiel im vorbörslichen US-Handel um mehr als 2 Prozent, legte nach Handelsstart aber leicht zu.

Paypal, das von Star-Investor Peter Thiel (55) gegründet wurde, ist laut Kartellamt einer der teuersten Online-Zahlungsdienste hierzulande: Die Standardgebühr beträgt in Deutschland 2,49 bis 2,99 Prozent des Zahlungsbetrages zuzüglich 34 bis 39 Cent pro Zahlung. Üblicherweise legen Händler die Entgelte auf die Produktpreise um, sodass letztlich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Kosten der Zahlungsdienste tragen – auch wenn sie anders als etwa die Versandkosten zumeist nicht separat ausgewiesen werden.

Das Kartellamt hat ein Auge auf die boomende Internet-Wirtschaft geworfen, um in diesem Bereich den Wettbewerb zu sichern. Der Gesetzgeber hatte dem Kartellamt dazu im Januar 2021 neue Instrumente in die Hand gegeben. Unter anderem nehmen die Bonner auch Amazon oder Facebook unter die Lupe.

dri/Reuters, afp
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