Klage gegen Amazon Parler-Chef gibt sich kämpferisch - "werden zurückkehren"

Mit einer Klage gegen Amazon kämpft die Trump-freundliche Plattform Parler um ihr Überleben. Chef John Matze räumt ein, dass die Chancen für die Twitter-Alternative schlecht stehen.
Bild der Vergangenheit: Aufnahme der Parler-Seite vom 7. Januar

Bild der Vergangenheit: Aufnahme der Parler-Seite vom 7. Januar

Foto: Jacopo Landi / Hans Lucas / imago images

Die bei Anhängern von US-Präsident Donald Trump beliebte Twitter-Alternative Parler schließt nach der Abschaltung bei Amazon, Google und Apple ihr Ende nicht aus. "Es könnte niemals sein", sagte Vorstandschef und Mitgründer John Matze (27) am Mittwoch (Ortszeit) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage, wann das soziale Netzwerk wieder online gehe. "Wir wissen es noch nicht." Ausschließen wollte Matze aber ein Comeback nicht ganz. "Ich bin ein Optimist", fügte er später hinzu. "Es kann Tage dauern, es kann Wochen dauern, aber Parler wird zurückkehren. Und wenn wir das tun, werden wir stärker sein."

Parler geht seit Montag gerichtlich gegen die Sperrung auf den Servern von Amazon vor, durch die es um seine Existenz fürchten muss. In der am Mittwoch bekanntgewordenen Klageschrift fordert das Unternehmen, dass Amazon Web Services die Abschaltung zurücknehme. Amazon habe seinen Vertrag gebrochen, indem es das Unternehmen abgeschaltet habe.

Amazon seinerseits legte dem Gericht umfangreiche Belege für auf Parler verbreitete Hassbotschaften und Gewaltaufrufe vor. Amazon habe Parler mehrfach zum Entfernen solcher Inhalte aufgefordert. Da dies ausblieb, seien auch die vertraglichen Nutzungsbedingungen von Amazon Web Services verletzt worden. Amazon widersprach außerdem dem Vorwurf Parlers, das Abschalten könne ein kartellrechtlich relevanter Eingriff in den Social-Media-Markt zugunsten von Twitter sein.

Parler wurde erst 2018 gegründet, als Alternative zu der empfundenen Zensur rechtsgerichteter Beiträge auf Twitter, Facebook und anderen etablierten sozialen Netzwerken. Als Mitgründerin wirkte die Hedgefondserbin Rebekah Mercer (47). Groß wurde Parler im vergangenen Jahr als Rückzugsort des Trump-Teams und seiner Fans, während Twitter weiterhin Trumps wichtigstes Sprachrohr blieb. Zuletzt hatte Parler nach eigenen Angaben 15 Millionen registrierte Nutzer. Während des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar wurde Parler rege genutzt. Die von einer Hackerin vor der Abschaltung gesammelten Daten einschließlich Orts- und Zeitstempeln von Aufnahmen werden nun auch für die Strafverfolgung genutzt.

Suche nach alternativen Cloud-Diensten

Matze sagte, dass Parler mit mehreren alternativen Cloud-Computing-Diensten im Gespräch sei. Er weigerte sich aber, Namen zu nennen und begründete dies mit dem Hinweis auf mögliche Schikanen für die beteiligten Unternehmen. Das Beste wäre, wenn Parler wieder auf Amazon zurückgreifen könnte, sagte der Vorstandschef.

Google und Apple haben das Herunterladen der Blog-App vorerst blockiert. "Es ist schwer, den Überblick zu behalten, wie viele Leute uns sagen, dass wir keine Geschäfte mehr mit ihnen machen können", sagte Matze dazu. Die Unternehmen führten an, dass die Plattform keine ausreichenden Regelungen zum Schutz vor gefährlichen Inhalten biete.

Amazon nannte als Beispiel Beiträge wie "Nur ein toter Demokrat ist ein guter Demokrat. Kill'em all." Parler betonte nun, die meisten problematischen Beiträge seien entfernt worden. Beleidigungen - wie etwa gegen die ehemalige First Lady Michelle Obama - seien zwar hasserfüllt, aber durch die Verfassung geschützt.

Twitter hatte am Freitag Trumps privaten Account dauerhaft gesperrt. Wenige Tage nach dem Sturm aufs Kapitol durch Trump-Anhänger begründete der Kurznachrichtendienst den Schritt damit, dass Trumps jüngste Tweets das Risiko einer weiteren Anstiftung zu Gewalt erkennen ließen. Aufgebrachte Trump-Befürworter hatten am Mittwoch voriger Woche das Kapitol, den Sitz des amerikanischen Parlaments, erstürmt. Fünf Menschen - darunter ein Polizist - starben im Zusammenhang mit den Ausschreitungen, die weltweit für Entsetzen sorgten. Trump hatte zuvor Tausende seiner Anhänger aufgefordert, zum Kapitol zu marschieren, wo die Wahl seines Rivalen Joe Biden gerade offiziell bestätigt werden sollte.

ak/Reuters